Randale nach Werder-Match Ausschreitungen nach VfL-Spiel: Ist das noch Fankultur?

Extraschichten: Auch auf Drittligaebene muss die Polizei Präsenz zeigen. Foto: dpaExtraschichten: Auch auf Drittligaebene muss die Polizei Präsenz zeigen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Meldung in unserer gestrigen Ausgabe war knapp. Von 30 Festnahmen war die Rede am Rande des Drittligaspiels zwischen dem VfL Osnabrück und Werder II. Offenbar Routine. Alfons Batke schaute als Bahnreisender ein wenig hinter die Kulissen und erlebte Ernüchterndes.

Wir reden über ein Fußballspiel aus der 3. Liga, der Polizeiaufwand ist ungewöhnlich groß. Auch weil Werder-Anhänger gegen die Ansetzung von Montagsspielen demonstrieren wollen und mit mehr als 500 Leuten anreisen. Einige davon haben sich die Nordwestbahn für die Reise ausgewählt, offensichtlich, um unbehelligter gen Süden zu kommen. Nordwestbahn – das steht in der Regel für entspanntes und ruhiges Reisen. Nicht so an diesem Samstag, als Werder-Chaoten den Zug in Beschlag nehmen. Sie haben sich hinter Bremen zusammengerottet, um auf dem Hauptbahnhof in der Weserstadt kein Aufsehen zu erregen. Doch dann sind sie plötzlich in voller Mannschaftsstärke da – grölen, pöbeln und randalieren. Bei jedem Halt, egal ob in Holdorf, Neuenkirchen, Rieste oder Bramsche, springen einige von ihnen auf den Bahnsteig und urinieren um die Wette.

Verbale Attacken

In Hesepe werden Asylbewerber verbal attackiert und mit Spottliedern überzogen. Die Menschen, die auf der Flucht sind, blicken irritiert und ratlos, sie haben ein anderes Deutschland-Bild. Doch das interessiert die Horde der vermeintlichen Fans nicht, ihr Liedgut hat rechtsradikale und homophobe Inhalte.

In Hamburg aufgefallen

Der Polizei ist diese Gruppierung bekannt, sie gelten als Extrem-Ultras und waren schon eine Woche zuvor beim Nordderby in Hamburg aufgefallen. Von wegen Werder und die friedlichsten Fans der Liga: Auf diese Chaos-Combo kann Grün-Weiß wahrlich nicht stolz sein.

Joints und weinende Kinder

Auch auf der Rückreise sind sie wieder ganz in ihrem Element und freuen sich über eine Schlägerei-Einlage mit Osnabrücker Ultras auf dem Altstadtbahnhof. Die Prügelhelden werden hernach im blaugelben Zug gefeiert bei Joints und weiteren Drinks. Kinder fangen an zu weinen und verstehen die Welt nicht mehr. Eine Gruppe von Nachbarn, die mit Kind und Kegel einen schönen Nachmittag erleben wollte, verlässt in Bramsche erschüttert den Zug, während sich wieder einmal einige der Dumpfbacken auf dem Bahnsteig erleichtern. Ist das die deutsche Fankultur 2016?.


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