Expertentipps Was der Kaktus wirklich braucht

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Gut zu wissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mammillarien, hier die Sorte Mammillaria hahniana, erblühen besonders farbenfroh. Foto: Andreas Hofacker/Deutsche Kakteen-Gesellschaft e.V./dpa-tmnMammillarien, hier die Sorte Mammillaria hahniana, erblühen besonders farbenfroh. Foto: Andreas Hofacker/Deutsche Kakteen-Gesellschaft e.V./dpa-tmn

Stuttgart/Adelsdorf. Der Kaktus - das übliche Bild von ihm ist ein asketischer Wüstenbewohner, der mit dem, was ihm die karge Umwelt bietet, auskommt. Aber es gibt auch Exemplare, die in sehr feuchter Umgebung gedeihen. So vielfältig sind daher auch ihre Ansprüche an die Pflege.

Wer nicht mit Pflanzen kann, braucht einen Kaktus - so heißt es oft. Das oft recht stachelige Gewächs gilt als der Inbegriff der Pflanze für eher bequeme Hobbygärtner. Und als klassisches Wüstengewächs - die heißen, trockenen Witterungsbedingungen kann man aber in deutschen Wohnungen kaum bieten. Doch: All das stimmt gar nicht unbedingt.

Brauchen Kakteen kaum Wasser?

Kakteen können Wasser sehr gut speichern, was sich in schlechten Zeiten als gute Überlebensstrategie erweist. So können sie zum Beispiel in Halbwüsten leben, wo längere Zeit Trockenheit herrscht, erläutert Matthias Uhlig. Er ist auf Kakteen spezialisierter Gärtnermeister aus Kernen bei Stuttgart. Aber das heißt nicht, dass Kakteen Wasser nicht schätzen würden: „Man sollte stets im Hinterkopf haben, dass Kakteen bei etwas höheren Wassergaben besser wachsen.“

Der Experte empfiehlt als Merkformel: Kakteen werden nach sieben Sonnentagen erneut gegossen. Daraus lässt sich grob ableiten, dass man im Winter alle vier Wochen, im Frühling am besten alle zwei Wochen und im Sommer einmal in der Woche gießt.

Aber wer wirklich mal vergisst, seinen Kaktus zu gießen, kann unbesorgt sein: „Die Fähigkeit der Kakteen mit ungünstige Lebensbedingungen klarzukommen, macht sie zu dankbaren Zimmerpflanzen“, sagt Uhlig. Und das bedeutet, dass sie Fehler in der Pflege tolerieren. Ein Kardinalfehler ist laut Uhlig übrigens mangelnde Nährstoffversorgung. „Aber selbst das wird ertragen“, räumt der Gärtnermeister ein.

Braucht der Kaktus auch im Winter viel Sonnenlicht?

Wie auch beim Gießen muss man bei der Frage nach dem richtigen Maß an Sonnenlicht eines beachten: Kakteen sind Wüstenpflanzen, aber nicht nur. Es gibt sehr viele verschiedene Gattungen und Arten, die an vielen verschiedenen Orten und in verschiedenen Böden wachsen.

Das Hauptverbreitungsgebiet von Kakteen ist der amerikanische Kontinent. Die Witterungsbedingungen vom kühlen Nord bis in den heißen Süd sind entsprechend groß. Außerdem: Es gibt sogar eine Kakteenart aus Afrika, und einige wenige stammen aus Sri Lanka und Süd-Ostasien, wie Andreas Hofacker, Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft in Adelsdorf bei Nürnberg, berichtet.

So gibt es zum Beispiel Kakteen, die nicht im Boden, sondern auf Bäumen in feuchten Klimaten wachsen. Sie benötigen grundsätzlich einen halbschattigen Standort. Zu den bekanntesten dieser epiphytisch wachsenden Kakteen zählen Oster- und Weihnachtskaktus.

Aber selbst für die eher sonnenhungrigen Exemplare gibt es für das fehlende Sonnenlicht im Winter eine Lösung: Gärtnermeister Uhlig rät, die Pflanzen dann weniger zu gießen. „Auf diese Art kann sich das Wachstum darauf einstellen, und die ungünstigen Lichtbedingungen werden umgangen“, erläutert er. Auch die Temperatur spielt für das Gedeihen eine Rolle. So können viele Gattungen problemlos kühl stehen, wenn die Lichtsituation ungünstig ist. Ein Treppenhaus oder der Dachboden sind Standorte, an denen Kakteen dann mit wenig Licht und kaum Wasser auskommen.

Grundsätzlich gilt: „Wenn man Kakteen so auswählt, dass sie mit dem Standort gut klarkommen, sind sie sehr pflegeleicht“, erklärt Uhlig. Wenn man einen dauerhaft warmen Standort hat, dann ist etwa die Wüstenrose (Adenium) ideal. Winterharte Kakteen dagegen bekommen einen Platz im Freien. „Es macht keinen Sinn, diese Arten ins Zimmer zu stellen, weil sie sonst von Schädlingen wie Wollläusen befallen werden“, ergänzt der Experte.

Wie lässt man seinen Kaktus erblühen?

Mancher Kaktus erblüht zu einer richtigen Schönheit. Rebutien und Mammillarien zeigen sich zum Beispiel dann von einer besonders farbenfrohen Seite. Allerdings brauchen viele Kakteen dafür besondere Bedingungen, wie eine Winterruhe. Die Kakteen brauchen es währenddessen kühl und verhältnismäßig trocken, erläutert Hofacker. „Es ist aber ebenso wichtig, dass die Kakteen in der vorangegangenen Saison ordentlich ernährt werden, damit sie Reserven für die Blütenbildung einlagern können“, ergänzt Gärtnermeister Uhlig.

Am Ende der Ruhezeit, etwa ab März, werden die Wassergaben wieder gesteigert, kombiniert mit einem Umzug an ein Südfenster. Das löst die Knospenbildung aus. Laut Uhlig kann man die Ruhezeit verlängern, wenn die Bedingungen zu dem Zeitpunkt noch nicht optimal sind. „In diesem Punkt sind Kakteen sehr anpassungsfähig.“

Wachsen Kakteen in normaler Erde?

Hofacker empfiehlt mineralische Erde, durch die Wasser gut abfließen kann. „Es ist ganz wichtig, dass die Wurzeln der Kakteen immer ausreichend Luft haben“, betont Uhlig. Sonst können die Wurzeln faulen. Wichtig für die Durchlässigkeit ist nicht nur sandiges Material im Substrat, sondern auch eine ausreichende Größe der Körner. „Lava, Bims und gebrochener Blähton sind gut als Beimischung“, rät der Gärtnermeister. Von höheren Humusanteilen rät Kakteenexperte Hofacker dagegen ab: „Humus hält viel Feuchtigkeit und das führt dazu, dass Wurzeln faulen.“ Aber auch hier gilt wie immer: Kaktus ist nicht gleich Kaktus. So vertragen Weihnachts- und Binsenkakteen durchaus anhaltende Feuchtigkeit.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN