Vorsätze zur Fastenzeit Gewichtsverlust per Verzicht oder Bier – Fünf Diät-Irrtümer

Von Christian Satorius

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die gerne für eine Diät genutzt wird. Welchen Irrtümern Sie dabei nicht auf den Leim gehen sollten. Foto: imago/McPHOTOAm Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die gerne für eine Diät genutzt wird. Welchen Irrtümern Sie dabei nicht auf den Leim gehen sollten. Foto: imago/McPHOTO

Osnabrück. Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Sie wird gerne für eine Diät genutzt. Doch so mancher Diät-Irrtum kann einem den Appetit auf das Abnehmen verderben. Fünf Beispiele.

„Im Schlaf nimmt man nicht ab.“

Schön wäre es doch, wenn man ganz einfach im Schlaf abnehmen könnte – und das funktioniert sogar, wenn auch nur in Grenzen. Experten nennen die Energiemenge, die unser Körper in völliger Ruhe verbrennt „Grundumsatz“. Diese Energie wird vom Organismus aufgebraucht, um wichtige Körperfunktionen wie etwa die Atmung auch in völliger Ruhe, also z. B. beim Schlafen sicherzustellen. Mit anderen Worten: Auch im Schlaf werden Kalorien verbrannt.

  • Der Grundumsatz eines 40-jährigen Mannes, 75 Kilo, beträgt in 24 Stunden etwa 1750 kcal.
  • Der Grundumsatz einer 30-jährigen Frau, 60 Kilo, beträgt in 24 Stunden etwa 1350 Kilokalorien.

Würden wir uns also tagsüber nicht immer wieder neue Kalorien anfuttern, so könnten wir im Schlaf kräftig abnehmen – und zwar, ganz ohne uns tagsüber bewegen zu müssen oder auch überhaupt nur aufzustehen.

So verführerisch sich das Ganze im ersten Moment anhören mag: Ganz so einfach ist das in der Praxis leider nicht. Zum einen schläft wohl kaum jemand 24 Stunden am Tag, zum anderen drohen selbst bei geringerer Ruhezeit ohne ausreichende Bewegung natürlich Muskelabbau und noch schlimmeres Unbill, von Essstörungen mal ganz zu schweigen.

In den USA lässt sich zur Zeit dennoch der gefährliche Trend beobachten, den Schlaf mit Hilfe von Tabletten möglichst lange auszudehnen, um so einfacher abnehmen zu können. Frei nach dem Motto „If you aren’t awake, you’re not eating cake“, übersetzt also in etwa „Wenn du nicht wach bist, kannst du auch keinen Kuchen essen“, nennt sich das Ganze dann „Sleeping Beauty Diet“, bei uns auch „Dornröschen-Diät“. Hier besteht natürlich nicht nur die Gefahr der Tablettenabhängigkeit, und so warnen Mediziner verständlicherweise ausdrücklich vor dieser wirklich schlechten und gefährlichen Diät-Idee.

„Eine Blitz-Diät vernichtet die Fettpölsterchen besonders schnell.“

Sogenannte „Blitz-Diäten“ versprechen einen besonders schnellen Fettabbau in ganz kurzer Zeit. Und wirklich: Nach nur wenigen Tagen beginnen die Pfunde meist auch schon zu purzeln.

Doch was da so auf die Schnelle abgebaut wird und für den rasanten Schwund der Kilogramme sorgt, ist mitnichten das Körperfett, warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn: „Der hohe Gewichtsverlust beruht zu einem großen Teil auf Wasserverlusten und dem Abbau von Muskelprotein, wohingegen sich die gewünschte Verringerung des Fettgewebes in Grenzen hält.“

„Ich faste und verliere trotzdem kein Gewicht.“

Das Wort „Fastenzeit“ klingt verführerisch: Einfach ein bisschen weniger essen und schon purzeln die Pfunde. Doch ganz so einfach ist das nicht. Zum einen droht nach der Fastenkur der gefürchtete Jo-Jo-Effekt, zum anderen kommt es nicht nur darauf an, wie viele Kalorien dem Körper zugeführt werden, sondern auch, wie viele er verbrennt. Mit anderen Worten: Unterm Strich zählt nur die Gesamtbilanz. Wer weniger essen will, um abzunehmen, muss sich auch genau so oft bewegen wie immer, sonst kann das Ganze nicht funktionieren.

