Keine Effektivität 1:2 in Bremen: BVB auf der Suche nach der Spielidee

Platt. Ratlos. Ideenlos. Kraftlos. Kevin Großkreutz, eines der Gesichter des BVB. Foto: imago.Platt. Ratlos. Ideenlos. Kraftlos. Kevin Großkreutz, eines der Gesichter des BVB. Foto: imago.

Bremen. Wer wie der Hamburger SV nur neun Tore in der Hinserie der Fußball-Bundesliga-Saison 2014/ 2015 schießt, weiß, warum er mitten im Abstiegskampf steckt. Wer wie Werder Bremen die meisten Tore kassiert (39), weiß das auch. Die meisten aber, die mit Borussia Dortmund fiebern, glauben an eine Art Verschwörung, ein böses Schicksal. Dabei gibt es einige Gründe, warum der BVB auf einem Abstiegsplatz überwintert.

Und zwar nicht nur Zahlen. Wie etwa die, dass der Meister von 2011 und 2012 bei der 1:2-Niederlage in Bremen aus fast 70 Prozent Ballbesitz nur ein Kopfballtor von Mats Hummels nach einer Ecke gemacht hat – gegen jene mit großem Abstand zu allen anderen Teams schwächste Defensive der Liga. Früher haben die Gegner von selbst angefangen, zu zittern, wenn der BVB den Ball hatte. Nun reden alle von ratlosen, kraftlosen und ideenlosen Dortmundern.

Man kann es wie Jürgen Klopp machen und die hohe Belastung sowie das riesige Verletzungspech des BVB im Herbst 2014 als Hauptgründe für die Misere anführen, die es natürlich erschweren, das extreme Gegenpressing der Meisterjahre durchzuziehen. „Wir leben extrem von Automatismen, die wir uns im Training erarbeiten. Wir haben aber seit August kaum trainiert“, sagte der BVB-Trainer. Daher sei die beste Nachricht der Vorrunde, dass sie nun vorüber sei. „Ich kann versprechen, dass wir ein erbitterter Jäger sein werden“, formulierte Klopp bewusst eine Kampfansage , als er sich mit der Hand durchs Gesicht wischte und seine Käppi zurechtrückte.

Stichwort Körpersprache: Wer den BVB in Bremen beobachtete, sah, dass die von Klopp genannten Gründe nur ein Teil der Wahrheit sind. Unabhängig von letzten Fitness-Prozenten haben die Dortmunder stets durch Entschlossenheit, mit der sie freie Räume oder den Gegner angelaufen sind, beeindruckt. In Bremen fiel auf, dass viele Spieler oft freie Räume und Laufwege für andere anzeigten, ohne selbst aktiv zu werden.

Es mag populistisch sein, einer Mannschaft negativ anzukreiden, aus einem Kellerduell ohne Gelbe Karte herausgegangen zu sein. Umgekehrt kann es aber auch nicht sein, dass Werder in der 3. Minute aus einem sicher guten, aber auch schlichten Spielzug ein Tor schießen kann, ohne auf dem Weg dazu einen einzigen Zweikampf gewinnen zu müssen. Nicht die einzige Szene, die zeigte: Neben der Fitness im Körper fehlte dem BVB im Herbst 2014 auch Fitness im Kopf.

Das sollte man korrigieren können, wenn man in den freien Tagen ab und an mal auf die Tabelle schaut. Die spannendere Frage aber wird sein, ob der BVB bei Ballbesitz eine neue Spielidee entwickeln kann, die für Gefahr vor dem Tor des Gegners sorgt. Früher war der hohe Ball auf Robert Lewandowski, der sich behauptete oder zumindest dafür sorgte, dass es einen zweiten Ball gibt, ein auch in Bedrängnis stets probates Stilmittel. In Bremen reichten die Luftkampf-Qualitäten eines Assani Lukimya, um den körperlich unterlegenen Ciro Immobile komplett aus dem Spiel zu nehmen. So sah das BVB-Spiel meist aus wie das der Deutschen Nationalelf zu schlechten Zeiten um die Jahrtausendwende: Ballsicherheit beim Spiel in die Breite, aber keine Effektivität im Spiel in die Spitze.

Werder hat inzwischen eine Spielidee. In der Viererkette bringen große Spieler zwar nicht immer Ästhetik und Sicherheit, aber stets Kampfkraft und Robustheit ein. Und offensiv heißt es Feuer frei für flinke, trickreiche Konterspieler: Wie Torschütze Fin Bartels oder die Youngster Melvyn Lorentzen und Davie Selke, der per starkem Schlenzer das 1:0 erzielte und den zweiten Treffer im Vollsprint auflegte. Die Ausleihe von Levin Öztunali aus Leverkusen bis 2016 passt ins Bild. „Unser Weg ist richtig. Wir müssen nur akribisch weiterarbeiten“, so Trainer Viktor Skripnik.


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