Immer mehr Haustiere sind zu dick Übergewichtig: Wenn Miezi und Bello auf Diät müssen

Von Jörg Zittlau

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Adipositas-Sprechstunde für Hunde- und Katzenbesitzer: Tierärztin Petra Kölle (links) misst Katze Mausi von Petra K. in der Tierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Foto: dpaAdipositas-Sprechstunde für Hunde- und Katzenbesitzer: Tierärztin Petra Kölle (links) misst Katze Mausi von Petra K. in der Tierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Foto: dpa

Osnabrück. Nicht nur der Mensch, auch seine tierischen Hausgenossen werden immer dicker. In einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München erwiesen sich 52 Prozent der Hunde und Katzen als übergewichtig. Das sind bis zu 30 Prozent mehr als vor 50 Jahren.

Es wird gekläfft, gebalgt, gesprungen und gerannt. Wenn Hunde miteinander spielen, kann es drunter und drüber gehen. Doch immer öfter kann man beobachten, dass sich einige Vierbeiner abseits von ihren tollenden Artgenossen aufhalten und lieber bei Herrchen oder Frauchen bleiben. Sitzend oder liegend, wohlgemerkt. Und das nicht etwa wegen ihres fortgeschrittenen Alters, sondern wegen ihrer Körperfülle. Denn unter den vierbeinigen Haustieren in Deutschland grassiert das Übergewicht.

Mensch und Tier werden immer dicker

Nicht nur der Mensch, auch seine tierischen Hausgenossen werden immer dicker. In einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München erwiesen sich 52 Prozent der Hunde und Katzen als übergewichtig. Das sind bis zu 30 Prozent mehr als vor 50 Jahren. Noch dramatischer ist die Entwicklung in den USA. Dort hat sich, wie Kirk Breuninger vom Banfield Pet Hospital in Vancouver ermittelt hat, „die Zahl der übergewichtigen Hunde und Katzen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt“. 59 Prozent der US-Katzen haben mittlerweile zu viel Speck auf den Rippen, bei den Hunden liegt die Quote mit 54 nur unwesentlich darunter.

Mögen die Speckpolster bei dem einen oder anderen Exemplar auch niedlich aussehen, medizinisch sind sie ein Desaster. „Bei übergewichtigen Katzen beobachten wir sehr oft Diabetes“, warnt Breuninger, „und bei Hunden finden wir auch viele andere Erkrankungen, wie etwa Arthritis und Überfunktionen der Schilddrüse.“ Bis zu zwei Jahre Lebenszeit kann das Übergewicht kosten. Was bei einem Tier, das sonst zwischen 15 und 20 Jahre alt wird, enorm viel ist. Es ist ungefähr so, als wenn einem Menschen acht Jahre seines Lebens genommen werden.

Gründe genug also, die Körpermaße von Hund und Katze im Auge zu haben. Sofern man bei ihnen, von oben betrachtet, keine Taille mehr sehen und ihre Rippen kaum noch ertasten kann, sollten die Alarmglocken schrillen. Und dieses Signal sollte dann zum Tierarzt führen, der über die geeigneten Instrumente und Messtabellen verfügt, um das Gewicht medizinisch korrekt einzuordnen. Das Problem ist nur: Die meisten Herrchen und Frauchen wollen von all dem nichts wissen, sie ignorieren die Gewichtsprobleme ihrer Zöglinge.

Tierliebe macht blind

An der Ludwig-Maximilians-Universität befragte man über 1000 Tierhalter nach der Körperfülle ihrer Zöglinge, von denen die Wissenschaftler gut jeden zweiten als übergewichtig eingestuft hatten. „Trotzdem wurde von keinem Hundehalter und nur von zwei Katzenbesitzern das Übergewicht erkannt“, betont Studienleiterin Nicola Becker. Die Liebe zum Tier macht eben blind.

Wie überhaupt ein großes Problem darin besteht, dass Herrchen und Frauchen ihre vierbeinigen Lieblinge verwöhnen wollen, denn das geschieht meistens übers Fressen. So dürfen Katzen damit rechnen, dass ihr Napf immer voller Futter ist. Wenn etwa Frauchen zur Arbeit aus dem Haus geht, füllt sie oft noch einmal die Schale bis zum Rand voll mit Katzenfutter. Und dabei wird in der Regel auf viel Abwechslung im Speiseplan geachtet. Das Pikante daran: Die Katze weiß das nicht zu schätzen, weil sie als Fleischfresser nur einen schwachen Geschmackssinn hat. Aber die ständige Präsenz leckerer Nahrung verführt natürlich dazu, sich auch an ihr zu bedienen, und das fördert Übergewicht. Weiterlesen: Überfüttert: Igel kann sich nicht mehr einrollen

Kalorienzählen bei den Tieren? Schwierig!

Besser man gibt dem Stubentiger wirklich die Kalorien, die er braucht, nämlich rund 60 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht. Was bei einem fünf Kilo schweren Tier auf 300 kcal ausläuft. Was natürlich voraussetzt, dass man die Kalorienwerte des Essens kennt. Wenn die Katze aus dem Haus darf und entsprechend aktiv ist, kann man die Dosis auf 70 bis 80 Kilokalorien erhöhen. Wobei sich diese Erhöhung wieder erledigt, wenn das Tier kastriert ist, denn das geht auf den Stoffwechsel und Bewegungsradius.

Für den Hund existieren ähnliche Formeln. Allerdings kommt hinzu, das bei ihm Futterbelohnungen, also die „Leckerlis“ zur Erziehung und zum Umgang gehören: Gehorcht er brav den Befehlen seiner Halter, bekommt er oft auch etwas zu fressen. Woran prinzipiell nichts auszusetzen ist, insofern es den pädagogischen Erfolg erhöht. Doch wer am Tag viele Leckerlis verteilt hat, sollte dies bei der Hauptmahlzeit abziehen. Breuninger rät außerdem, die Leckerlis noch einmal zu zerteilen: „Denn der Hund empfindet sie auch noch als Belohnung, wenn sie kleiner sind.“

Die Menge macht’s

Die Art des Hauptfutters spielt hingegen beim Übergewicht der Tiere keine Rolle. Becker und ihr Team hatten unter ihren Probanden sowohl Tierhalter, die Industriefutter verwendeten, als auch besonders fürsorgliche Herrchen und Frauchen, die ihre Lieblinge bekochten oder mit frischem Fleisch oder Fisch verköstigten. In Bezug auf die Ernährung des Menschen ist immer wieder zu hören, dass die moderne Fertigkost ihn immer dicker macht – für seine Haustiere scheint das jedoch nicht zu gelten. Sie bietet außerdem in der Regel den Vorteil, dass auf ihren Verpackungen die exakten Kalorienwerte angegeben sind.

Was aber Mensch, Hund und Katze in der Entstehung von Übergewicht eint: Bewegungsmangel. Immer mehr Katzen verlassen nicht mehr das Haus, was in der Vogelwelt für Entspannung sorgt, aber den Stubentiger lethargisch werden lässt. Ein möglicher Kompromiss wäre, ihn rauszulassen und ein buntes Halsband anzulegen, was die Vögel nachgewiesenermaßen mehr warnt als ein kleines Glöckchen.

Beim Hund gibt es keinen Kompromiss: Als Nachfahre der Wölfe muss er täglich für einige Kilometer raus ins Freie. Zusammen mit Herrchen oder Frauchen, denen die tägliche Bewegung ja auch guttut. „Außerdem stärken die gemeinsamen Ausflüge die Bindung zwischen Mensch und Hund“, betont Breuninger. Und das ganz ohne Leckerli.


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