Boardingsystem mit Tücken Sind die ersten Reihen im Flugzeug die besten Plätze?

Von Elke Schröder

Wer hinten im Flugzeug sitzt, muss bei einem dreistufigen Boarding zwar länger warten, aus gesundheitlicher Sicht kann diese Platzierung unter Umständen aber von Vorteil sein, meinen US-Forscher. Foto: colourbox.deWer hinten im Flugzeug sitzt, muss bei einem dreistufigen Boarding zwar länger warten, aus gesundheitlicher Sicht kann diese Platzierung unter Umständen aber von Vorteil sein, meinen US-Forscher. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Die ersten Reihen im Flugzeug sind manchmal nicht die besten Plätze. Das haben US-Forscher herausgefunden.

Mehr Service und mehr Beinfreiheit: Selbst im Ferienflieger haftet den ersten Reihen in einem Flugzeug noch ein wenig der Ruf einer abgeteilten 1. Klasse an. Dort, wo es die nicht gibt, reizt eine vermeintliche Zeitersparnis beim Ein- und Aussteigen, vor dem Flug einen Sitzplatz in den vorderen Bereich zu reservieren. Doch sind das wirklich die besten Plätze?

Im Fokus: Dreistufiges Bordingsystem

Aus gesundlicher Sicht unter Umständen nicht: Wer vorne sitzt, habe ein höheres Risiko, sich mit gefährlichen Krankheitserregern anzustecken als diejenigen im hinteren Teil der Kabine. Das haben Forscher zweier US-Studien herausgefunden. Ursache sei das dreistufige Boarding, also beginnend mit dem Einsteigen der Passagiere der vorderen Reihen, dann die der mittleren und zum Schluss die der hinteren. Denn alle anderen Passagiere müssen an den zuerst eingestiegenen in den ersten Reihen vorbei. Das Aussteigen verlaufe in der Regel zügiger, deshalb sei in diesem Zusammenhang das Einsteigen das größere Problem, hieß es.

Wie breiten sich Krankheitserreger in der Kabine aus?

Sowohl Wissenschaftler der Arizona State University unter der Leitung von Anuj Mubayi als auch Forscher der Florida State University um Ashok Srinivasan hatten in unterschiedlichen Studien mittels Computersimulation untersucht, wie sich Krankheitserreger in der Kabine ausbreiten.

Anlass sei demnach die Ebola-Epidemie in Westafrika 2014 gewesen und die Gefahr einer Ausbreitung durch Reisende. Vor diesem Hintergrund sprechen sich die Forscher gegen das blockweise Einsteigen aus und empfehlen, mit einem anderen Boardingsystem das Risiko einer Ansteckung mit Infektionskrankheiten zu minimieren: Beispielsweise mit einem Zwei-Zonen-Boarding in Längsrichtung, bei dem zuerst die Passagiere auf der linke Seite und dann die auf der rechten Seite Platz nehmen, wobei die Passagiere innerhalb der Zonen nach dem Zufallsprinzip einsteigen.

Dicht gedrängt im Gang

Auf diese Weise würden die Reisenden wahrscheinlich nicht so lange Zeit dicht im Gang gedrängt zusammenstehen, zitiert das Magazin der Florida State University Studienleiter Srinivasan. Zwar würde dieses System mehr Zeit beim Einsteigen in Anspruch nehmen, aber er ist sich sicher, dass „wenn die Passagiere zwischen Ebola und ein paar Minuten später Platznehmen wählen könnten, vermuten wir, sie würden Letzteres bevorzugen.“