EM 2016: Kroatien-Spanien 2:1 Kroatien entzaubert Spanien

Die Freude war groß bei den Kroaten. Ivan Perisic und Nikola Kalinic (r.) bejubeln den 1:1-Ausgleich. Foto: imago/PranterDie Freude war groß bei den Kroaten. Ivan Perisic und Nikola Kalinic (r.) bejubeln den 1:1-Ausgleich. Foto: imago/Pranter

Osnabrück. Eine Serie geht zu Ende. Das erste Mal seit 2004 verliert die spanische Fußballnationalmannschaft ein Spiel bei einer EM-Endrunde. Gegen Kroatien unterliegt der amtierende Europameister mit 1:2 (1:1), und so kommt es schon im Achtelfinale zur Neuauflage des Finals von 2012 – Italien gegen Spanien. Kroatien sichert sich hingegen den Gruppensieg.

Der Spielverlauf: Kroatien versuchte von Beginn an das Kurzpassspiel der spanischen Auswahl zu unterbinden und überließ den favorisierten Iberern nicht kampflos das Feld und die Spielanteile. Dennoch fiel das 1:0 Spaniens früh. Alvaro Morata brachte die Mannschaft von Vicente del Bosque nach starker Vorarbeit von David Silva und Cesc Fabregas in Front (7.). Allerdings wirkten die Kroaten nicht geschockt – ganz im Gegenteil: Nikola Kalinic mit einem Fernschuss und Ivan Rakitic mit einem Heber über den aufgerückten David de Gea, brachten der Elf Kroatiens hochkarätige Möglichkeiten. Rakitics Lupfer wurde indes sogar nur von der Latte und dem Rücken von Sergio Ramos gestoppt. Spanien hatte zwar mehr Ballbesitz im ersten Durchgang, insgesamt verbuchten aber die Kroaten die besseren Torraumszenen. Auch der Ballvortrag Kroatiens wirkte immer gefährlich und war keinesfalls vom Zufall geprägt. Zwar hatten die Mannen von der iberischen Halbinsel das Geschehen im Griff, ihnen fehlte nach der frühen Führung aber der entscheidende Zug zum Tor. Kalinic bestrafte diese Passivität mit dem Ausgleichstreffer kurz vor dem Pausentee (45.).

Kroatien bestätigte den starken Eindruck aus dem ersten Durchgang auch in der zweiten Halbzeit. Spanien agierte zumeist zu behäbig und kam so nicht zu Torchancen. Die Mannschaft von Trainer Ante Cacic spielte couragiert mit, und hatte Chancen durch Tin Jedvaj und den Fallrückzieher von Marko Pjaca (57.). Auch der spanische Elfmeter, den Sergio Ramos verschoss, brachte Kroatien nicht aus der Fassung. Kurz vor Schluss belohnte sich das Team sogar mit dem 2:1 und dem nicht unverdienten Sieg. Spanien rannte in der Nachspielzeit noch mal an, kam aber nicht mehr zum Torerfolg.

Die Tore: 0:1 Alvaro Morata (7., David Silva spielt einen tollen Steilpass auf Cesc Fabregas, der den Ball aus sieben Metern halbrechts an Danijel Subasic vorbeilegt. Morata vollendet aus kürzester Distanz.), 1:1 Nikola Kalinic (45., Ivan Perisic wird auf dem linken Flügel nur halbherzig angegriffen und flankt das Spielgerät ins Zentrum, wo Kalinic elegant mit der Hacke an de Gea vorbeilegt.), 2:1 Ivan Perisic (87., Kalinic leitet einen Konter ein und legt den Ball auf links, wo Perisic durchstartet. Der Mann von Inter Mailand schließt aus spitzem Winkel ab und trifft zum Sieg.).

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Der Mann des Spiels: Ivan Rakitics Präsenz im Mittelfeld und eine Präzision im Passspiel ließ vergessen, dass der eigentliche Strippenzieher der Kroaten, Luka Modric, aufgrund einer Vorsichtsmaßnahme geschont wurde und somit fehlte. Der Mann vom FC Barcelona verteilte in der Zentrale geduldig und klug die Pässe und drückte dem Spiel so seinen Stempel auf. Nicht zu vergessen: Perisic. Agil auf dem Flügel und mit dem entscheidenden Treffer.

Die Szene des Spiels: Lange muss man in der EM-Historie zurückgehen, um einen Gegentreffer der spanischen Mannschaft zu finden. Am 10. Juni 2012 war es Antonio di Natale, der im ersten Gruppenspiel der Euro in Polen und der Ukraine für Italien das 1:0 erzielte. Nach diesem Tor blieb del Bosques Team in sieben aufeinanderfolgenden Endrundenspielen ohne gegnerischen Treffer – Kalinic beendete diese Serie kurz vor der Halbzeitpause mit der Hacke.

Der Aufreger: In der 71. Spielminute entschied der Unparteiische Björn Kuipers auf Strafstoß für Spanien – eine strittige Entscheidung. David Silva kam im Duell mit Sime Vrsaljko zu Fall, der zuvor allerdings auch einen kleinen Stoß von einem spanischen Gegenspieler bekommen hatte. Sergio Ramos übernahm Verantwortung, der Innenverteidiger von Real Madrid schoss aber so unplatziert, dass Subasic den Ball abwehren konnte.

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War sonst noch was? Viele Fans und Beobachter hatten gespannt auf die 30. Minute dieser Partie gewartet. Kroatische Hooligans hatten angekündigt den Platz in dieser Minute stürmen zu wollen, bengalische Feuer zu zünden und den Schiedsrichter Kuipers anzugreifen. Schon im Spiel gegen Tschechien gab es Prügeleien zwischen den kroatischen Chaoten – auch diese fanden zur angekündigten 85. Minute statt. Glücklicherweise blieb es in Bordeaux ruhig, vielleicht auch, weil sich extra für dieses Spiel kroatische Polizisten mit Kenntnis über die potentiellen Übeltäter zur Unterstützung nach Frankreich begeben hatten.  

Die Stimmung: ... war durchweg friedlich. Die 42 000 Zuschauer im Nouveau Stade de Bordeaux feuerten ihr Team im humanen Stil an – gerade bei den kroatischen Hooligans durfte man vor der Partie nicht unbedingt davon ausgehen. So hüllten die wirklichen Anhänger des WM-Dritten von 1998 das Stadion in das so typische rot-weiße Karomuster, die Fans der „Furia Roja“ färbten Bordeaux, wie es der Name schon sagt, in dunkles Rot.

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Und jetzt? Kroatien sichert sich mit diesem Achtungserfolg gegen Spanien den ersten Platz in der Gruppe D. Am Samstag trifft die Mannschaft um 21 Uhr in Lens auf einen Gruppendritten – entweder aus der Gruppe B, E oder F.

Der spanische Gegner steht hingegen schon fest. Am Montag trifft der Europameister in St. Denis auf Italien – welch ein Match, und das schon im Achtelfinale. Die Neuauflage des EM-Finals von 2012 ist perfekt.


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