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Neun Fakten zu EM-Held Hector Elfmeter-Held: Jonas Hector studiert in Oldenburg

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Osnabrück. Als 18. Spieler trat Jonas Hector am späten Samstagabend im Elfmeterschießen im Stadion von Bordeaux an und schoss Deutschland zum Sieg gegen Italien und ins Halbfinale der Fußball-EM. Auf der Tribüne fieberten der Vater und Freunde mit – und zuhause drückten einige Kommilitonen der Uni Oldenburg die Daumen. Dort studiert Hector seit zwei Jahren BWL. Neun interessante Fakten zum Elfmeter-Helden:

Die Länderspielkarriere: Für den 26-Jährigen war es sein 19. Länderspiel, der Elfmeter war sein zweites Tor im DFB-Trikot. Dabei muss Hector eigentlich nicht unbedingt Tore schießen. Er ist Linksverteidiger und in der deutschen Nationalmannschaft mittlerweile eine gesetzte Größe auf dieser Seite. Da Löw gegen Italien mit einer Dreierkette (Höwedes – Boateng – Hummels) agierte, spielte Hector etwas weiter vorne, um die Flügel der Italiener früh zu attackieren. Lieber verzichtete der Bundestrainer auf den offensiveren Julian Draxler, obwohl dieser gegen die Slowakei der „Mann des Spiels“ war. Doch Hector hat seinen Stammplatz mittlerweile sicher. Am 25. März 2015 gab er im Testspiel gegen Australien (2:2) sein Debüt in der Weltmeisterelf. Als einziger Nationalspieler absolvierte er in diesem Jahr alle neun Partien in der Startelf und ging in acht davon über die volle Distanz. Einzige Ausnahme: Gegen Frankreich wurde er verletzt ausgewechselt. Seinen ersten Treffer erzielte er ausgerechnet gegen Italien beim 4:1-Sieg im Testspiel am 29. März 2016. Laut Angaben von Hector war es der erste Elfmeter, den er im Profibereich geschossen hat.

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Der Verein: Seit 2012 spielt Hector beim 1. FC Köln. Er ist damit einer der wenige Spieler aus Löws-Kader, der nicht bei einem Topclub in der Bundesliga oder im europäischen Ausland unterwegs ist. Sein Vertrag in Köln läuft noch bis 2018, wobei andere Vereine ihn natürlich im Auge haben. Beim FC ist er kein Star wie früher Lukas Podolski. Hector ist neben dem Platz wie darauf eher mit den Worten „unaufgeregt“ und „zuverlässig“ zu beschreiben – das aber auch hohem Niveau. Im Informationsheft des DFB für die EM steht bei Hector ein Strich. Bei Wikipedia gibt es unter der Überschrift einen Eintrag: Zweitliga-Meister und Aufstieg in die Bundesliga 2014. Für den FC absolvierte er insgesamt 65 Bundesligaspiele und erzielte dabei zwei Tore.

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Die Laufbahn: Eigentlich ist es ein kometenhafter Aufstieg in den letzten Jahren, den Hector allerdings sehr unspektakulär vollzogen hat. Vor sechs Jahren spielte der 26-Jährige noch für den SV Auersmacher (Saarland, 2500 Einwohner) in der Oberliga Südwest. Für heutige Zeiten eher untypisch ging er nie durch ein Nachwuchsleistungszentrum – das hat er mit Mirsolav Klose und Andre Hahn gemeinsam. Mit dem SV Auersmacher war er 2009 in die Oberliga aufgestiegen, was mit einem Umzug einschließlich Kapelle durch das Dort gefeiert worden war. Seit der F-Jugend hatte Hector für den Verein gespielt. „Sehr bodenständig“ sei man dort und „sehr heimatverbunden“, beschreibt Hector in einem DFB-Video die Beziehung zu seinem Heimatverein. Nach dem Aufstieg soll der 1. FC Kaiserslautern bei ihm vorsichtig angefragt haben, doch Hector lehnte ab. „Ich wollte damals einfach nicht weg. Ich spielte seit der F-Jugend in Auersmacher und wollte zumindest eine Oberligasaison spielen“. Nach dieser einen Saison verließ der gebürtige Saarbrücker den Verein, spielte bei der Reserve des FC Bayern München(damals Trainer Mehmet Scholl) vor, wechselte aber 2010 zur U21 des 1. FC Köln, wo ihn Holger Stanislawski zwei Jahre später zu den Profis holte. Im August 2012 absolvierte er sein erstes Zweitliga-Spiel. „Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich mal als Stammspieler im Profifußball landen würde, hätte ich ihn für bekloppt erklärt“, erklärt Hector einmal gegenüber der „Kölnischen Rundschau“. Jetzt ist er sogar Nationalspieler.

