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13 Fälle in Dänemark Hepatitis A durch Datteln – Kiel fordert Verkaufsstopp

Mindestens 13 Menschen in Dänemark haben sich laut der Lebensmittelbehörde mit dem Hepatitis-A-Virus infiziert. Was sie neben der Krankheit verbindet, ist ihre Vorliebe für Datteln. Foto: imago/Manfred SegererMindestens 13 Menschen in Dänemark haben sich laut der Lebensmittelbehörde mit dem Hepatitis-A-Virus infiziert. Was sie neben der Krankheit verbindet, ist ihre Vorliebe für Datteln. Foto: imago/Manfred Segerer

Flensburg. Mindestens 13 Menschen in Dänemark haben sich laut der Lebensmittelbehörde mit dem Hepatitis-A-Virus infiziert. Was sie neben der Krankheit verbindet, ist ihre Vorliebe für Datteln.

Einer Pressemitteilung des staatlichen Serum Instituts (SSI) zufolge ist die Ansteckung offenbar über frische Datteln aus dem Iran geschehen, die beim Discounter Rema 1000 verkauft wurden. Das gleiche Produkt gehört auch zum Sortiment schleswig-holsteinischer Supermärkte. Konkrete Hinweise, dass der „Infektionsweg Dattel“ übergeschwappt sein könnte, gibt es bislang allerdings nicht.

Im laufenden Jahr hat es lediglich eine Meldung einer Hepatitis-A-Erkrankung in Schleswig-Holstein gegeben, 22 waren es im gesamten Jahr 2017. „Dadurch, dass die Krankheit über Jahre immer seltener geworden ist, fallen 13 Neuerkrankungen bei schätzungsweise 100 Fällen jährlich natürlich ins Gewicht“, sagt Professor Helmut Fickenscher vom Institut für Infektionsmedizin an der Uni Kiel. Das Verbraucherschutzministerium in Kiel gibt Entwarnung: „Wir haben zurzeit keine Erkenntnisse über vergleichbare Fälle in Schleswig-Holstein.“

Von dänischer Seite habe man bislang keine Informationen über den Fall übermittelt bekommen, erklärte der Pressesprecher des Ministeriums, Oliver Breuer, auf Anfrage von unserer Redaktion. Man habe das Veterinäramt aufgefordert, bei den Märkten Edeka und Netto zu ermitteln, welche Maßnahmen ergriffen wurden, damit keine kontaminierte Ware in den Verkehr gelange. Es sei dabei deutlich gemacht worden, dass zur Sicherheit die Ware aus dem Verkauf genommen werden solle. Zudem verlangte das Ministerium hinsichtlich der bekannten Fälle, die Kunden zu informieren. Von Edeka gab es bislang keine Reaktion auf die Anfragen.

„Wie die Nadel im Heuhaufen“

Fickenscher ist beeindruckt, dass es in diesem Fall gelungen ist, den Überträger ausfindig zu machen. „Das ist wie eine Nadel im Heuhaufen finden“, sagt der Mediziner. Bei dem riesigen Lebensmittelangebot und der Verteilung der Infizierten sei die Ermittlung des Infektionsherds kaum möglich. Festgestellt wurde die mögliche Verbindung in diesem Fall gewissermaßen mit „Polizeiarbeit“. Nach Interviews mit den Betroffenen stellte sich irgendwann heraus: Alle hatten von den Datteln gegessen – und zwar reichlich.

Filialen der norwegischen Lebensmittelkette Rema 1000 gibt es auch im grenznahen Krusau, in Düppel und in Tondern. Nach dem Hinweis der Behörde warnt der Discounter davor, die frischen Datteln mit der Aufschrift „Green Dates“ oder „Juicy Dates“ in den Größen 400 Gramm und 600 Gramm zu essen. Gekaufte Datteln können gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgebracht werden.

Datteln seit Dezember im Handel

Die Datteln des dänischen Importeurs „RM Import“, die das Virus übertragen haben sollen, sind bereits seit Dezember im Handel. Das SSI hat gemeinsam mit der Lebensmittelbehörde und der Technischen Universität weitere Nachforschungen eingeleitet. Die Infizierten sind zwischen 17 und 79 Jahren alt und leben quer durch Dänemark verteilt. Zwölf von ihnen waren bereits oder sind in stationärer Behandlung. Das staatliche Serum Institut rechnet damit, dass demnächst weitere Fälle von Hepatitis A auftreten werden, da viele Konsumenten gerade in der Weihnachtszeit von den nährstoffreichen Früchten gegessen haben. Die Inkubationszeit beträgt 15 bis 50, meist etwa 28 Tage.

In sechs der Fälle in Dänemark zeigte sich über DNA-Analysen, dass es sich um das identische Virus des Subtyps A3 handelte. Fieber, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall sind die häufigsten Symptome beim Ausbruch, bei härterem Verlauf kann die Krankheit auch als schwere Gelbsucht verlaufen. Kinder unter fünf Jahren reagieren meist nicht auf die Infektion.


Hepatitis

Was ist Hepatitis? Eine Hepatitis ist eine Leberentzündung, volkstümlich wird die Hepatitis, wegen der gelben Haut, die die Krankheit hervorrufen kann, auch „Gelbsucht“ genannt. Sie kann die Leberzellen schädigen und damit die Funktion der Leber beeinträchtigen.

