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Halbfinale in der Champions League Bayern München will Atléticos Abwehrbollwerk knacken

Von Michael Jonas

Spaß beim Abschlusstraining: Franck Ribéry und Jérôme Boateng. Foto: imago/Philippe RuizSpaß beim Abschlusstraining: Franck Ribéry und Jérôme Boateng. Foto: imago/Philippe Ruiz

jon/dpa München. In ihrer Heimfestung muss der FC Bayern München das Abwehrbollwerk von Atlético Madrid knacken. Kapitän Lahm führt ein Team an, das „zu hundert Prozent ins Finale will“. Jetzt brauchen die Bayern mal wieder eine magische Fußballnacht, um das Finale in der Champions League zu erreichen.

Triple-Traum oder Albtraum-Triple lautet die extreme Gratwanderung für Trainer Pep Guardiola und die Münchner Stars beim großen Kampf ums Champions-League-Finale gegen Atlético Madrid. Nach dem 0:1 in Spanien müssen die seit Wochen nicht mehr beschwingt auftretenden Münchner am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in der Festung Allianz Arena ans Limit gehen.

Das spricht für die Bayern

Die Heimstärke: Elf Partien in der Königsklasse in Serie haben die Bayern daheim gewonnen. „Wir sind sehr, sehr heimstark, darauf bauen wir“, meinte Weltmeister Jérôme Boateng.

Die Stimmung: Das ausverkaufte Stadion wird beben. 70000 Zuschauer werden den wankenden deutschen Rekordchampion antreiben. Das war gegen Juve so, und das wird auch gegen Atlético Madrid so sein. Beeindrucken lassen werden sich die Spanier dadurch nicht. Im Hinspiel unterstützten die Atlético-Fans ihre Mannschaft grandios. Aber die Bayern-Spieler werden auf einer Wolke der Euphorie getragen werden.

Die Serie: Achtmal mussten die Münchner in ihrer langen Historie bislang einen 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel aufholen, sechsmal kam der deutsche Rekordmeister auch eine Runde weiter. Beim letzten Versuch scheiterten die Bayern allerdings kläglich mit 0:4 an Real Madrid. Dennoch: Die Voraussetzungen sind anders. Die Bayern haben aus dem Debakel gelernt. (Weiterlesen: Bayern zum Siegen verdammt )

Thomas Müller: Der Weltmeister kann mit Drucksituationen umgehen. Gegen Juventus Turin hielt er die Bayern mit seinem Tor zum 2:2 in der Nachspielzeit im Spiel und schuf die Voraussetzung für den Halbfinaleinzug. „Ich bin nicht einer, der sich in großen Spielen versteckt und da ein Hasenfuß ist“, sagte der 26-Jährige, dessen Bankplatz in Spanien allgemein verblüfft hatte und Pep Guardiola nach dem 0:1 viel Kritik eintrug. Der Trainer begründete den Verzicht auf Müller mit taktischen Gründen: „Ich wollte mit einem Mittelstürmer spielen.“ Der hieß Robert Lewandowski.

Die Taktik: Lewandowski und Müller werden wohl von Anfang an spielen und großen Druck auf die Madrider Abwehr ausüben. 16 der 28 Bayern-Tore im laufenden Wettbewerb hat dieses Duo erzielt, jeder traf achtmal. Flüssige Kombinationen und der Ballbesitz stehen bei den Bayern im Mittelpunkt.

Arturo Vidal: Gegen Juventus und Benfica Lissabon war er der überragende Spieler. Der Chilene kann der Unterschied ausmachen. Der Problemspieler ist zum Problemlöser geworden.

Das spricht gegen die Bayern

Mögliche Wagnisse: Abwehrchef Boateng nach seinem 68-Minuten-Comeback gegen Gladbach in ein derartig wichtiges Spiel zu schicken könnte jedoch ein großes Wagnis sein. Franck Ribéry will trotz Rückenproblemen auflaufen – ein Risiko. Der 33 Jahre alte Franzose hatte gegen Gladbach (1:1) kurzfristig wegen Rückenschmerzen gefehlt. Ribéry will unbedingt dabei sein. „Ich habe große Lust, und ich muss auch spielen.“ (Weiterlesen: Ribéry soll spielen )

Die Konterspieler: Über gefährliche Angreifer und Konterqualitäten verfügt Atlético mit Fernando Torres und Antoine Griezmann allemal – auch wenn Atlético zunächst kein Risiko eingehen wird. Nur in acht von bislang 51 Pflichtspielen in dieser Saison gelang Atlético kein Treffer . „Wir sterben füreinander. Das ist eine Schlacht da draußen“, sagte Torres.

Die Abwehr: Sie ist eine der besten, wenn nicht die beste im internationalen Fußball, wie man im Hinspiel sah. In der Primera Division hat Atlético in dieser Saison bereits neunmal 1:0 gewonnen. Das beweist, dass der Klub hinten die Null halten kann.

Der Trainer: „Bei uns sind die Spieler, Zeugwarte, Angestellte und Fans auf einer Linie“, betonte Simeone. Seine Mannschaft spielt mit der Mentalität des Trainers. Die Spieler folgen ihm blind. Wenn man an den Erfolg glaubt und hart arbeitet, kann man seine Ziele erreichen“, lautet die Devise des Argentiniers, der Wert auf Kampfkraft, Härte und taktische Disziplin legt. (Weiterlesen: Pressestimmen zum Sieg von Atlético im Hinspiel )

Bayern München gegen Atletico Madrid live im TV und Livestream


Achtmal 0:1 im Hinspiel - zweimal gescheitert

Der FC Bayern konnte sechsmal eine 0:1-Auswärtsniederlage aus dem Hinspiel aufholen. Aber in Halbfinalspielen der Königsklasse klappte das nie.

Europapokal der Landesmeister

1975: Achtelfinale gegen Malmö FF, 0:1 und 2:0, weiter

1990: Halbfinale gegen AC Mailand, 0:1 und 2:1 n. V., ausgeschieden

Champions League

2012: Achtelfinale gegen FC Basel, 0:1 und 7:0, weiter

2014: Halbfinale gegen Real Madrid, 0:1 und 0:4, ausgeschieden

UEFA-Cup

1980: Viertelfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern, 0:1 und 4:1, weiter

1989: Viertelfinale gegen Heart of Midlothian, 0:1 und 2:0, weiter

1995: 1. Runde gegen Lokomotive Moskau, 0:1 und 5:0, weiter

Cup der Pokalsieger

1967: Viertelfinale gegen Rapid Wien, 0:1 und 2:0 n. V., weiter

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