1860-Ultras beraubten FCB-Fan Nur Bewährungsstrafen nach Einkauf im Bayern-Fanshop

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Bewährungsstrafe statt Haft: In der Berufungsverhandlung erreichten diese 1860-Anhänger eine Strafmilderung. Foto: dpaBewährungsstrafe statt Haft: In der Berufungsverhandlung erreichten diese 1860-Anhänger eine Strafmilderung. Foto: dpa

Osnabrück. Zwei Ultras aus der Fanszene des TSV München 1860 müssen für einen räuberischen Übergriff auf einen Fan von Bayern München nicht mit einer Gefängisstrafe büßen – weil sie in der Berufungsverhandlung unter anderem nachwiesen, dass sie ihrem Opfer im Fanshop des FC Bayern ein Trikot, eine Jacke und einen Strohhut gekauft haben.

Diese Gegenstände hatten Benedikt S. (26) und Robert O. (23) zusammen mit einem noch unbekannten Mittäter am 12. August 2014 nach dem Regionalliga-Derby zwischen den U23-Mannschaften der beiden Lokalrivalen dem Opfer gestohlen bzw. zerstört. Sie hatten ihm die Kleider vom Körper gerissen und nahezu unbekleidet zurückgelassen.

Haftstrafe ohne Bewährung in erster Instanz

Vor dem Amtsgericht München war jeder der beiden Täter, die kurz nach dem Überfall festgenommen worden waren, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Die Pressemitteilung zum Urteil des Amtsgerichts.

Ausschlaggebend für die hohe Strafe war laut der Richterin, dass die beiden ihren Mittäter nicht preisgaben, die Tat nicht gestanden, keinerlei Reue zeigten und sich auch bei dem Opfer, einem 20 Jahre alten Fliesenleger aus Franken, nicht entschuldigten.

Die meisten 1860-Fans können auch anders.

Die Richterin zeigte den Tätern nach dem Urteil den Weg zu der Chance auf, durch die Teilnahme an dem Täter-Opfer-Ausgleich in einer Berufungsverhandlung das Strafmaß zu verringern. Dazu wurde den beiden auferlegt, im Fanshop des FC Bayern je ein Exemplar der entwendeten Fanartikel für das Opfer zu kaufen, sich bei dem Überfallenen zu entschuldigen und ein Schmerzensgeld zu zahlen. Das Opfer erklärte sich mit diesem Vorgehen einverstanden.

Entschädigung im Täter-Opfer-Ausgleich

In der Berufungsverhandlung an diesem Mittwoch wiesen die Täter in einem Protokoll, das auch das Oper unterschrieb, diese Auflagen nach. Das Landgericht wandelte die in erster Instanz verhängten Strafe in Bewährungsstrafen um und reduzierte sie auf ein Jahr (Benedikt S.), bzw. zehn Monate (Robert O.). Bewährungsauflage sind 3 Jahre Stadionverbot.

Eine juristisch fundierte Zusammenfassung gibt es auf dieser interessanten Seite.

Die Richterin der ersten Instanz, die in der Bild-Zeitung (Dienstag-Ausgabe) ausführlich zitiert und mit einem Foto abgebildet worden war, stand für eine Stellungnahme nicht mehr zur Verfügung. Sie gebe keine Interviews mehr, hieß aus der Pressestelle der Münchener Justizbehörden, nach dem Artikel der Bild bestehe Klärungsbedarf.


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