Die Fußball-Kolumne Fußball-Legenden und ihre Art von Denkmalpflege

Von Udo Muras

Ein Denkmal zu Lebzeiten: Cristiano Ronaldo und Fans auf seiner Heimatinsel Madeira. Foto: ImagoEin Denkmal zu Lebzeiten: Cristiano Ronaldo und Fans auf seiner Heimatinsel Madeira. Foto: Imago

Frankfurt. Das Ende des Jahres ist ein Zeitpunkt für Ehrungen in der Sportwelt. Diese Kolumne wirft einen Blick auf Fußballer und ihre Denkmäler.

Das Jahr geht zur Neige, das große Fest der Liebe steht an, und wieder werfen wir alle mit Ehrungen und Geschenken um uns. Wie immer wird nicht jedem alles gefallen, manches ist aber auch zu gemein und lässt sich nicht mal umtauschen.

Franck Ribéry etwa wurde gerade in seiner Heimat zum „nervigsten Franzosen des Jahres“ gewählt. Merci. Jogi Löw ist für den „Kicker“ der Mann des Jahres, seine Weltmeister sind die Mannschaft des Jahres. Sportler und Sportlerin des Jahres kommen nicht aus dem Fußball, was auch mal ganz gut ist. Die Fußballer haben ja schließlich noch ihre eigene Wahl, den besten der Welt kürt eine FIFA-Jury am 12. Januar; Manuel Neuer hält die deutsche Fahne hoch. Hoffentlich wird das Prozedere nicht wieder ein Fall für die Ethik-Kommission.

Wie dem auch sei, Mitbewerber Cristiano Ronaldo würde sich gewiss selbst wählen. In aller Bescheidenheit. Denn wer kann schon von sich sagen, zu Lebzeiten eine eigene Statue zu besitzen? Womit wir wieder bei den Geschenken wären. Auf der Insel, auf der er groß wurde, Madeira, wurde dem Portugiesen jetzt ein Denkmal errichtet. Größer, als er es ist, und schöner, wie er selbst sagt – und das aus dem Munde eines Mannes, der in einem früheren Leben ein Pfau gewesen sein muss.

Cristiano Ronaldo wird zeitlebens einen Fan haben, selbst wenn er die Schuhe längst an den Nagel gehängt hat. Sich. Das bezeugt auch sein eigenes Museum, was ja höchste Zeit wurde – im Februar wird er 30. Goethe und Schiller stehen übrigens erst seit 1857 auf dem Weimarer Theaterplatz, 25 Jahre nach dem Tod des Dichterfürsten. Aber das nur am Rande.

Der allgemeine Spott über die Statuen-Aktion an sich wird weltweit potenziert durch die imposante Ausbuchtung in der Turnhose der Bronzestatue; die Beschreibungen reichen von Salatgurke bis zu einem Paar zusammengeknäulter Socken. Falls der Künstler die Erregung rüberbringen wollte, die Ronaldo dabei empfindet, wenn die Fans seinen Namen rufen, sobald er zu einem Freistoß anlaufen darf, dann ist es gelungen.

Es wäre ja auch nicht die erste überdimensionierte Darstellung eines Fußballer-Körperteils. Uwe Seeler war ein Großer, aber auf so großem Fuß lebte er nun auch wieder nicht, wie die Skulptur vor dem Stadion des HSV vermuten lässt. Eine Statue verbietet sich in seinem Fall, denn der Uwe lebt ja noch – Gott sei Dank – und das hoffentlich noch lange genug, um mal wieder einen HSV-Sieg mit mehr als einem Tor zu sehen. Denkmäler sind hierzulande ansonsten Verschiedenen vorbehalten. Fritz Walter grüßt vor den Toren des mythischen Betzenberg-Stadions, das 1995 offiziell nach ihm unbenannt wurde, seine Lauterer Weltmeister-Kollegen von Bern auch. Von dem Quintett ist nur Horst Eckel noch unter uns, aber natürlich wäre es ein Frevel gewesen, seine Büste wegzulassen. Helmut „Boss“ Rahn steht seit 2004, ein Jahr nach seinem Tode, in Lebensgröße vor seinem Essener Stadion. Mit Ball am Fuß.

Niemand kann wirklich etwas gegen das zwölf Meter hohe Pelé-Standbild am Rande seines Geburtsorts, in dem es noch etliche andere gibt, haben. Wer einen dreimaligen Weltmeister hervorgebracht hat, muss damit nicht zwingend hinter dem Berg halten. Und mit 74 ist er alt genug, um brasilianische Kinder mit seinen Großtaten beglücken zu können. Zu den unverständlichsten Fußballer-Denkmälern zählt das, das vor dem Stadion von Baku im tiefsten Aserbaidschan steht. Sie haben wohl keinen größeren Fußballer herausgebracht, da musste es eben Tefik Bachramow sein, nach dem sie ihr Stadion benannten. Und die Statue gab es 2004 gleich dazu. Bachramow? Der Name gehört zur Allgemeinbildung deutscher Schulkinder. Wembley 1966, WM-Finale gegen England, das dritte Tor. Drin oder nicht? Keiner wusste es genauer als der Linienrichter, damals Vertreter der Sowjetunion. Mitten im Kalten Krieg konnte er wohl nicht anders, als gegen Deutschland zu entscheiden. „Gol, gol, is gol“, ließ er den Schweizer Schiedsrichter wissen und der zeigte brav zur Mitte. Bezeichnend, dass der Mann, dem er das Tor schenkte, das Denkmal 2004 enthüllte: Geoffrey Hurst.


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