Fußball-Kolumne Bodo Illgner – der fast vergessene Weltmeister


Frankfurt. 1990 wird Deutschland in Italien Fußball-Weltmeister. Viele der damaligen Spieler führen weiterhin ein Leben in der Öffentlichkeit. Torwart Bodo Illgner scheint hingegen damit zufrieden zu sein, dass er nach seinem Abschied vom Profifußball in Vergessenheit geraten ist.

Rudi Völler ist Sportdirektor, Lothar Matthäus dauernd im Fernsehen, unser aller Klinsi in Amerika gerade mal wieder mitten in einer Auszeit, aber überall im Gespräch, Icke Häßler in einer Midlife-Crisis und sich ebenso wie Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler nicht zu schade, Amateuren das Kicken beizubringen. Auch wenn Kohler jetzt angekündigt hat, er werde den VfL Alfter (Zweiter der Mittelrheinliga) zum Saisonende verlassen, wissen wir doch dass es ihn noch gibt. Auch all die anderen Helden von Rom finden gelegentlich in der Öffentlichkeit statt. Aber wie geht es eigentlich Bodo Illgner? Wo ist er denn gerade wieder? Wer ist eigentlich Bodo Illgner und wer war er? (Weiterlesen: Fußball-Fans vermissen die Duelle mit Holland)

Unnahbar, aber nicht unfreundlich

Anlässlich des 50. Geburtstags unseres Weltmeistertorwarts von 1990 am Freitag müssen diese Fragen mal gestellt werden dürfen. Zunächst die gute Nachricht: Er lebt! Der vergessene Weltmeister hat im am Montag erschienenen Fachblatt Kicker ein Interview gegeben, in dem es zwar nicht um seinen Ehrentag ging, sondern „nur“ um Bayerns kommenden Gegner in der Champions League, Real Madrid. Wo er auch gespielt hat. Aber egal. Er selbst hat sich ja nie so wichtig genommen. Autogramme von Bodo Illgner? Seltener als die Blaue Mauritius. Interviews? Nur ungern. Dann aber druck- und sendereif, der Mann hat ja Abitur (Note: 2,3) und Köpfchen.Seine Unnahbarkeit, was nicht mit Unfreundlichkeit zu verwechseln ist, hat ihn immer ausgezeichnet. Das ist schon während der Karriere kein Popularitätsbeschleuniger, danach führt diese Eigenschaft geradewegs in die Vergessenheit. Und nichts anderes wollte er.

Zweiter Torwart hinter „Toni“ Schumacher

Vergessen ist auch, wie alles anfing. März 1987. Bodo Illgner ist zwar einer der talentiertesten, aber auch der bemitleidenswertesten deutschen Torhüter. Vor seiner Nase steht, hechtet und boxt im Verein einer, der sich nur selbst zu Fall bringen kann. Harald „Toni“ Schumacher. Die Nummer 1 des 1. FC Köln und der Nation. Ein Typ, ein Idol. Er ist 33 Jahre, für einen Torwart wie ihn kein Alter. Der kleine Bodo, noch zarte 19, würde ihm noch lange beim Bällehalten zusehen müssen, das war klar.

Aber dann kommt der Anpfiff, der für Schumacher ein Abpfiff ist. In der irrigen Annahme, dass niemand für die Wahrheit bestraft werden könne, präsentiert Schumacher seine Wahrheiten aus dem Lagerleben eines Fußballprofis in Verein und Nationalmannschaft. DFB-Präsident Hermann Neuberger verhängt die Höchststrafe: Rauswurf aus der derart verunglimpften Nationalmannschaft. Sein Verein reagierte schon eher, insbesondere wegen der Andeutung, Kölns Spieler würden ohne Doping und Schmerzmittel keinen Ball mehr treffen. Der Weg war frei für Illgner. (Weiterlesen: Die Spaßvögel im DFB-Team)

Ein Weltmeister ohne Sympathien

1990 wurde er in Italien Weltmeister. Bloß Sympathien erntete er nie. ,Seit fast 27 Jahren ist er nun schon Weltmeister, seit 23 aber kein Nationalspieler mehr. Denn es gab sehr wohl ein paar Extravaganzen in seinem Leben. Die Rede ist weniger vom eigenen Duschkopf, den er in Köln hatte und unter den sich kein anderer zu stellen hatte. Eher von der blonden Extravaganz an seiner Seite. Seine Frau Bianca, mit der er drei Kinder hat. Bei der WM 1994 in den USA klingelte Bianca Bundestrainer Berti Vogts nachts aus dem Bett, um sich zu beschweren, warum die Kinder der Effenbergs beim Mannschaftsessen dabei sein durften und ihre nicht. Scheidet man deswegen im Viertelfinale aus? Berti Vogts findet: ja. „Der Kader war besser als der von 1990, wir hätten den Weltmeistertitel locker verteidigen können. Drei Spielerfrauen haben alles kaputt gemacht – es war unglaublich, was sich da bei uns abgespielt hat.“

Illgner trat gleich nach dem Aus gegen die Bulgaren zurück. Heute spielt er gelegentlich noch für die „Veteranos“ von Real Madrid.

Hier gibt es weitere Folgen der Fußball-Kolumne


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