Kombipräparate vermeiden Warentest: Diese rezeptfreien Arzneimittel taugen wenig

Von Lorena Dreusicke

Viele rezeptfreien Lutschpastillen gegen Halsweh wirkten nicht ausreichend, bemängelt Stiftung Warentest. Symbolfoto: dpaViele rezeptfreien Lutschpastillen gegen Halsweh wirkten nicht ausreichend, bemängelt Stiftung Warentest. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Stiftung Warentest rät vom Kauf spezieller rezeptfreier Medikamente ab. Darunter sind bekannte Präparate von Wick, Dobendan oder Aspirin. Es gebe bessere Alternativen, meinen die Tester.

Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest lässt ein Expertenteam regelmäßig die meist verkauften Medikamente überprüfen. Von 1500 rezeptfreien Mitteln hätten 500 schlecht abgeschnitten. Die Gründe dafür und alternative Arzneien hat die Stiftung Warentest auf ihrer Website veröffentlicht.

Erkältungsmittel: Dem Test zufolge ergänzen sich die Inhaltsstoffe in vielen Kombipräparaten schlecht und bergen das Risiko von Nebenwirkungen. Dazu zählen etwa Kapseln von Grippostad C oder Wick DayMed sowie der MediNait Sirup und das Aspirin Complex Granulat. Statt ein Mittel gegen alle Erkältungssymptome einzunehmen, sollten lieber die Beschwerden einzeln behandelt werden, rät Stiftung Warentest: Paracetamol gegen Schmerzen und Fieber, Nasensprays oder -tropfen gegen Schnupfen.

Weiterlesen: Erkältungszeit: Was ist Unsinn, was hilft wirklich?

Halsschmerzen: Bei einigen anderen Arzneimittel reiche dagegen die therapeutische Wirksamkeit nicht aus. Stattdessen seien Nebenwirkungen möglich. So könne etwa die Lutschtablette Dobendan Direkt die Mundschleimhaut schädigen. Die Lutschpastillen von Dolo-Dobendan, Dorithricin, Lemocin und neo-angin enthielten Antiseptika, die gegen Viren wirkungslos seien. Das darin enthaltende Antibiotikum dringe überdies nicht tief genug ins Gewebe ein, um Bakterien zu bekämpfen. Geeignet und verträglicher seien Lutschtabletten mit Lidokain oder Ambroxol, so die Tester. Noch besser sei es, die aus Salz hergestellten „Emser Pastillen“ oder zuckerfreie Bonbons zu lutschen.

Schmerzen: Gegen Schmerzen raten die Tester ab von Kombipräparaten wie Neuralgin, Spalt oder Thomapyrin. Die meisten von ihnen enthalten sowohl Acetylsalizylsäure (ASS) als auch Paracetamol. Dies bringe aber keinen therapeutischen Vorteil. In manchen Mitteln ist zudem Koffein beigemischt. Dies könne den Missbrauch der Mittel fördern. Geeignete Schmerzmittel seien Acetylsalizylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol.

Verstopfung: Hier wirken laut den Testern die Mittel zu drastisch. Abtei Abführkapseln, Chol-Kugeletten, Doppelherz Abführkapseln und Kräuterlax könnten zu Nebenwirkungen führen. Obstinol M gelte als veraltet wegen seines Paraffingehalts, das sich in Einzelfällen in der Lunge ablagern kann. Geeignete verträgliche Abführmittel enthalten laut Stiftung Warentest zum Beispiel die pflanzlichen Bestandteile Flohsamen oder Sennes, oder die chemischen Formeln Natriumpicosulfat, Laktulose oder Macrogol.

Durchfall: Colina, Tannacomp Tabletten, Uzara – alle drei Mittel wirken dem Test zufolge nicht gut genug. Bei Darmkrämpfen empfiehlt Warentest lieber kurzzeitig Loperamid („Imodium“) zu nehmen.

Sodbrennen: Sowohl die Gaviscon-Suspension als auch die Retterspitz-Lösung wirken nicht ausreichend, meinen die Tester. Gaviscon enthalte einen Stoff der zusätzlich Magenbeschwerden auslösen kann. Wirksamer seien Mittel mit Hydrotalcid, Magaldrat, Ranitidin, Omeprazol und Pantoprazol.

Weiterlesen: Magensäureblocker in Massen verschrieben

Schürfwunden/Narben: Ebenfalls nicht ausreichend sei die Wirkung von Contractubex Gel, Pyolysin Salbe und Medice Gel. Medice enthalte zudem einen Stoff, der Allergien auslösen kann. Geeignet für die Wundbehandlung seien bei Schürfwunden etwa Povidon-Jod-Lösung und Dexpanthenol-Salbe. Bei Narben oder offenen Brandwunden sollte ein Arzt konsultiert werden.

Hier geht es zur vollständigen Liste der 35 Präparate.