Wer landet den Coup? Pokalsamstag mit zwölfmal „Klein gegen Groß“

Von Patrick Eckholt


Osnabrück. Der SV Elversberg war gegen den FC Augsburg bereits nah dran an der Überraschung und hatte erst in der Verlängerung das Nachsehen. Und das war vermutlich erst der Anfang. Am heutigen Samstag folgen zwölf weitere Partien, in der ein unterklassiger Verein gegen ein Team, welches mindestens eine Liga höher spielt, trifft. Bereits ab 15:30 Uhr rollt das Leder auf neun Plätzen.

Sportfreunde Lotte - Bayer 04 Leverkusen (15:30 uhr)

Hochkarätiger Gegner am Lotter Kreuz: Die Sportfreunde Lotte erwarten am heutigen Samstagnachmittag die Werkself aus Leverkusen. Für die Mannschaft von Ismail Atalan ist es das „Spiel des Jahres“. Somit ist sogar ein Weltmeister zu Gast: Christoph Kramer ist nach dem Leihgeschäft mit Borussia Mönchengladbach zurück bei den Leverkusenern. „Wir nehmen das Spiel sehr ernst und werden unsere stärkste Mannschaft aufbieten“, äußert sich Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler im Interview . Es ist also angerichtet: Trotz der Top-Elf wittern sie Sportfreunde ihre kleine aber mögliche Chance. Sensationswahrscheinlichkeit: 20 Prozent

SV Meppen – 1. FC Köln (15:30 Uhr)

Der 1. FC Köln tritt beim in der Region ansässigen SV Meppen an. Zwischen der Regionalliga Nord und der Bundesliga liegen drei Klassen, wodurch der Begriff „Außenseiter“ den Meppenern auf die Stirn geschrieben ist. „Blamieren können sich nur die Kölner“, äußerte sich SVM-Kapitän Johan Wigger in einem Vorschau-Clip von ev1.tv vor dem Pokalkracher gegen den Bundesligisten. Etwa 30 Meppener Fans sorgten beim Abschlusstraining bereits für Stimmung und sangen vom Europapokal.  Der SVM ist mit einem Sieg und einem Unentschieden in die Meisterschaft gestartet. Jetzt soll der große Coup her! Sensationswahrscheinlichkeit: 15 Prozent

FC Viktoria Köln – 1. FC Union Berlin (15:30 Uhr)

Zwei große Städte mit viel Tradition treffen aufeinander und dennoch lautet der Unterschied auf fußballerischer Ebene: Regionalliga West gegen 2. Bundesliga. Mit Claus Costa und Michael Lejan stehen zwei ehemalige Spieler vom VfL Osnabrück im Kader der Domstädter. Zudem spielt die Viktoria aktuell in einer Spielklasse mit den Sportfreunden Lotte. In der Vorbereitung erkämpften die Kölner bereits ein 1:1 gegen Bayer 04 Leverkusen und gewannen mit 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf. Die Berliner wollen sich jedoch keinen Strich durch die Rechnung machen lassen. „Der Pokal ist eine richtig geile Sache. Die Aufgabe hat einen besonderen Reiz, dem wir uns nicht entziehen wollen“, äußert sich FCU-Trainer Norbert Düwel auf der Homepage der Eisernen. Sensationswahrscheinlichkeit: 30 Prozent

MSV Duisburg – FC Schalke 04 (15:30 Uhr)

Blau-Weiß gegen Blau-Weiß, Ruhrpott gegen Ruhrpott, Zebras gegen Knappen: Der MSV Duisburg trifft auf den FC Schalke 04. Eine Begegnung, die in der erste Runde des Pokals viel verspricht. Die Königsblauen haben im DFB-Pokal etwas gutzumachen. Im vergangenen Jahr hieß gegen Dynamo Dresden bereits in der ersten Runde: Endstation.  Für die Zebras war die Pokalsaison nach Runde zwei, nach dem packenden Elfmeterschießen gegen den 1. FC Köln vorbei. Sensationswahrscheinlichkeit: 35 Prozent

Stuttgarter Kickers – VfL Wolfsburg (15:30 Uhr)

Mit dem VfL Wolfsburg erwarten die Stuttgarter Kickers, die am vergangenen Wochenende noch beim VfL Osnabrück zu Gast waren , den frisch gebackenen Supercup-Sieger. Bisher trafen die beiden Mannschaften sechsmal aufeinander, die Bilanz ist ausgeglichen: Jede Mannschaft gewann jeweils ein Duell, die übrigen vier endeten Remis. Zuletzt trafen die beiden Vereine allerdings in der Saison 1992/93 aufeinander – damals noch in der 2. Bundesliga, die heute zwischen den beiden Teams liegt. Sensationswahrscheinlichkeit: 5 Prozent

TSV 1860 München – TSG 1899 Hoffenheim (18 Uhr)

