Fußball-Überraschungen Die kuriosesten Relegations-Geschichten

Von Sven Hallmann


Osnabrück. Comebacks, Kantersiege und Chaos: Die Relegation verspricht Drama und Überraschungen. Eingeführt 1982, abgeschafft 1991 und 2009 wiederbelebt, bietet dieser Wettbewerb viele bunte und kuriose Geschichten. Weitere Kapitel können der Historie hinzugefügt werden. Montag (20:30 Uhr) empfängt der 1. FC Nürnberg Eintracht Frankfurt (Hinspiel 1:1), Dienstag (19:10 Uhr) spielt der MSV Duisburg gegen die Würzburger Kickers (0:2).

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1986: Entscheidungsspiel gerät zur Farce

Dass in der Relegation die Tagesform entscheidend sein kann, zeigte sich in der Vergangenheit immer wieder. 1986 spielte aber eine wichtige Rolle. Fortuna Köln gewann gegen Borussia Dortmund als Zweitligist das Hinspiel 2:0, die Dortmunder das Rückspiel 3:1. Da die Auswärtstorregel noch nicht galt, musste ein Entscheidungsspiel ausgetragen werden. Der ursprünglich angesetzte Spieltermin wurde auf Antrag der Fortuna verschoben. Grund waren erkrankte Spieler, so dass Trainer Hannes Linßen lediglich vier Akteure zur Verfügung standen. Wegen der anstehenden Weltmeisterschaft wurde das Spiel nur um eine Woche verschoben – zu wenig Zeit für die Kölner. Elf angeschlagene Fortunen standen im Entscheidungsspiel auf dem Platz und hatten gegen die Borussia keine Chance. 8:0 gewann Borussia Dortmund und blieb in der 1. Bundesliga.

1988 bis 1990: Dreimal erfolglos in der Relegation

Der wohl erfolgloseste Relegations-Trainer trägt den Namen Klaus Schlappner. Der heute 76-Jährige stand dreimal in Folge vor dem Aufstieg in die Bundesliga, scheiterte aber jedes Mal. 1988 gewann er mit dem SV Darmstadt das Hinspiel gegen Waldhof Mannheim, verlor das Rückspiel aber 1:2 und das Entscheidungsspiel mit 4:5 im Elfmeterschießen. 1989 blieb er mit dem 1. FC Saarbrücken erfolglos, das Hinspiel gegen Eintracht Frankfurt ging mit 0:2 verloren, das Rückspiel gewann der FCS mit 2:1 und ließ sich trotz des verpassten Aufstiegs feiern. Einen weiteren Versuch mit Saarbrücken unternahm Schlappner im folgenden Jahr gegen den VfL Bochum, doch auch 1990 scheiterte er mit einem 0:1 im Hin- und einem 1:1 im Rückspiel.

2012: Platzsturm wegen Schiedsrichterpfiff

Das Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin 2012 ist fest im Fußballgedächtnis der Nation verankert. Nachdem die Fortuna das Hinspiel mit 2:1 gewonnen hatte, gingen die Gastgeber im Rückspiel früh mit 1:0 in Führung. Hertha glich aus, Torschütze Änis Ben-Hatira flog in der zweiten Halbzeit vom Platz, kurz danach gelang Düsseldorf die erneute Führung. Wegen des Abbrennens von Pyrotechnik wurde die Partie von Schiedsrichter Wolfgang Stark unterbrochen, sieben Minuten betrug die Nachspielzeit beim Spielstand von 2:2. Als Stark gute 90 Sekunden vor Ablauf der Extrazeit einen Freistoß pfiff, interpretierten viele Fans diesen als Schlusspfiff – und stürmten den Platz. Dabei wurden Rasenstücke herausgeschnitten und erneut Pyrotechnik abgebrannt. Der Schiedsrichter und die Mannschaften flüchteten in die Katakomben des Düsseldorfer Stadions. Nach einigen Minuten gelang es Sicherheitskräften, die Zuschauer wieder auf die Ränge zu verweisen. Weitere zehn Minuten später erklärte sich die Hertha bereit, das Spiel zu beenden. Allerdings legten die Berliner im Nachhinein Protest ein, da ihre Spieler unter „Todesangst“ gelitten haben sollen. Das Sportgericht wies den Protest ab und Düsseldorf stieg in die Bundesliga auf.

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2014 und 2015: Hamburger Minimalisten

Der Hamburger SV stand in den Jahren 2014 und 2015 denkbar knapp vor der 2. Bundesliga. Relegationsgegner im ersten Jahr war die Spielvereinigung Greuther Fürth. Das Hinspiel in Hamburg endete 0:0, das Rückspiel in Fürth 1:1. Der HSV hielt die Klasse dank des Auswärtstores. Noch spannender machten es die Hamburger ein Jahr später gegen den Karlsruher SC. Das Hinspiel in der Hansestadt endete 1:1. Im Karlsruher Wildpark führten die Gastgeber lange: Erst in der Nachspielzeit gelang dem HSV durch einen direkt verwandelten Freistoß von Marcelo Diaz der Ausgleich. In der Verlängerung traf Nicolai Müller fünf Minuten vor Abpfiff zum 2:1 und hielt den HSV damit in der Bundesliga. „Solche Spiele brauche ich nie mehr“, sagte Torwart Rene Adler nach der Begegnung.

2014: Das größte Comeback

Eigentlich sah es nach dem Relegations-Hinspiel zwischen dem SV Darmstadt und Arminia Bielefeld nach einem langweiligen Rückspiel aus. 3:1 hatte die Arminia das erste Duell in Darmstadt als Zweitligist gewonnen. Der Drittligist brauchte in Bielefeld einen klaren Sieg. Tatsächlich gelang den Lilien durch Dominik Stroh-Engel die frühe Führung, Hanno Behrens erhöhte auf 2:0. Immer noch zu wenig für die Darmstädter. Bielefeld verkürzte, Jerome Gondorf schoss zehn Minuten vor Schluss das 3:1 für die Gäste. In der Verlängerung gelang den Bielefeldern durch Kacper Przybylko der Anschlusstreffer. Doch Darmstadt behielt die Ruhe, erzielte in der zweiten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung das 4:2 durch Elton da Costa und stieg in die 2. Bundesliga auf.

Die klarsten Siege

1984 war nach dem Hinspiel des Duells zwischen dem MSV Duisburg und Eintracht Frankfurt schon alles klar. Der Bundesligist Frankfurt gewann in Duisburg mit 5:0. Das Rückspiel hatte nur noch statistischen Wert, dort trennten sich beide Teams 1:1 und die Eintracht hielt die Klasse. Ebenfalls klar endete die Relegation zwischen dem 1. FC Nürnberg und Energie Cottbus 2009, allerdings mit anderen Vorzeichen. Erstligist Cottbus unterlag im Hinspiel mit 0:3 und verlor auch das Rückspiel mit 0:2. Zweitligist Nürnberg gelang somit ein klarer 5:0-Erfolg in der Endabrechnung.

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