Grippesaison gestartet Dreifach-Grippeimpfstoff mit Schwächen: Wichtiges Virus nicht abgedeckt

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Zum Start der Grippewelle erweist sich der Dreifach-Impfstoff als wenig passgenau. Foto: imago/Christian OhdeZum Start der Grippewelle erweist sich der Dreifach-Impfstoff als wenig passgenau. Foto: imago/Christian Ohde

Osnabrück. Zum Start der Grippewelle in Deutschland spielt das gefürchtete H3N2-Virus eine untergeordnete Rolle. Stattdessen sind mit 59 Prozent der bisher nachgewiesenen Fälle Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie ungewöhnlich oft vertreten.

In dem Dreifach-Impfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen erstatten, ist diese Komponente nicht enthalten. Wohl aber in dem teureren Vierfachimpfstoff, der noch keine Kassenleistung ist.

„Mehr als die Hälfte der Influenza-Fälle werden fast ausschließlich durch die Typ-B-Linie, die nicht im Dreier-Impfstoff enthalten ist, verursacht“, sagt die Sprecherin des Robert-Koch-Institus Susanne Glasmacher in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Zwar würden die meisten schweren Grippewellen mit vielen Todesfällen, vor allem bei alten Menschen, durch H3N2 verursacht, so die Sprecherin weiter. Das heiße aber nicht, dass man an Influenza B nicht sterben könne. Von den in Deutschland bisher registrierten elf Todesfällen seien vier auf den Typ-B-Virus zurückzuführen. (Weiterlesen:Für wen ist eine Grippeimpfung sinnvoll?)

Mit der Krankenkasse klären

Glasmacher betont, dass für die bekannten Risikogruppen eine Grippeimpfung grundsätzlich auch jetzt noch Sinn mache. Wegen der aktuellen Dominanz der Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie sei es wohl ratsam, Hochrisikopatienten bevorzugt mit dem Vierfachimpfstoff zu versorgen. In Einzelfällen würden die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Glasmacher empfiehlt aber, das mit der Kasse vorab zu klären.

Nachimpfen lassen?

Und wie sollen sich Personen verhalten, die sich bereits mit dem Dreifach-Impfstoff haben impfen lassen? Eine generelle Empfehlung, sich mit einem Vierfachimpfstoff nachimpfen zu lassen, gibt es nach Angaben von Glasmacher nicht. Dafür stehe auch gar nicht genügend Impfstoff zur Verfügung. „Wenn jemand aber besondere Risiken für einen schweren Verlauf hat, kann das infrage kommen.“ In Österreich, wo ebenfalls die B-Viren-Variante dominiert, ist der Vierfach-Impfstoff nach Medienberichten bereits ausverkauft. (Weiterlesen: Grippe-Symptome: echte Influenza oder Erkältung?)

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstatten bislang meist nur den preiswerteren Dreifach-Impfstoff. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung allerdings im Dezember vergangenen Jahres geändert und rät seitdem zum Vierfach-Impfstoff. Für die aktuelle Grippe-Saison kommt die Entscheidung aber zu spät. Das letzte Wort wird in Kürze der Gemeinsame Bundesausschuss sprechen.

H3N2-Virus in Großbritannien aktiv

Nach Angaben von Glasmacher passt der Dreifachimpfstoff für die andere Hälfte der derzeit zirkulierenden Grippeerreger aber ganz gut. Nach den Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie mit 59 Prozent sind das mit etwa 30 Prozent die A(H1N1)pdm09-Viren. Influenza-A(H3N2)-Viren wurden in Deutschland bisher nur in elf Prozent der Fälle nachgewiesen. Das Verhältnis der verschiedenen Grippeerreger und damit auch die Passgenauigkeit des Impfstoffes könne sich im Verlauf der Saison aber noch ändern, betont die RKI-Sprecherin.

In Großbritannien sorgt zum Beispiel aktuell der H3N2-Erreger für überfüllte Krankenhäuser. Medien sprechen von der möglicherweise größten Grippewelle seit 50 Jahren. Mehr als 50000 Operationen seien abgesagt oder verschoben worden, damit sich Krankenhäuser um die Grippe-Patienten kümmern können, heißt es.

Das H3N2-Virus hatte zuvor bereits in Australien für die größte Grippe-Pandemie seit 2009 gesorgt. Rund 170000 Australier sollen sich 2017 mit dem Virus angesteckt haben, mehr als 300 Patienten seien daran gestorben. Weil die Briten davon ausgehen, dass die Grippewelle von Australien nach Großbritannien übergeschwappt sei, bezeichnen sie sie auch als „Aussie-Flu“.

(Weiterlesen: Banger Blick nach Australien: Schwerste Grippewelle seit 15 Jahren)

Deutsche immunisiert?

In Deutschland hatten die H3N2-Viren zuletzt in der Influenzasaison 2016/17 dominiert. Dies könnte einen großen Teil der Bevölkerung immunisiert haben und somit schützen, vermutet das RKI als Grund für die aktuell geringe Nachweisrate.

(Weiterlesen: Stiko empfiehlt Vierfach- Grippeimpfstoff)


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