EU-Parlament: Gegner der Sommerzeit enttäuscht Zeitumstellung: Prüfen ja, abschaffen vielleicht

Von Waltraud Messmann

Am 25.März beginnt in der EU die Sommerzeit. Um 2:00 Uhr nachts werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Foto:imago/EibnerAm 25.März beginnt in der EU die Sommerzeit. Um 2:00 Uhr nachts werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Foto:imago/Eibner

Osnabrück. Schlappe für die Gegner der „Sommerzeit“ im EU-Parlament: Sie scheitern mit ihrem Antrag, die Zeitumstellung möglichst bald einzustellen. Die EU-Kommission soll zunächst weitere Fakten sammeln und prüfen.

Der deutsche Europaabgeordnete Dieter-Lebrecht Koch (CDU) zeigt sich nach der Abstimmung im EU-Parlament zwar enttäuscht, sieht aber auch Fortschritte. „Das Thema ist nun in aller Munde, und das ist ein kleiner Erfolg, der vor allem ein Schritt in die richtige Richtung ist!“, sagte der Mitbegründer einer fraktionsübergreifenden Initiative im EU-Parlament gegen die Zeitumstellung in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Enttäuscht

Enttäuscht sei er darüber, dass die ursprüngliche Entschließung, die eine direkte Abschaffung der Zeitumstellung von der EU-Kommission forderte, nicht durchgegangen sei. „Gleichzeitig freue ich mich aber darüber, dass eine Entschließung verabschiedet werden konnte, die die EU-Kommission dazu aufruft, sich mit der Thematik nochmals verstärkt auseinanderzusetzen und für eine transparente Aufbereitung bestehender und neuer Studien beziehungsweise Gutachten zu sorgen“, betont Koch. Auch der deutsche EU-Abgeordnete Jens Gieseke (CDU) bedauert das Abstimmungsergebnis: „Eine Mehrheit hat den Antrag so verändert, dass die Kommission nun erst noch einmal wieder prüfen und untersuchen muss. Das verlängert das Verfahren unnötig, denn es liegen ja unzählige Untersuchungen vor. Heute hat das Parlament eine Chance vertan.“

„Außer Kraft setzen“

Hubertus Hilgers, Mitbegründer der deutschen Initiative gegen die Zeitumstellung, weist im Gespräch mit unserer Redaktion darauf hin, dass die Bundesregierung jederzeit auch ohne Einwilligung der EU aus dem Konzept der Zeitumstellung aussteigen könne. „Für die Einführung und Beibehaltung der sogenannten Daylight-Saving-Time sind nach Angaben der EU-Kommission die einzelnen Länder selbst verantwortlich“, betont der Arzt. Die neue Bundesregierung fordert er deshalb auf, „die Sommerzeitverordnung möglichst bald mit einem einzigen Kugelschreiberstrich außer Kraft zu setzen“.

Nutzen der Zeitumstellung umstritten:

Seit 1980 gibt es die Sommerzeit in Deutschland, seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern einheitlich die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. Der Nutzen der Zeitumstellung ist umstritten: Die Hoffnungen, durch längere Helligkeit und den entsprechenden Verzicht auf Kunstlicht Energie einzusparen, hat sich vielen Analysen zufolge allerdings nicht bewahrheitet. Gleichzeitig betonen Kritiker, dass die Zeitumstellung den Biorhythmus von Mensch und Tier durcheinanderbringe, sie verursache zusätzliche Unfälle und Todesfälle: Herzinfarkte sollen häufiger auftreten. Befürworter der Sommerzeit betonen dagegen, dass sie den Menschen im Sommer zu mehr Sonnenlicht verhilft.