Weinzierl ein begehrter Trainer Bundesligist FC Augsburg strebt eine Verjüngung an

Prall gefüllt: das Augsburger Stadion. Foto: imago/EibnerPrall gefüllt: das Augsburger Stadion. Foto: imago/Eibner

Augsburg. Mittlerweile geht der FC Augsburg bereits in seine fünfte Bundesliga-Saison. Die vergangene Spielzeit war die erfolgreichste der Vereinsgeschichte. Erstmals kickt der Club in einem internationalen Wettbewerb – der Europa League.

Vor Beginn jeder Spielzeit zählt der FCA immer zu den Abstiegskandidaten. Auch in diesem Jahr?

Die Experten sollten sich hüten, zumal es den FCA nicht juckt, was die denken. Die Wahrheit liegt schließlich auf dem Platz. Es spricht auch in dieser Spielzeit überhaupt nichts für einen Abstieg. Der Stamm blieb zusammen und das Geschwätz mit der zusätzlichen Belastung Euro League ist ohnehin Käse. Vielleicht wird die Saison nicht mehr ganz so stark wie 2014/15, aber für Platz acht, neun oder zehn sollte es reichen.

Weinzierl bleibt beim FCA

In der Sommerpause baggerte Schalke an Trainer Markus Weinzierl. Wie lange kann der FCA den Trainer noch halten?

Dass Weinzierl seinen Vertrag bis ins Jahr 2019 tatsächlich erfüllt, wird wohl ein Wunschtraum der Fans bleiben. Der Niederbayer zählt mittlerweile zu den begehrtesten Trainern in der Bundesliga, und er selbst hat ja schon beim Angebot aus Schalke tief in sich gehen müssen. Beim nächsten Angebot von einem der großen Clubs ist Weinzierl vermutlich weg.

Nachdem sich der FCA für die Euro League qualifiziert hatte, streiften sich die Spieler alle ein T-Shirt über: In Europa kennt uns keine Sau. Ist das tatsächlich so?

Jein. Es ist natürlich nicht sehr wahrscheinlich, dass sich Clubs wie der FC Liverpool, Tottenham Hotspurs, der SSC Neapel oder der RSC Anderlecht heimlich mit dem FCA beschäftigen. Aber die Vereine außerhalb von Deutschland sind wiederum auch nicht blöd. FCA-Abwehrspieler Abdul Rahman Baba stand bei Chelsea London, AS Rom und angeblich bei Real Madrid im Fokus. Außerdem: Die italienische Sporttageszeitung La Gazzetta dello Sport verglich den Augsburger Stürmer Raul Bobadilla nach seinem Hackentor gegen Bayern München schon einmal mit Superstar Lionel Messi. Und die englische Tageszeitung The Guardian schrieb eine Saisonbilanz mit dem Titel: „Augsburgs Qualification for the Europa League – A Very German Fairytale“ (ein sehr deutsches Märchen). Vor der Partie in der vergangenen Saison gegen die Bayern besuchte der italienische Trainer Claudio Ranieri dem FCA beim Training.

Augsburg holt Trochowski

Die FAZ schrieb einmal, dass in der Arena des Clubs eine Stimmung herrscht wie an der Anfield Road in Liverpool. Warum ist das so?

Eigentlich ist der „Augschburger“ unnahbar und eher etwas mürrisch. Doch nachdem der Club 2006 in die 2. Liga aufgestiegen ist, ging ein Ruck durch die Stadt. Die Menschen waren über Jahre ausgehungert nach richtigem Fußball. Außerdem gibt es zwar rund um Augsburg in der „fünften Jahreszeit“ einen Fasching oder wie die Preußen sagen einen Karneval, nur der Augsburger selbst will das Trara nicht und wehrt sich mit aller Macht dagegen. Fasching und lustig? Geht gar nicht. Der FCA ist deshalb das Ersatzventil. Kann man jedenfalls so interpretieren.

Beim FC Augsburg stehen zehn Spieler in den Reihen, die 30 Jahre oder älter sind. Ist das ein Nachteil?

Wie sagte einst Otto Rehhagel: Es gibt keine jungen und alten Spieler, sondern nur gute und schlechte. Dennoch ist das Durchschnittsalter schon ein Problem. Natürlich kann ein Keeper wie Alexander Manninger, der fit ist, mit seinen 38 Jahren immer noch in den Kasten, aber bei Feldspielern sieht das anders aus. Man beschäftigt sich beim FCA schon mit der Altersfrage. Aber Manager Stefan Reuter sieht das recht entspannt: „Natürlich müssen wir die Mannschaft nach und nach verjüngen, aber wenn ich an meine Zeit zurückdenke, da ging es auch erst richtig mit 30 los.“


Wer kommt, wer geht? Die Transfers des FC Augsburg

Zugänge: Dominik Kohr (Bayer Leverkusen/war bisher nur ausgeliehen), Bastian Kurz (eigene Jugend) Ronny Philp (war zuletzt ausgeliehen an die SpVgg Greuther Fürth).

Abgänge: Nikola Djurdjic (Malmö FF/ausgeliehen), Mathias Fetsch (Dynamo Dresden/war bereits ausgeliehen), Pierre-Emil Höjbjerg (FC Bayern/war ausgeliehen) Ioannis Gelios, Dominik Reinhardt (beide Ziel unbekannt).