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International nur zweitklassig RB Salzburg: Die grandiose Geschichte des Scheiterns geht in Runde elf

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Osnabrück. Der österreichische Fußball-Erstligist RB Salzburg hat am Mittwochabend mit einem 2:2 gegen Roter Stern Belgrad erneut die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League verpasst – im elften Anlauf der elfte Fehlschlag. Die grandiose Geschichte des Scheiterns geht also weiter – , bekannte Namen wie Lothar Matthäus, Ralf Rangnick, Kevin Kampl oder Giovanni Trapattoni pflastern diesen Weg. Ein Rückblick.

Eine kleine Erfolgsgeschichte – so lauten oft Überschriften für Storys im Sport, in denen Autoren darüber berichten, dass nachhaltiges Wirtschaften bei begrenzten Mitteln langsam Früchte des Erfolges sprießen lässt. Wer dieses Bild benutzt, muss über die vielen erfolglosen Versuche des Fußballclubs FC Red Bull Salzburg, sich für die Champions League-Gruppenphase zu qualifizieren, eigentlich die Headline setzen: Eine große Misserfolgs-Geschichte. Der von den Millionen des österreichischen Brauseherstellers Dietrich Mateschitz aufgepeppte Verein hat es seit seiner Implementierung im Jahr 2005 noch nie auf die große Fußball-Bühne geschafft, obwohl er in Österreich seither mehrfach Meister wurde. Selbst ein Dorfklub aus Luxemburg stoppte schon die großen Pläne des ehrgeizigen Milliardärs, der auf anderen Gebieten des Sports längst führend ist. Der Rückblick.

Saison 2006/2007, CL-Playoffs: RB Salzburg - FC Valencia 1:0, 0:3

Gegen einen zugegebenermaßen starken Gegner gelang RB unter dem Trainerduo Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus im Hinspiel ein knapper Erfolg – doch im Rückspiel durchbrachen die spielstarken Spanier die 4-5-1-Mauertaktik der roten Bullen ohne Probleme. Bei RB damals mit auf dem Platz: Innenverteidiger Thomas Linke und Rechtsaußen Christian Tiffert (jetzt Erzgebirge Aue).

Saison 2007/2008, CL-Playoffs: RB Salzburg - Schachtar Donezk 1:0, 1:3

Hinten robuste Verteidiger aus Osteuropa, vorne verspielte Kreativkräfte aus Brasilien – schon damals setzte der ukrainische Vertreter auf dieses Erfolgsrezept. Salzburg, inzwischen von Trapattoni alleine betreut, nachdem Matthäus aufgrund von „Meinungsverschiedenheiten“ entlassen worden war, gewann das Hinspiel durch einen verwandelten Handelfmeter von Ex-Bayern-Stürmer Alexander Zickler. Als RB im Rückspiel in Donezk früh in Führung ging und bis zur 77. Minute ein 1:1 hielt, wähnten sich die Salzburger aufgrund der Auswärtstorregel bereits fast am Ziel – doch Schachtar erzielte drei Minuten vor Schluss das entscheidende Tor zum 3:1 durch den Brasilianer Brandao. Bei RB damals im Kasten: Der Ex-Osnabrücker Torhüter Timo Ochs.

Saison 2009/2010, CL-Playoffs: RB Salzburg - Maccabi Haifa 1:2 und 0:3

Inzwischen hieß der neue RB-Trainer Huub Stevens: der defensiv denkende Niederländer hatte vor den offensivstarken, eingespielten Nobodys aus Israel gewarnt, die einer mal wieder frisch zusammengekauften Salzburger Elf bereits im Hinspiel in deren eigenen Stadion die Grenzen aufzeigten. Das Zickler-Tor war zu wenig beim 1:2, im Rückspiel im Ramat-Gan-Stadion kam RB um Torjäger Mark Janko (nach der Saison für 6,5 Millionen Euro zu Twente Enschede transferiert) nicht einmal zu einer Torchance.

