Studie des Umweltbundesamtes ARD: Auch geringe Stickstoffdioxid-Werte verursachen vorzeitige Todesfälle

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Aktivisten der  Umweltorganisation Greenpeace fordern in Stuttgart saubere Luft. .Foto:Imago/ Arnulf HettrichAktivisten der Umweltorganisation Greenpeace fordern in Stuttgart saubere Luft. .Foto:Imago/ Arnulf Hettrich

Osnabrück. Auch sehr geringe Stickstoffdioxid-Konzentrationen, wie zum Beispiel in ländlichen Gebieten, können gravierende gesundheitliche Folgen haben. Das geht aus einer bisher unveröffentlichten Studie des Umweltbundesamtes hervor, die dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ vorliegt.

Dies betreffe auch NO2-Konzentrationen, die weit unterhalb des gültigen Jahresmittel-Grenzwertes von 40 µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter) liegen, heißt es in einer Pressemitteilung des Senders. Vorzeitige Todesfälle treten demnach bereits ab einer längeren Stickstoffdioxid-Konzentration von rund 10 µg/m³Luft auf. Dieser Wert werde jedoch in Deutschland selbst in ländlichen Gebieten oft überschritten. Im Rahmen der Studie wurde erstmals flächendeckend für Deutschland untersucht, welche gesundheitlichen Schäden durch Stickstoffdioxid verursacht werden können.

6000 bis 8000 vorzeitige Todesfälle

6000 bis 8000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr seien allein auf Herzkreislauferkrankungen zurückzuführen, die durch Stickstoffdioxid ausgelöst wurden. In verkehrsreichen Gegenden und Ballungszentren seien die gesundheitlichen Schäden durch NO2 noch deutlich größer, betonen die Autoren der Studie.

Außerdem könnten weitere tausende vorzeitige Todesfälle hinzukommen, die durch andere Krankheiten entstehen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch Schlaganfälle, Lungenerkrankungen wie Asthma oder Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie Diabetes durch Stickstoffdioxid ausgelöst oder verschlimmert werden können. Allerdings sei bei diesen Erkrankungen der Zusammenhang mit Stickstoffdioxid nicht so stark durch Studien belegt, wie bei den Herzkreislauferkrankungen, heißt es in der Mitteilung der ARD.

„Modellregionen“

Im Rahmen der Studie sei zudem in drei sogenannte „Modellregionen“ Berlin, München und Brandenburg der Zusammenhang zwischen der lokalen Stickstoffdioxid-Konzentration und den dortigen Krankheitsfällen genauer unter die Lupe genommen worden. Dabei habe sich gezeigt, dass in höher belasteten Ballungsgebieten die vorzeitigen Todesfälle noch deutlich höher liegen. Der Untersuchung waren die gesundheitlichen Schäden durch Stickstoffdioxid in München am größten, gefolgt von Berlin und Brandenburg.

Lungenexperten warnen

Die Studie wurde nach Angaben der ARD bereits Ende Mai 2017 fertig gestellt, bisher aber nicht veröffentlicht. Auf Nachfrage des Senders erklärte ein Sprecher des Umweltbundesamtes, dass es noch keinen Termin für die öffentliche Vorstellung der Studie gebe.

Lungenexperten unter anderem der ERS (European Respiratory Society) hätten immer wieder auf die Gefährlichkeit von Stickstoffdioxid hingewiesen, heißt es in der ARD-Mitteilung weiter. Experten des ERS wurden mit der Aussage zitiert: „Der Zusammenhang zwischen kurzfristiger Exposition mit Stickstoffdioxid und erhöhter Sterblichkeit, Krankenhauseinweisungen sowie einem erhöhten Risiko für bestimmte Atemwegserkrankungen ist wissenschaftlich belegt. Neuere epidemiologische Studien liefern darüber hinaus immer mehr Belege für den Zusammenhang von Langzeitexposition gegenüber NO2 mit Lungenerkrankungen und vorzeitiger Mortalität.“

Deutsche Umwelthilfe

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert seit längerem die Überschreitung der gültigen Jahres-Grenzwerte bei Stickstoffdioxid (40 µg/m³ Luft) in deutschen Städten und fordert daher Fahrverbote für bestimmte Dieselfahrzeuge. Ob diese Fahrverbote rechtlich zulässig sind, darüber wird an diesem Donnerstag vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt.


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