Trainer Breitenreiter als Mutmacher Beim FC Schalke 04 kann es nur bergauf gehen

Mit Dach: die Veltins-Arena. Foto: imago/Schwörer PressefotoMit Dach: die Veltins-Arena. Foto: imago/Schwörer Pressefoto

Gelsenkirchen. Eingefleischte Schalke-Fans werden sich gewiss an die Zeiten erinnern, in denen sie gerne ins Stadion gepilgert sind. Die vergangene Saison gehört garantiert nicht dazu. Dazu war das, was die Akteure auf dem Rasen fabrizierten, nur in ausgesuchten Fällen ansehnlich. Der Trainerwechsel von Jens Keller zu Roberto Di Matteo brachte keine Verbesserung, sportlich blieb vieles Stückwerk. Dabei waren die Schalker mit dem klaren Vorhaben in die Saison gestartet, sich erneut für die Champions League zu qualifizieren. Am Ende waren sie froh, dass es noch zur Teilnahme an der Europa League gelangt hat.

Gab es einen entscheidenden Moment in der vergangenen Saison?

Das war das Spiel gegen den SC Paderborn. Die Schalker hatten durch ein Eigentor von Uwe Hünemeier (88. Minute) einen unverdienten 1:0-Sieg gelandet, aber der Verlierer wurde gefeiert. Stehend brachten die Schalker Fans den Gästen ihre Ovationen dar und straften ihre Lieblinge demonstrativ mit Ignoranz. Paderborns Trainer André Breitenreiter war danach tief beeindruckt, als er feststellte: „Das habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt.“ Und die Schalker mussten sich eingestehen, dass sie es mit ihren Fans so richtig verdorben hatten.

Fanproteste in der letzten Saison

Wird jetzt alles besser?

Vielleicht nicht alles, aber vieles. Mit Breitenreiter hat man einen Trainer verpflichtet, der eher die sportlich attraktive Linie fahren will. Das hat er mit Paderborn so gehalten, das wird er auf Schalke auch versuchen. Das gesamte Team in ein Defensiv-Korsett zu zwängen ist Breitenreiters Sache nicht. Er möchte gerade den jungen Talenten (Draxler, Meyer, Goretzka, Sané) die Möglichkeit geben, ihre technischen Fähigkeiten auszuspielen. Um der Mannschaft zu helfen und das Spiel attraktiv zu machen. Zudem sollte auch der Letzte im Kader verstanden haben, dass man gegenüber den Fans eine Bringschuld hat.

Das Testspiel beim VfL Osnabrück

Landet Schalke erneut vor Dortmund?

Auch wenn die Fans das anders sehen – das ist eher zweitrangig. In erster Linie muss es darauf ankommen, dass sich die Schalker wieder in der Champions League zurückmelden. Diesen Anspruch haben sie jedes Jahr und sollten ihm in dieser Saison auch wieder gerecht werden. Zur Versöhnung mit den Fans und zur Linderung der finanziellen Verbindlichkeiten.

Wer übernimmt in dieser Spielzeit die herausragende Rolle?

In der Abwehr: Benedikt Höwedes – wie immer. Im Angriff: Klaas-Jan Huntelaar – wie so oft. Und im Team: Julian Draxler – wie schon lange gefordert. Auf den jungen Weltmeister baut Breitenreiter besonders. Daher hat er auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, den möglichen Verkauf Draxlers zu Juventus Turin zu verhindern.

Franco di Santo wechselt zu Schalke

Liegt Horst Heldt mit seiner Transferpolitik dieses Mal richtig?

Der Sportvorstand ist ein gebranntes Kind und weiß ganz genau, dass dieses Mal alles passen muss. Bei Breitenreiter wird das klappen, bei den Neuzugängen Franco Di Santo und Johannes Geis auch. Mit Jefferson Farfán verliert der Verein seinen besten Vorbereiter, mit Felipe Santana und Kevin Prince Boateng sitzt er noch auf zwei Ladenhütern. Dass Schalke der eigenen Jugend vertraut, macht den Club sympathisch. Wichtig wird es sein, dass sich der einstige „wilde Haufen“ als „echtes Team“ präsentiert.


Wer kommt, wer geht Die Transfers von Schalke 04

Zugänge: Franco Di Santo (Werder Bremen, 6 Millionen Euro), Sascha Riether (SC Freiburg), Johannes Geis (FSV Mainz 05, 10,5 Mio.), Junior Caicara (Ludogorez Rasgrad, 4,5 Mio.), Matija Nastasic (Manchester City, 9,5 Mio., war bereits ausgeliehen), Felipe Santana (Olympiakos Piräus, war ausgeliehen).

Abgänge: Christian Fuchs (Leicester City, ablösefrei), Jefferson Farfán (Al Jazira Abu Dhabi, 7,5 Mio. Euro), Jan Kirchhoff (Bayern München, war ausgeliehen), Kyriakos Papadopoulos (Bayer Leverkusen, 6,5 Mio., war bereits ausgeliehen), Donis Avdijaj (Sturm Graz, weiterhin kostenfrei ausgeliehen), Marcel Sobottka (Fortuna Düsseldorf, 200 000 Euro), Timon Wellenreuther (RCD Mallorca, kostenfrei ausgeliehen), Christian Wetklo (FC Schalke U23), Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi (Ziele unbekannt).