Fußball, EM 165 deutsche Volunteers sind bei der EM im Einsatz

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Lille. Sabine Meyer und Kathrin Hilligardt sind zwei von 165 Deutschen unter den 6500 Volunteers, die sich während der EM in Frankreich an den zehn Spielorten freiwillig einbringen.

Sie helfen Fans wie Journalisten, den richtigen Platz zu finden, versorgen die Medienvertreter vor dem Spiel mit den frisch gedruckten Aufstellungen, sind Ansprechpartner für alle möglichen Fragen und halten das Medienzentrum in Schuss. Das sind nur einige Aufgaben, die von den 6500 Volunteers bei der EM übernommen werden. Unter ihnen sind auch 165 deutsche Freiwillige.

„Viel Enthusiasmus und viel Liebe zum Sport“

„Man muss sehr viel Enthusiasmus und viel Liebe zum Sport allgemein mitbringen“, sagt Sabine Meyer. „Es ist ja nicht nur im Fußball so, sondern auch bei anderen Sportereignissen: Ohne die Volunteers könnten diese Veranstaltungen gar nicht so richtig existieren“, sagt die Berlinerin. 66 Jahre ist sie alt und „jemand, der nicht ruhig sein oder stillsitzen kann. Mit 66 fängt das Leben doch erst an.“

Bereits Erfahrungen gesammelt

Seit Jahren ist die pensionierte Chirurgin schon als Helferin beim DFB-Pokalfinale in ihrer Heimatstadt engagiert. Die Frauenfußball-WM hat sie ebenfalls in Berlin begleitet. Das Champions League-Finale in der deutschen Hauptstadt machte Lust auf mehr. „Mich hat einfach mal gereizt zu gucken, wie es woanders aussieht. Ich hatte beim Champions League-Finale Leute von der Uefa kennen gelernt und fand es ganz interessant, mal über den Tellerrand zu gucken.“ Aus der Familie erhielt sie Unterstützung: „Mein Mann hat gesagt: Fahr!“

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Sie bestand das Auswahlverfahren und überwand dabei auch kleinere Hürden. „Ich musste über Skype ein Interview auf Französisch führen. Das hatte ich damals in der Schule, aber das ist ja hundert Jahre her“, lacht sie. Der begonnene Französisch-Kurs half ihr ein bisschen und „glücklicherweise wurde ein Teil des Gesprächs auch auf Englisch geführt. Das ist wie meine zweite Muttersprache.“ Da war die Zusage für den Einsatz im nordfranzösischen Spielort Lille nur noch Formsache.

Heimspiel in Lille

Ganz so gezielt war Kathrin Hilligardt die Bewerbung nicht angegangen. „Ich habe zufällig mitbekommen, dass man sich bewerben kann. Fußball und Frankreich verbinden zu können, ist natürlich super“, sagt die 22-Jährige aus Eberstadt. Sie hat nicht nur sprachlich ein Heimspiel in Lille. „Ich habe hier ein halbes Jahr bis März gelebt und als Fremdsprachenassistentin für Deutsch an einem Gymnasium gearbeitet“, sagt die Studentin, die Französisch und Italienisch auf Lehramt an der Uni belegt hat.

Schon Ende Mai ist Hilligardt in Lille angekommen. „Wir hatten am 1. Juni eine erste Schulung und dann bereits ab und zu ein paar Einsätze, um zum Beispiel das Medienzentrum und die Medientribüne herzurichten“, erzählt die 22-Jährige. Sie ist eine von 65 deutschen Volunteers, die vom Deutsch-Französisches Jugendwerk unterstützt werden. Die Einrichtung vermittelte unter anderem die Unterkunft in einem Studentenwohnheim.

Tolle Atmosphäre

Sabine Meyer organisierte sich den Wohnraum auf eigene Faust. Inzwischen ist sie in ein Bed & Breakfast-Zimmer umgezogen. Für die erste Zeit war sie bei einem Volunteer-Kollegen untergekommen. „Die ganze Atmosphäre untereinander ist beeindruckend. Wir sind ein tolles Team. Jeder wird freundlich aufgenommen, egal, woher man kommt, wer man ist und wie jung oder alt man ist. Ich fühle mich hier nicht wie die Oma der Kompanie“, sagt Meyer. Auch Hilligardt schätzt den Umgang. „Es ist super einfach, Menschen aus aller Welt kennen zu lernen. Wir haben zum Beispiel eine Brasilianerin im Team. Und wenn wir nicht im Stadion arbeiten, sind wir oft zusammen in der Fanzone unterwegs, um uns Spiele anzugucken“, beschreibt sie den großen Zusammenhalt.

