Untersuchung in Jena Stickoxide: Bei schnellem Anstieg erhöhtes Herzinfarktrisiko

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Ein schneller, kurzfristiger Anstieg des Stickoxidgehalts in der Umgebungsluft kann das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen, haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena festgestellt.. Foto:Michael Szabo/UKJEin schneller, kurzfristiger Anstieg des Stickoxidgehalts in der Umgebungsluft kann das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen, haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena festgestellt.. Foto:Michael Szabo/UKJ

Osnabrück. Der Diesel-Skandal hat das Stickoxid in den Fokus gerückt. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena warnen jetzt davor, dass auch ein schneller Anstieg des Stickoxidgehalts in der Umgebungsluft das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen könne. Bislang war bekannt, dass anhaltend hohe Konzentrationen der Gase die Gefahr von Infarkten steigern können.

Damit könnten sich Stickoxide auch in vergleichsweise „sauberer“ Luft schädlich auswirken, hieß es in einer Pressemitteilung des Klinikums. Die Mediziner haben einen möglichen Zusammenhang im Rahmen einer Studie untersucht. Sie seien von Anfang an zwar davon ausgegangen, dass das Risiko für Herzinfarkte mit der Änderung der Luftqualität zusammenhänge, „die Deutlichkeit des Zusammenhangs hat uns dann doch überrascht, sie ist nahezu linear“, betont Florian Rakers, Seniorautor der Studie. Nach Angaben seines Teamkollegen Matthias Schwab soll sich das akute Herzinfarktrisiko nahezu verdoppelt haben, wenn die Stickoxidkonzentration innerhalb eines Tages um 20 Mikrogramm pro Kubikmeter angestiegen sei.

Kurzfristige Anstiege

Gefahren durch solche dynamischen, kurzfristigen Anstiege der Luftverschmutzung sind durch europäische Grenzwerte bisher nicht erfasst. Sie müssten nun möglicherweise um eine dynamische Komponente ergänzt werden, schreiben die Wissenschaftler. Sie fordern dringend Untersuchungen in größerem Maßstab und in anderen geografischen Regionen.

Daten von 700 Patienten

Für ihre Studie betrachteten die Wissenschaftler alle Patienten, die mit einem akuten Herzinfarkt in den Jahren 2003 bis 2010 im Universitätsklinikum Jena behandelt wurden. In die Auswertung flossen nur die Daten derjenigen Patienten ein, die aus einem Umkreis von zehn Kilometer um das Klinikum stammten und für die sich der Zeitpunkt, zu dem die Beschwerden begannen, genau rekonstruieren ließen.

Die Daten dieser knapp 700 Patienten seien dann mit den Aufzeichnungen der Immissionsdaten für Stickoxide (NOX/2), Ozon (O3) und Feinstaub (PM10) der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie abgeglichen worden. Im Detail untersuchten die Wissenschaftler, ob sich die Konzentrationen der wichtigsten Luftschadstoffe kurz vor den ersten Herzinfarktsymptomen über einen Zeitraum von 24 Stunden ungewöhnlich stark verändert haben. Bei der statistischen Auswertung zeigte sich dann, dass das akute Herzinfarktrisiko sich in etwa verdoppelte, wenn die Stickoxidkonzentration innerhalb eines Tages um 20 Mikrogramm pro Kubikmeter anstieg.

Feinstaub und Ozon

Für Feinstaub und Ozon waren die Ergebnisse weniger eindeutig. „Ein Zusammenhang zwischen einem schnellen Anstieg beider Luftschadstoffe und dem akuten Herzinfarktrisiko ließ sich nicht bestätigen. „Nichts desto trotz sind hohe Konzentrationen von Feinstaub und Ozon insbesondere für Patienten mit Lungenerkrankungen schädlich“, betont Christian Schulze, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat.

„Saubere“ Stadt

Als Studienort haben sich die Wissenschaftler nach eigenen Angaben bewusst eine „saubere“ Stadt ausgewählt: In den betrachteten acht Jahren seien die derzeit geltenden europäischen Grenzwerte für alle gemessenen Luftverschmutzungsparameter in Jena bis auf wenige Tage eingehalten worden. „Rasche Anstiege der Stickoxidkonzentrationen treten auch in einer vermeintlich sauberen Stadt wie Jena etwa 30-mal pro Jahr auf. Verantwortlich hierfür ist wahrscheinlich ein ungewöhnlich hohes

Verkehrsaufkommen oder meteorologische Faktoren, die eine Smogentwicklung begünstigen“, führt Rakers aus.


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