Ausschreitungen in Magdeburg Pistorius will nach Pyro-Eskalation Fußball-Gipfel


Hannover. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) möchte die Deutungshoheit über die Fankultur in deutschen Stadien nicht dem harten Kern der Anhänger überlassen.

Pistorius will „eine Allianz derer, die Fußball gucken wollen“, sagte er am Montag vor Journalisten in Hannover. Wer an dem Fußballgipfel in Niedersachsen konkret teilnehmen soll, sei noch nicht abschließend klar. Der SPD-Politiker ärgert sich vor allem darüber, dass eine Minderheit im Stadion die Deutungshoheit habe, was zur Fankultur gehöre und was nicht. Dabei gehörten manchmal nur „zehn von zehntausend“ Besuchern zu den Gruppen von Ultras, die den Begriff „Fankultur“ für sich beanspruchten. ( Der Innenminister bei Twitter )

Pyrotechnik kein Teil der Fankultur

Insbesondere kritisierte Pistorius die Deutung der gefährlichen Pyrotechnik als angeblichen festen Bestandteil dieser Kultur: „Was haben Pyros in Stadien zu suchen?“, fragte Pistorius. In den 1970er Jahren habe es praktisch keine Pyrotechnik in deutschen Stadien gegeben. Der Gipfel soll auch vor dem wahrscheinlichen Abstieg von Hannover 96 und dem möglichen Aufstieg des VfL Osnabrück in die 2. Bundesliga stattfinden. Zusammen mit Braunschweig, Dresden, Aue, St. Pauli und Bielefeld könne sich in der kommenden Saison eine „interessante Mischung“ ergeben, sagte Pistorius.

Positives Beispiel aus den USA

Bei seinem USA-Besuch hatte Pistorius vorletzte Woche auch ein Baseballspiel gesehen. Beim Regional-Derby der LA Dodgers gegen die Giants aus San Francisco habe im Stadion anders als bei deutschen Fußballduellen eine friedliche „Volksfestatmosphäre“ geherrscht, sagte der Politiker sichtlich beeindruckt. (Weiterlesen: Randale bei Dresdner Aufstieg )

Zu heftigen Zwischenfällen war es zuletzt beim Ost-Duell zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden gekommen. Die Polizei konnte trotz eines Großaufgebots von rund 1000 Beamten aus sechs Bundesländern Ausschreitungen aber nicht verhindern. 15 Polizisten und ein Ordner wurden verletzt. Wie die Polizei mitteilte, wurden 33 Anzeigen unter anderem wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Raub und Widerstand erstattet. Mehr als 300 Personen wurden von den Einsatzkräften vorübergehend festgesetzt. (mit dpa)


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