Saison 2010/2011, CL-Playoffs: RB Salzburg - Hapoel Tel Aviv 2:3 und 1:1

Denkbar schlecht begannen die K.o.-Spiele im zweiten Stevens-Jahr für die Salzburger: Schon in der ersten Minute des Hinspiels setzte Hapoel-Keeper Vincent Enyeama einen Handelfmeter in die Maschen des neuen RB-Keepers Gerhard Tremmel (zuvor Energie Cottbus, später Swansea City, inzwischen Scout). Hoffnung kam im Rückspiel auf, als Hapoel ein Eigentor fabrizierte, Salzburg in Tel Aviv führte und nur noch einen Treffer brauchte für den Einzug in die Gruppenphase. Doch den Treffer machte Tel Aviv zum 1:1.

Saison 2012/2013: CL-Qualifikation, 2. Runde: F91 Düdelingen - RB Salzburg 1:0 und 3:4.

Dieses Doppel-Resultat gilt neben der 0:1-Niederlage der österreichischen Nationalmannschaft gegen die Faroer-Inseln im Jahr 1990 als größte Blamage der Fußball-Geschichte des Landes. Die Hinspiel-Niederlage bei den Feierabend-Fußballern in Luxemburg (0:1) war die gnadenlos in die Hose gegangene Salzburger Pflichtspiel-Premiere von Trainer Roger Schmidt (jetzt Bayer Leverkusen), den der damalige Red-Bull-Gesamt-Sportchef Ralf Rangnick vom SC Paderborn verpflichtet hatte. Trotzdem dachten alle in Salzburg, dass es kein Problem wird, die Verhältnisse im Rückspiel geradezurücken – doch weit gefehlt: RB spielte arrogant und träge, fing sich ein frühes 0:1, lag nach der Pause mit 2:3 in Rückstand und scheiterte trotz des 4:3-Heimsieges an der Auswärtstorregel. In der Folge misteten Schmidt und Rangnick den Kader aus, schickten die halbe Mannschaft (Jantscher, Zarate, Mendes da Silva, Maierhofen, Boghossian, Cristiano, Lindgren) weg.

Saison 2013/2014: CL-Qualifikation, 3. Runde: RB Salzburg - Fenerbahce Istanbul 1:1 und 1:3

Trainer Schmidt hatte nun seinen extremen Pressing-Fußball etabliert, mit Kevin Kampl prägte inzwischen ein Ex-Osnabrücker das Spiel der roten Bullen – der Transfer des Dribblers (3 Millionen Euro) nach Salzburg hatte auch dem VfL noch 100000 Euro beschert.. RB überzeugte zwar spielerisch, kassierte aber im Hinspiel kurz vor Schluss durch einen ärgerlichen Elfmeter den 1:1-Ausgleich. Auch im Rückspiel ging RB durch Jonathan Soriano in Führung, scheiterte aber ansonsten an schwacher Chancenverwertung und kassierte aber gegen die von heißblütigen Fans angefeuerten Türken noch vor der Pause die entscheidenden drei Gegentreffer. „Es ist Wahnsinn, dass sich unsere spielerische Überlegenheit in diese schlechten Resultate niederschlägt“, hatte Schmidt nach dem Ausscheiden gehadert.

Hier gibt es einen os1.tv-Sporttalk mit Kevin Kampl, auch zum Thema Frisuren.

Saison 2014/2015: CL-Playoffs: RB Salzburg - Malmö FF 2:1 und 0:3

Hätte Kampl im Hinspiel gegen den schwedischen Meister frei vor Malmös Torhüter Olsen die Nerven behalten und auf 3:0 erhöht, wäre die erste Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League im siebten Anlauf wohl perfekt gewesen – doch diese Szene sollte der Wendepunkt des Duells werden. Nach einem Fehler von Bullen-Torhüter Peter Gulácsi schoss Malmö noch das wichtige Auswärtstor – und im Rückspiel schlug der Ex-Bremer Markus Rosenberg mit zwei Treffern zu.

