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13.02.2017, 15:03 Uhr BORUSSIA DORTMUND AKZEPTIERT URTEIL

Sperrung der Südtribüne: Falsche Strafe, richtige Entscheidung

Kommentar von Susanne Fetter

Sie bleibt leer: Gegen den VfL Wolfsburg wird die Dortmunder Südtribüne gesperrt. Foto: WittersSie bleibt leer: Gegen den VfL Wolfsburg wird die Dortmunder Südtribüne gesperrt. Foto: Witters

Osnabrück. Die Dortmunder Südtribüne wird im Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg gesperrt, dazu muss der BVB 100000 Euro zahlen. Borussia Dortmund hat die vom Kontrollausschuss des Deutschen Fußball Bundes beantragte Strafe für die Vorkommnisse im Signal-Iduna-Park während der Partie gegen RB Leipzig akzeptiert. Der BVB hatte auch keine andere Wahl, seine Entscheidung ist richtig. Die Strafe aber ist falsch.

„Nach dem Abwägen aller Argumente“, so teilt es der BVB mit, habe man sich entschieden, das „einschneidende Strafmaß“ zu akzeptieren. Das klingt nicht nach einer Zustimmung aus Überzeugung. Das Zähneknirschen der Verantwortlichen ist aus jedem Satz zu hören. Borussia Dortmund nimmt die Kollektivstrafe dennoch hin – auch wenn sie zum Großteil Unschuldige trifft. (Weiterlesen: Strafe für den BVB: Südtribüne gesperrt)

Kollektivstrafe als Abschreckung

24500 Zuschauer finden auf der Südtribüne Platz. Die meisten von ihnen stehen schon lange hier. Sie sind friedlich, haben Spaß am Fußball und auf der „Süd“ so etwas wie ihre zweite Familie gefunden, die sich alle zwei Wochen trifft. Sie alle müssen nun büßen, so als hätten sich in einer zwölfköpfigen Großfamilie die zwei Ältesten ganz schön was geleistet und der Rest bekommt das Fernsehverbot zur Abschreckung gleich mit.

Was hätte Borussia tun sollen?

Fair ist das nicht. Und dennoch ist es verständlich, dass der Bundesligist die Strafe akzeptiert. Was hätte er anderes tun sollen? Zu aufgeheizt ist derzeit die Atmosphäre für konstruktive Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit des Strafmaßes. Auch das lässt der BVB in seiner Stellungnahme durchscheinen. Wie hätte der Klub dagestanden, hätte er es nicht getan? Als uneinsichtig. Als nicht stur. Als falsch gewickelt. Das konnte er nur so vermeiden. Der Preis dafür ist hoch. (Weiterlesen: Sperrung der Südtribüne in Dortmund? Das Urteil gegen den BVB wäre zu hart)

Frust und Wut werden geschürt

Ob der DFB damit tatsächlich eine Abschreckung bei den eigentlich „Uneinsichtigen“ herbeiführt ist fraglich. Und auch, ob man ausgerechnet so Solidarität zwischen den „friedlichen“ Fans schafft, damit dieses sich künftig gegen Täter wenden. Viel wahrscheinlicher werden nun erst einmal Frust und Wut geschürt und die Diskussion darüber, ob die Strafe angemessen ist oder nicht, wird zumindest bis zur Partie gegen Wolfsburg am kommenden Samstag die eigentlich wichtigen Themen überlagen.

Das dringendste: Wie bekommt Dortmund die Chaoten in den Griff? Und damit eng verbunden: Wie setzen sich der Verein und die Fans mit dem immer stärkeren Einfluss der rechten Szene in der Dortmunder Ultraszene auseinander? (Weiterlesen: BVB-Chaoten schaden auch den echten Borussia-Fans)

Nichts mit Fankultur zu tun

Denn dass einige Anhänger des BVB sich mehr als schändlich verhalten haben, ist unbestritten. Knapp ein Drittel der 60 Plakate im Block beim Spiel gegen RB Leipzig diffamierten den Gegner auf eine Art und Weise, die nichts mehr mit Fankultur zu tun haben. Schlimm und hart zu bestrafen waren die Angriffe auf Leipziger Fans – unter ihnen auch Familien und Kinder – die allerdings zum Großteil vor dem Stadion stattfanden und daher nicht vom DFB-Kontrollausschusses berücksichtigt wurden. Mit in das Strafmaß hinein spielte dagegen die Bewährung, unter der die Dortmunder nach Pyro-Vorfällen beim Pokalfinale und Schmäh-Transparenten in anderen Spielen gestanden hatten. Für den Wiederholungsfall war eine Sperrung des Unterranges – also etwa der Hälfte der Südtribüne – angedroht worden. Das war unumgänglich. Doch dabei hätte man es belassen können.

Öffentlichkeitswirksam

Nun trifft es also die komplette Süd, die größte Stehplatztribüne der Welt. Öffentlichkeitswirksamer hätte das Strafmaß des DFB nicht sein können. Es bleibt der Anschein, dass es im Strudel der Emotionen und vor dem Hintergrund der akuellen Erregungskultur gefällt wurde. Sinnvoller wäre es gewesen, gegen die tatsächlichen Randalierer mit voller Härte vorzugehen und durch eine Strafe mit mehr Augenmaß zu versuchen, die aufgeheizte Szenerie zu beruhigen, um so die Einsichtigen zum Nachdenken anzuregen. Das hätte zwar nicht so hohe Wellen geschlagen, dafür aber langfristig vielleicht mehr gebracht.


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