Was macht eigentlich die Leber? Die Leber ist das größte unserer inneren Organe und spielt beim Stoffwechsel von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen eine wichtige Rolle. Sie entzieht dem Blut gefährliche Stoffe und produziert Galle für die Verdauung. Außerdem speichert unser Organismus Vitamine und Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Zink und Mangan in der Leber.

Welche Ursachen gibt es für eine Hepatitis? Eine Hepatitis kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann durch Viren, Bakterien oder Parasiten ausgelöst werden. Auch übermäßiger Alkoholkonsum oder bestimmte Medikamente können zu einer Leberentzündung führen. Am häufigsten wird Hepatitis jedoch durch Viren ausgelöst.

Woran erkenne ich eine Hepatitis? Die Symptome einer Hepatitis können sehr unterschiedlich ausfallen. Manche leiden sehr stark und andere haben keine Beschwerden und die Hepatitis wird nur zufällig durch erhöhte Leberwerte entdeckt. Meist beginnt eine Hepatitis mit allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder einem Druckgefühl im rechten Oberbauch. Später können charakteristische Symptome hinzukommen: leichte Gelbfärbung von Haut und Augen, Juckreiz, verfärbter Stuhl und Urin.

Wie wird eine Hepatitis übertragen? Eine Übertragung ist abhängig vom Virustyp.

  • Hepatitis A wird hauptsächlich durch Kontakt- oder Schmierinfektion übertragen. Häufig wird Hepaititis A auf Reisen in Länder übertragen, in denen schlechte hygienische Bedingungen im Lebensmittelbereich herrschen.
  • Hepatitis B wird durch alle Körperflüssigkeiten übertragen. Blut, Sperma, Speichel, Tränen, Urin, Muttermilch etc. Jeder Kontakt ist gefährlich.
  • Hepatitis C wird hauptsächlich über das Blut übertragen, wobei das Virus aber in nahezu allen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden kann. Ein hohes Ansteckungsrisiko besteht bei intravenösem Drogenkonsum mit nicht sterilen Nadeln, Tätoowierungen oder Piercings.
  • Hepatitis D kommt nur zusammen mit einer Hepatitis B-Infektion vor und wird durch Körperflüssigkeiten übertragen.
  • Hepatitis E-Erreger kommen hauptsächlich in Afrika und Asien vor und werden über Trinkwasser oder Nahrung übertragen.

Welche Hepatitis-Imfungen gibt es? Hepatitis-Impfungen gibt es nur für Hepatitis A und B. Gegen eine Hepatitis C gibt es bislang noch keine Impfung, sie ist jedoch seit einigen Jahren durch eine Behandlung mit Tabletten heilbar geworden. Weniger gut als bei einer Hepatitis-C-Diagnose stehen die Aussichten bei einer Diagnose mit einer Hepatitis-B – sie gilt als Diagnose fürs Leben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 1995 Impfungen gegen Hepatitis B für alle Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Eine Hepatitis A-Impfung wird vor allem vor Reisen in Länder, in denen schlechte hygienische Bedingungen im Lebensmittelbereich herrschen. Jedoch steigt die Zahl der Hepatitis A-Registrierungen in den letzten Jahren auch hierzulande – besonders in den Großstädten. Von den bundesweit rund 550 gemeldeten Infektionen mit Hepatitis A in diesem Jahr stammen gut 100 aus Berlin.

Wann und wie oft muss geimpft werden? Die Grundimmunisierung wird durch drei Impfungen erreicht. Die zweite Impfung sollte vier Wochen nach der ersten erfolgen. Die dritte wird sechs Monate nach der ersten Impfung gespritzt. Bereits nach der zweiten Impfung haben sich meist Antikörper gebildet. Ein Langzeitschutz mit 96 Prozent Sicherheit wird jedoch erst nach der dritten Injektion erreicht.

Was kostet eine Hepatitis-Impfung? Kinder bis zum 18. Lebensjahr müssen nichts für eine Hepatitis-Impfung zahlen. Sie wird von der Krankenkasse übernommen. Bei gefährdeten Berufsgruppen kann eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse oder den Arbeitgeber erfolgen. Bei medizinischem Personal muss der Arbeitgeber die Kosten tragen. Einige Krankenkassen erstatten die Kosten für eine Reiseimpfung. Ansonsten kostet eine Hepatitis B-Impfung circa 50 Euro. Die drei Spritzen zur Grundimmunisierung liegen also bei rund 150 Euro. Für etwa 180 Euro kann eine Grundimmunisierung mit einer Kombiimpfung gegen Hepatitis A und B erfolgen.

Wie finde ich heraus, ob ich einen Impfschutz habe? Gegen welche Krankheiten Sie wann geimpft wurden, können Sie Ihrem Impfpass entnehmen. Obwohl der Impfpass ein wichtiges Dokument ist, geht er vielen verloren. Sollte das der Fall sein, kann man beim Hausarzt einen neuen beantragen. Die geleisteten Impfungen werden dann hier nachgetragen – sofern dieser die Impfungen durchgeführt hat. Ansonsten sollten Sie bei Ihrem ehemaligen Hausarzt anrufen. Sollte auch das nicht möglich sein, gibt es die Möglichkeit die Frage nach dem Impfschutz mithilfe eines Bluttests zu beantworten. Die Kosten für einen solchen Bluttest müssen jedoch selbst getragen werden.