Unschätzbarer Wert

Für die Uefa ist der freiwillige Einsatz von unschätzbarem Wert. Außer ihrer Einsatzkleidung, die die Volunteers nach dem Turnier behalten dürfen, sowie einer Grundverpflegung und dem Nahverkehrs-Transport an Einsatztagen erhalten die Freiwilligen nichts. Dafür bekommen sie unbezahlbare Erlebnisse zurück. „Ich musste zwar zwischendurch arbeiten und habe die ersten beiden deutschen Tore im Achtelfinale nicht gesehen“, berichtet Meyer, „aber das dritte haben wir dann gesehen. Das war schon toll. Die Deutschen haben cool gespielt. Wenn sie wirklich mal gefordert werden, können sie aber auch noch einen Zahn zulegen“, hofft die 66-Jährige.

„Alle bis auf Özil und Müller“

„Das Achtelfinale war auf jeden Fall mitreißender als das erste Spiel gegen die Ukraine“, sagt Hilligardt. In der Mixed Zone bekamen die beiden deutschen Volunteers auch die meisten Spieler des DFB-Teams zu sehen. „Alle bis auf Mesut Özil und Mats Hummels. Die waren noch bei der Dopingkontrolle“, erzählt Hilligardt und freut sich auf das Viertelfinale am Samstag – auch ohne deutsche Beteiligung. „Das wird trotzdem super. Die Waliser sind sicher auch gut drauf. Wir hatten ja die Iren hier. Die Fans waren einfach geniel, total friedlich und super drauf. Man wird hier Fan der irischen Fans“, sagt die 22-Jährige.

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Sie hat sich dezent einige Fingernägel in deutschen Farben lackiert. Fankleidung ist im Dienst nicht erlaubt, genauso wenig wie Erinnerungsfotos mit den Spielern. Die waren zumindest von einem deutschen „herzlichen Glückwunsch“ überrascht. „Auch Journalisten und Fans sind froh, wenn sie ihre Muttersprache sprechen können, weil man sich doch einfacher ausdrückt“, sagt Hilligardt, die bislang viele positive Erfahrungen mit Journalisten gemacht hat. „Sie sind im Großen und Ganzen freundlich“, sagt Sabine Meyer, „es gibt immer mal Ausnahmen, aber wo gibt’s die nicht?“

Mehr Begeisterung erwünscht

Ein bisschen mehr Begeisterung im Land wünscht sich die 66-Jährige noch, „so wie es beim Sommermärchen 2006 in Deutschland war. Das empfinde ich in Frankreich noch nicht so.“ Spätestens am 2. Juli wird ausgiebig gefeiert. Am Tag nach dem letzten EM-Spiel in Lille gibt es eine Abschiedsfete für alle Volunteers. Dann geht es wieder nach Hause.

Den Französisch-Unterricht, den sie mit der Bewerbung begonnen hatte, wird Meyer weitermachen. „Ich finde die Sprache unheimlich toll. Der Französisch-Kurs war ein Vorsatz für die Rente.“ Ansonsten wird es nicht langweilig für sie. Meyer engagiert sich in der Flüchtlingshilfe, gibt ehrenamtliche Sprechstunden für Jugendliche, die ohne Eltern nach Berlin gekommen sind und arbeitet in einem Lotsendienst für Flüchtlinge. „Untätig werde ich nicht sein“, versichert sie.

„Einmal Volunteer, immer Volunteer“

Für Hilligardt geht es „erst mal in den Urlaub und dann zurück zur Uni“, aber einen Vorsatz nimmt sie von der EM mit nach Hause: „Ich will mich auf jeden Fall wieder als Volunteer bei einem Sportereignis bewerben“, sagt sie. Auf einer Schulung in Frankfurt hatte einer ihrer Vorgänger einen Vortrag gehalten und mit seiner Begeisterung angesteckt. „Seine Aussage war: Einmal Volunteer, immer Volunteer“, sagt Hilligardt, „das kann ich so unterschreiben.“


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