Saison 2015/2016: CL-Qualifikation, 3. Runde: RB Salzburg - Malmö FF 2:0 und 0:3

„Was heute passiert ist, können wir gar nicht richtig begreifen“, sagte nach dem Ausscheiden der fassungslose Bullen-Trainer Peter Zeidler, der „hanebüchene Fehler“ seiner Abwehr beklagte. „Das war auf Schülerliganiveau“, merkte Verteidiger Martin Hinteregger selbstkritisch an. Zitate, wie man sie aus den sieben gescheiterten Versuchen der 10 Jahre zuvor kennt. Der scheinbar komfortable 2:0-Vorsprung der Salzburger aus dem Hinspiel war bereits nach 45 Minuten verspielt. Der Ex-Fürther und -Augsburger Nikola Djurdjic (7. Minute), erneut der frühere Bremer Markus Rosenberg (14.) und Vladimir Rodic (42.) überrumpelten einmal mehr den ambitionierten Klub von Getränkehersteller Dietrich Mateschitz.

Saison 2016/2017: Playoffs: RB Salzburg - Dinamo Zagreb 1:1 und 1:2 n.V.

So gut war die Ausgangslage für die Salzburger selten: Beim Hinspiel der Playoffs zur Champions League 2016/17 in Zagreb holte das österreichische Team des spanischen Trainers Oscar Garcia ein 1:1. Die Salzburger zeigten dabei eine gute Partie, hätten sogar gewinnen können – wenn nicht sogar müssen. Dann hätte es im Rückspiel in Salzburg vielleicht erstmals zum Einzug in die Gruppenphase der Königsklasse gereicht. Doch es kam wie gewohnt anders. Im heimischen Stadion gingen die Salzburger beim Rückspiel früh durch Lazaro in Führung. Red Bull hielt die Führung bis in die 87. Spielminute, bis Junior Fernandez das Tor erzielte und die Verlängerung erzwang. Geschockt vom späten Gegentreffer fingen die Salzburger sich kurz nach Anpfiff der Verlängerung noch ein Tor und schieden aus.

Weiterlesen: Das Red-Bull-Imperium - Abenteuer und Pfiffe inklusive

Saison 2017/18: RB Salzburg – HNK Rijeka 1:1 und 0:0

Nach dem 1:1 im Hinspiel vor heimischem Publikum gelang den Salzburgern in Kroatien trotz fünfminütiger Nachspielzeit kein Tor – zumindest keines, das zählte. Das 0:0 besiegelte somit das abermalige Aus und rief aufgrund einer umstrittenen Entscheidung des Schiedsrichters Ärger hervor: Ein Tor des ehemaligen Bundesliga-Profis Reinhold Yabo (Köln, Aachen, KSC; Bielefeld) wurde in der 54. Minute fälschlicherweise wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt. Laut „Kronen-Zeitung“ sollen Trainer Marco Rose und Sportdirektor Christoph Freund später im Kabinengang gewütet haben. Der finanzielle Verlust von 14,7 Millionen Euro wegen des Verpassens der Gruppenphase ist selbst für RB unangenehm. Fakt ist: „La Decima“ (Spöttischer Ausdruck der zehnmal-ohne-Erfolg-Serie in Bezug auf Real Madrids CL-Triumph 2013/14) ist perfekt für RB Salzburg.

Saison 2018/19: Roter Stern Belgrad - RB Salzburg 0:0 und 2:2

Sie standen erneut ganz kurz davor – und wieder wurde ihnen die Auswärtstorregel zum Verhängnis: Nach einem 0:0 im Hinspiel in Belgrad führte Salzburg zu Hause im Rückspiel bereits 2:0 – um innerhalb von nur 77 Sekunden die Zwei-Tore-Führung wieder zu verspielen: Belgrads El Fardou Ben Nabouhane (65./66.) sorgte mit seinem Doppelpack für den Ausgleich – die Führungstreffer von Salzburgs Munas Dabbur waren nichts mehr wert.

Hoffnung besteht aber, dass Salzburg im kommenden Jahr seinen Champions League-Fluch besiegt: Ab der Saison 2019/20 muss der Fußballmeister Österreichs nicht mehr durch die Qualifikation, sondern qualifiziert sich direkt für die Gruppenphase der Champions League..


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