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Der Marktwert: Hectors Marktwert beträgt aktuell laut transfermarkt.de 11 Millionen Euro. 2013 lag er bei 100 000 Euro.

Die Familie: Hectors Bruder Lucas ist 27 Jahre alt. Der Abwehrspieler beendete in der Saison 2015/16 seine Karriere beim SV Auersmacher. Jonas Hector ist nicht verheiratet, seine Freundin heißt Annika. Sein Privatleben hält Hector aber lieber verschlossen. „Ich bin kein Typ, der gerne in der Öffentlichkeit steht. Ich bin ganz froh, dass ich das alles ein wenig zurückhalten kann. Für mich ist Privates privat. Das halte ich so und es muss nicht unbedingt jeder daran teilhaben. Ich lasse diejenigen daran teilhaben, bei denen es mir etwas bedeutet. Ich habe auch keinen Grund, etwas daran zu ändern“, sagte er in einem Interview bei dfb.de. Sich als „öffentliche Person zu präsentieren, ist einfach nicht meins“, sagte er mal dem „Express“.

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Das Studium: Hector studiert seit zwei Jahren BWL für Leistungssportler am CL3 der Carl von OssietzkyUniversität Oldenburg . Es ist ein Fernstudium. Konkrete Ziele für die Karriere nach der Karriere hat er aber noch keine. Auch durch seine eher ungewöhnliche Karriere scheint der 26-Jährige allerdings bestens vorbereitet zu sein, auf das Leben nach dem Fußball. Das Leben auf dem Dorf habe ihn einiges gelehrt, betonte er bei dfb.de: „Ich habe die normalen Seiten des Lebens kennengelernt. Zum Beispiel durch meine Freunde, die früh angefangen haben zu arbeiten. Ich habe selbst noch ein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Ich hatte auch nicht viel Geld und musste versuchen, hauszuhalten. Da habe ich einen Einblick bekommen, wie man lebt, wenn man nicht Fußballprofi ist.“

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Der Spitzname: Den verpasste ihm einst sein Kölner Mannschaftskollege Thomas Kessler. Weil Hector oft eine Brille trägt nannte er ihn „Schlaubi“ – der Schlumpf, der eigentlich als Nervensäge gilt und bekannt ist für seine Moralpredigten. Dabei passen diese Eigenschaften eigentlich so gar nicht zu Hector. Dennoch hat sich der Name mittlerweile eingebürgert in Köln, was auch daran liegt, dass der FC bei Twitter den Hashtag #JederFuerSchlaubi verwendet.

Das sagt Hector nach dem Sieg gegen Italien: „Das ist alles schwer in Worte zu fassen. Ich bin einfach überglücklich, dass der Ball bei meinem Elfmeter irgendwie reingegangen ist. Es waren ja nicht mehr viele Leute da, die hätten schießen dürfen, dann habe ich das Herz in die Hand genommen. Und bei meinem Schuss war natürlich auch ein bissschen Glück dabei. Zum Glück sind wir jetzt eine Runde weiter. Es war ein sehr schweres Spiel über 120 Minuten. Defensiv haben wir gut gestanden, nach vorne hatten wir vielleicht das eine oder andere Problem. Jetzt ist es pures Glück.“

Das sagt der Bundestrainer nach dem Halbfinaleinzug: „Heute war es ja so, dass gerade die Youngster wie Jonas Hector und Joshua Kimmich es gut gemacht haben und auch die Elfmeter getroffen haben. Jonas ist ein ruhiger, seriöser Spieler, da hatte ich ein gutes Gefühl – auch wenn er ein bisschen glücklich reingegangen ist.“

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