Die Münchner könnten den Kraichgauern das Leben schwer machen. Knapp zehn Jahre ist es her, dass die Löwen in der ersten Runde aus dem Pokal ausgeschieden sind (0:1 gegen den VfB Lübeck im Jahr 2006/07). Die Hoffenheimer traf es dagegen in der Saison 2012/13 mit einer blamablen 0:4-Niederlage beim Berliner AK. Abseits der Statistik kommt es zum einem Wiedersehen mit Jubliäum. Ausgerechnet bei seinem ehemaligen Club macht macht Kevin Volland sein 100. Spiel für die Hoffenheimer. Löwen-Trainer Torsten Fröhling beschreibt die Vorzeichen der Begegnung als „Fifty-Fifty“. Wir sagen... Sensationswahrscheinlichkeit: 40 Prozent

Hallescher FC – Eintracht Braunschweig (15:30 Uhr)

Beide Teams sind nicht wie gewünscht in die Saison gestartet. Der Hallesche FC verlor in der 3. Liga direkt beide Partien zum Auftakt, die Braunschweiger konnten aus den ersten beiden Spielen immerhin einen Punkt mitnehmen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass diese beiden Teams aufeinander treffen. „Auf uns wartet eine sehr disziplinierte Mannschaft in einem kleinen, schmucken Stadion, das nach Pokal-Fight riecht“, so Löwen-Trainer Torsten Lieberknecht auf der Braunschweiger Vereinsseite. Gut 15.000 Fans passen in den Erdgas-Sportpark in Halle. Sensationswahrscheinlichkeit: 20 Prozent

Würzburger Kickers – SV Werder Bremen (15:30 Uhr)

Den Würzburger Kickers gelang schon in der letzten Saison die Sensation. Damals spielten die Würzburger noch in der Regionalliga  Bayern und schickten den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf mit 3:2 nach Verlängerung nach Hause. Der SV Werder Bremen rettete sich mit Ach und Krach durch einen 3:2 Erfolg (ebenfalls nach Verlängerung) beim FV Illertissen in die zweite Runde. Es bleibt abzuwarten, ob es auch in dieser Saison wieder so spannend wird. Sensationswahrscheinlichkeit: 10 Prozent

FC Erzgebirge Aue – SpVgg Greuther Fürth (15:30 Uhr)

Diese beiden Teams stehen sich wohl näher, als viele andere in dieser ersten Pokalrunde. Ein Punkt trennte Veilchen und die Fürther am Ende der letzten Zweitligasaison. Der FCE musste den Weg in die 3. Liga antreten, die Kleeblättler konnten den Kopf gerade so über Wasser halten. 19 Mal standen sich die beiden Mannschaften schon gegenüber - zehn davon gewannen die Fürther (dazu sechs Unentschieden und drei Siege des FCE). Durch den gelungenen Zweitligastart mit vier Punkten aus zwei Spielen und den Klassenunterschied sind die Fürther Favorit. Und dennoch... Sensationswahrscheinlichkeit: 40 Prozent

Bremer SV – Eintracht Frankfurt (15:30 Uhr)

Jetzt wird es kurios: Mit dem Bremer SV trifft ein Team aus der 5. Liga (Bremenliga) auf einen Bundesligisten, die Eintracht aus Frankfurt. Auf ihrer Homepage werben die Bremer mit Sprüchen  wie „Die Underdogs in der Hansestadt“, „Am Panzenberg gibt es Fußball pur“ und „Echter Fußball ohne Schickimicki“. Außerdem wird vermeldet, dass es an der Tageskasse keine Karten mehr geben werde. Mit 8.000 Zuschauern melden die Bremer daher ausverkauftes Haus. Die SGE aus Frankfurt will und muss, wenn alles mit rechten Dingen zugehen sollte, die nächste Runde erreichen. Sensationswahrscheinlichkeit: 5 Prozent

SSV Reutlingen Fußball – Karlsruher SC (20:30 Uhr)

Hochrisikospiel im Ländle! „Die Kicker von der Kreuzeiche“ aus Reutlingen treffen auf den Karlsruher SC. Die Vorfreude im von Karlsruhe etwa 100 Kilometer entfernten Reutlingen ist kaum zu bändigen: Im Fanshop des Oberligisten werden bereits offizielle T-Shirts mit der Aufschrift „Noch sechs Spiele bis Europa“  verkauft. Heute hat das Warten ein Ende! Nicht nur der Klassenunterschied bietet Brisanz, die Polizei hat die Partie als Hochrisikospiel eingestuft. Laut Reutlinger Generalanzeiger seien 1200 Beamte aufgrund der angespannten Fanverhältnisse im Einsatz. Sensationswahrscheinlichkeit: 5 Prozent

Holstein Kiel – VfB Stuttgart (20:30 Uhr)

Das zweite Spiel am späten Abend tragen Holstein Kiel und der VfB Stuttgart im Nord-Süd-Duell aus. Es nicht nur auf der Karte (750 Kilometer), sondern auch im Bezug auf die Ligaverhältnisse ein weiter Weg. Nach dem verpassten Aufstieg in der Relegation sind die Kieler auch in dieser Saison in der 3. Liga an den Start gegangen. Trainer Karsten Neitzel konnte anschließend nicht mehr an den Fußballgott glauben. Vielleicht ist der Pokal eine passende Gelegenheit, um diesen Glauben wieder zu leben. Beim VfB wird der neue Trainer Alexander Zorniger an der Seitenlinie stehen, der sein Pflichtspieldebüt für die Schwaben mit dem Einzug in die zweite Runde abschließen will. Sensationswahrscheinlichkeit: 10 Prozent