In der kalten Jahreszeit den täglichen Spaziergang einfach ausfallen zu lassen, geht also nicht. Experten empfehlen zudem, ein Diät-Tagebuch zu führen und darin ganz genau aufzulisten, was man im Tagesverlauf so alles zu sich nimmt. Im Alltag wird nämlich der eine oder andere Snack gerne mal vergessen in die Rechnung mit einzubeziehen: Hier einen Apfel, da einen Jogurt, Schokoriegel fallen natürlich noch mehr ins Gewicht. All diese Kleinigkeiten können sich im Tagesverlauf ganz schön summieren, sodass man abends auf der Waage dem Irrtum aufsitzt, kaum etwas gegessen zu haben und trotzdem noch genau so viel zu wiegen wie am Tag zuvor.

Übertreiben darf man es mit dem Fasten übrigens auch nicht, warnen Mediziner. Der Körper will nämlich auch in der Fastenzeit ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, sonst kommt es schnell zu Mangelerscheinungen. Wer ausgiebig fasten will, sollte also vorher unbedingt den Arzt befragen.

„Wer schlank sein will, muss fasten bzw. eine Diät machen.“

Das ist wohl einer der dicksten Irrtümer überhaupt: Wer schlank sein will, muss fasten bzw. eine Diät machen. Das große Problem aller Diäten und Fastenkuren ist neben den Heißhungerattacken vor allem der Jo-Jo-Effekt: Wenn das große Darben vorbei ist, holt sich der Körper zurück, was er so lange vermisst hat, und das oft sogar noch mit Zinsen, sprich: zusätzlichen Pfunden. Am Ende wiegt man also sogar noch mehr als vor der Diät.

Wer dauerhaft schlank bleiben möchte, und sich nicht für eine Magenverkleinerung unters Messer legen will, kommt nicht umhin, seine Ernährung und sein Verhalten dauerhaft umzustellen. Ernährungsberater können dabei eine wertvolle Hilfe sein.

„Biertrinker sind beim Abspecken im Vorteil.“

Das ist leider zu schön, um wahr zu sein: An manchem Stammtisch erfreut sich die Theorie großer Beliebtheit, dass man beim Biertrinken abnehmen würde. Die Idee, die dahinter steckt, ist die: Jedes kalte Getränk, das man zu sich nimmt, wird im Bauch ja praktisch automatisch auf 37 Grad Celsius Körpertemperatur erwärmt. Und genau das kostet Energie, die zum Abnehmen genutzt werden kann.

Die Milchmädchenrechnung geht nun so: Um einen Milliliter Wasser um ein Grad Celsius zu erwärmen, wird die Energie einer einzigen Kalorie benötigt. Vereinfacht gesagt stimmt die Rechnung bis hierher sogar. Will man nun einen Liter Bier – der ja überwiegend aus Wasser besteht – von 10 Grad Celsius Trinktemperatur auf 37 Grad Celsius Körpertemperatur erwärmen, braucht man dafür genau 37 (Grad Celsius Körpertemperatur) minus 10 (Grad Celsius Trinktemperatur) mal 1000 Kalorien (1000 Milliliter sind 1 Liter), also exakt 27.000 Kalorien.

Der eigentliche Trugschluss kommt jetzt: Da ein Liter Bier ja aber nur 400 Kalorien hat, nimmt man beim Biertrinken also ganz automatisch ab. Das Problem: In der Umgangssprache spricht man zwar von „Kalorien“, meint damit in der Regel aber in Wahrheit „Kilokalorien“, also die tausendfache Menge. Ein Liter Bier hat dann auch mitnichten nur 400 Kalorien, sondern vielmehr ganze 400 Kilokalorien (kcal), also 400.000 Kalorien.

Die richtige Rechnung muss also so aussehen: 400.000 Kalorien minus 27.000 Kalorien sind gleich 373.000 Kalorien bzw. 373 Kilokalorien (kcal), die als Hüftgold noch übrig bleiben. Schade eigentlich.

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