Siedler als Bruderschaft der Nachtwache A Game of Thrones Catan: Wie gut ist das Brettspiel?

Von Karsten Grosser


Osnabrück. Wie passen ein Familienspiel und eine vor Gewalt strotzende TV-Serie zusammen? Bestens, wie das Spiel „A Game of Thrones Catan“ zeigt. Der Kampf gegen die Wildlinge aus dem Norden sorgt sogar für einen kooperativen Aspekt, denn: Der Winter naht.

Die Kombination scheint auf den ersten Blick gewagt. Da ist einerseits der Millionenseller „Catan“, bei dem trotz allen Wettbewerbs das Handeln untereinander einen wichtigen Faktor der Beliebtheit darstellt. Und andererseits als Lizenz eine extrem erfolgreiche Fernsehserie, bei der Intrigen, Brutalität und Rücksichtslosigkeit im Fokus stehen. Passt das? Ja, weil als thematische Einbettung nicht die für „Game of Thrones“ typischen Machtspiele dienen, sondern die gemeinsame Abschottung gegen Eindringlinge aus dem Norden: die Wildlinge, die sich hier als detaillierte Miniaturen in dem Gebiet Frostfänge nach und nach formieren. Die Figuren und die Lizenz machen das Spiel mit rund 90 Euro jedoch auch recht teuer.

Mauer schützt die Schenkung vor den Wildlingen

Die grundsätzliche Charakteristik des „Catan“-Grundspiels bleibt erhalten. Allerdings siedeln die Spieler nicht mehr auf einer Insel, sondern in der schneebedeckten und eisigen Schenkung südlich der Mauer, welche die Häuser Westeros‘ vor den Wildlingen beschützt. Die Spieler agieren deshalb auch nicht nur als Straßen- und Siedlungsbauer, sondern treten als Bruderschaft der Nachtwache der Gefahr aus dem Norden entgegen. Sie schicken Wächter auf die vier Abschnitte der Mauer, um gemeinsam die Gebiete diesseits davon zu beschützen. Denn: Überwindet eine Kreatur wie zum Beispiel ein Riese das Bollwerk, blockiert sie die Erträge der Rohstofffelder. Und das will ja niemand. Oder doch?

A Game of Thrones Catan: Die Mauer trennt die Rohstofffelder von den Wildlingen. Foto: Karsten Grosser

Der Sturm der Wildlinge kann durchaus zu einem taktischen Mittel werden. Im Regelfall gewinnt zwar derjenige, der zuerst zehn Siegpunkte beisammen hat. Doch bei einem dritten Durchbruch der Wildlinge endet die Partie sofort – und es siegt derjenige, der zu diesem Zeitpunkt die meisten Wächter auf der Mauer hat. So stellt mancher schlicht aus Eigennutz eine Figur auf die Mauer, andere werden quasi zur Kooperation gezwungen.

Je mehr gebaut wird, desto angriffslustiger werden die Wildlinge

Gut daran: Wegen der zwei unterschiedlichen Siegmöglichkeiten nehmen die taktischen Möglichkeiten zu. „Catan“ wird zwar etwas komplexer, gewinnt aber auch an Tiefe. Zumal die Steuerung der Wildlinge einem plausiblen System folgt. Je mehr Siedlungen und Städte in der Schenkung entstehen, desto angriffslustiger werden die Wildlinge. Das macht Sinn und spannt kontinuierlich den Spannungsbogen. Wie es eben oft in der Serie wegen der Gefahr aus dem Norden heißt: Der Winter naht.

Unterstützung durch „A Game of Thrones“-Charaktere

Um sich gegen die Bedrohung zu wehren, können die Spieler auf die Hilfe vieler „A Game of Thrones“-Charaktere setzen. Figuren wie Benjen Stark oder Melisandre kommen als Aktionskarten in die Partie und eröffnen Möglichkeiten wie zum Beispiel die, Eindringlinge auch wieder vertreiben zu können. Diese Karten setzen der höheren Komplexität Tempo entgegen, sodass die Spieldauer nicht allzu sehr ausufert. 90 Minuten sollte man aber schon einplanen. Und wer einfach mal wieder das normale „Catan“ in winterlicher Landschaft spielen möchte, dreht den Plan einfach auf die Rückseite.

Würfelnote: 5 (stark)

A Game of Thrones Catan (Kosmos) von Klaus und Benjamin Teuber ist für 3 oder 4 Spieler ab 12 Jahren, dauert etwa 90 Minuten und kostet rund 90 Euro.

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Legende der Würfelnoten:

1 = schwach

2 = mittelmäßig

3 = ordentlich

4 = gut

5 = stark

6 = genial