Fußball-Kolumne Der erste Rekordtransfer in der Bundesliga war ein Fake

Von Udo Muras

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Frankfurt. Die Bayern holen für die Rekordsumme von 41,5 Millionen Euro Corentin Tolisso in die Bundesliga. So mancher Spieler kam mit dem Vorschuss einer hohen Transfersumme zu seinem Verein, aber nicht alle bestätigten das mit Leistungen.

Der gute Uli Hoeneß hat ja schon öfter mal was gesagt, das er hinterher bereut hat. Wie letzten Herbst, als er RB Leipzig als „Feind“ bezeichnete. Passt nicht in unsere Zeit, passt nicht in den Sport, auch wenn dessen Welt nie nur heil war. Nun hat er vor ein paar Tagen eine „Granate“ angekündigt, die den Kader der Bayern verstärken soll.

Bislang reißen die Verstärkungen des FC Bayern niemanden vom Hocker. Süle, Rudy, Gnabry sind alles Nationalspieler, die halt mal randürfen, wenn unsere Weltmeister keinen Bock haben, aber im Starensemble der Bayern werden sie nicht weiter auffallen. Zunächst jedenfalls. Aber Moment mal, es gibt ja noch Corentin Tolisso. Den neuen Rekordtransfer der Liga-Historie, den sich die Bayern 41,5 Millionen Euro haben kosten lassen, zur Freude von Ex-Club Olympique Lyon. Corentin wer? Außer der Summe spricht aus Fan-Sicht erst mal nichts für den Franzosen, der das Mittelfeld verstärken soll. (Weiterlesen: Bayern holt Tolisso von Lyon)

Nun kamen in den letzten Jahren etliche Spieler in die Bundesliga, die viel kosteten und keiner kannte außer der Scout, und sie schlugen ein – wie Aubameyang, Mkhitaryan oder Dembelé. – nicht ganz zufällig alle in Dortmund. Aber der Teuerste aller Zeiten trägt einen schweren Rucksack, er muss eigentlich sofort überzeugen. Das war zu allen Zeiten so und trat auch meist ein. 23 Rekordtransfers hat es in der Bundesliga gegeben, zwölf davon waren Ausländer, acht und damit die meisten tätigten die Bayern, die es sich ja am ehesten leisten können.

Günter Herrmann war der erste

Der erste war einer, den heute keiner mehr kennt und offiziell keiner sein durfte. Günter Herrmann nahm an der WM 1962 in Chile teil, war bei Sepp Herberger nur ein Mitläufer. Schalke wollte den Karlsruher 1963 unbedingt haben, der KSC mehr als die vom DFB maximal erlaubten 50000 DM. Also wurde getrickst, der KSC gab noch einen untauglichen Reservisten dazu, offiziell kostete der auch 50000. Praktisch aber hatte man 100000 für Herrmann bezahlt. Der Taschenspielertrick flog auf, landete vor dem Sportgericht, das die Vereine letztlich freisprach, da es nur ein moralisches Vergehen war. (Weiterlesen: Warum floppen Wintertransfers?

Wasserträger statt Weltklasse

Zehn Jahre später tobte die nächste Moral-Debatte, als die Bayern für 880000 DM Jupp Kapellmann aus Köln holten und den Ablöserekord mal eben fast vervierfachten. Aber sie hatten es ja schon damals. Kapellmann war im Bayern-Ensemble nur ein Wasserträger, wenn er auch als Reservist 1974 Weltmeister wurde. Kein Flop, aber auch kein Überflieger.

Köln knackt die Millionenmarke

Drei Jahre später passierte der 1. FC Köln als Erster die Millionen-Marke, angelte sich aus Brügge den Stürmer Roger van Gool. Auch er kein Weltstar, der Fantasien weckte. Aber mit ihm holte der Club das Double 1978, seitdem wurden sie nie mehr Meister. Dann endlich kam einer, der sein Geld bis auf den letzten Pfennig wert war: Kevin Keegan, Star des FC Liverpool, der damals besten Elf Europas, wurde von Präsident Peter Krohn zum HSV gelockt – für 2,2 Millionen (1977). Es begann die größte HSV-Ära, schon 1979 kam die Schale an die Elbe. Durchaus erfolgreich war der kickende Pop-Star auch als Sänger. Landsmann Tony Woodcock war 1979 noch etwas teurer (2,5 Mio./Köln), kam aber nie an ihn heran. Lajos Detari (3,6 Mio./Frankfurt) machte die Eintracht in seinem einzigen Jahr immerhin zum Pokalsieger 1988 und wurde für das Fünffache über Nacht erkauft – ein lohnenswertes Geschäft mit schalem Beigeschmack.

In den Neunzigern explodieren die Preise

Das Söldnerwesen hielt Einzug in die Bundesliga. In den Neunzigern explodierten die Preise, für Brian Laudrup zahlte Bayern schon sechs Millionen, für Thomas Helmer acht. Dann übernahm Dortmund die Regie und wurde glücklich mit den Protagonisten ihrer Meister-Elf 1995 und 1996 – Matthias Sammer (8,5), Kalle Riedle (9,0) und Andy Möller (9,5), weniger mit Heiko Herrlich (10, 7).

Große Fußstapfen für Tolisso

Nach dem Bosman-Urteil strömten auch die namhaften Ausländer in die Liga. Giovane Elber kam über Stuttgart zu Bayern (12,5) und wurde ein Fan-Idol, Emil Mpenza (17 Mio.) machte auf Schalke Tore und Ärger. Tomas Rosickys Ablöse (29,0) war die letzte Rekordsumme in DM, die Dortmund zahlte, für Marcio Amoroso gab es schon Euro (25 Millionen). Beide halfen mit beim Titelgewinn 2002, der Brasilianer aber hatte Starallüren wie kein Zweiter und ging im Streit. Dortmund brachten seine Rekordtransfers und Gehälter an den Rand der Insolvenz, seitdem macht nur noch Bayern die ganz großen Deals. Franck Ribéry (25 Mio./2007), Mario Gomez (35 Mio./2009), Javier Martinez (40 Mio./2012) waren ihr Geld weitgehend wert, nur an Gomez schieden sich zuweilen die Geister. Ohne sie hätte es 2013 kein Triple gegeben, hieße der Meister vielleicht auch nicht seit fünf Jahren FC Bayern. Es sind große Fußstapfen, in die Monsieur Tolisso tritt. Denn fast alle erfüllten den Anspruch, den die Zahl auf dem Scheck erweckt. (Weiterlesen: Bei Bayern spricht man Spanisch)

Hier gibt es noch mehr Folgen der Fußball-Kolumne


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