Glosse „Gold, Silber, Blech“ Wenn Onkel Tony sich einfach nicht meldet

Von Florian Eisele

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Es hätte so schön sein können: Anthony Yeboah (links) und John Yeboah. Foto: dpa/Oliver BergEs hätte so schön sein können: Anthony Yeboah (links) und John Yeboah. Foto: dpa/Oliver Berg

Osnabrück Keine Scherze mit Namen heißt es – eigentlich. Es gibt aber auch Fälle, da ist die Geschichte drumherum einfach zu schön, um nicht aufgeschrieben zu werden. So bei einem jungen Fußballer, der einer jahrelangen Täuschung aufgesessen ist. Nichts ist eben wie es scheint.

Die vergangenen Tage dürften nicht leicht gewesen sein für John Yeboah. Der 18-Jährige ist Stürmer beim Bundesligisten VfL Wolfsburg, steht nach allgemeiner Einschätzung vor einer hoffnungsvollen Zukunft, hat es auch schon in den Bundesligakader der Wölfe geschafft – und musste doch eine bittere Nachricht verdauen.

Sie nannten ihn „Yeah! Boah!“

Die ersten 18 Jahre seines Lebens ist der Kicker davon ausgegangen, dass er einen berühmten Verwandten hat: Anthony Yeboah. In den 90er-Jahren schoss der Ghanaer für Eintracht Frankfurt Tore am Fließband und wurde zweimal in Folge Torschützenkönig in der Bundesliga. In Leeds, wo er danach ebenso fleißig einnetzte, dichteten die Zeitungen seinen Namen in „Yeah! Boah!“ um – zarte Poesie, die das Lyrikerherz höherschlagen lässt. Von diesen Heldentaten hat John Yeboah, Jahrgang 2000, nichts mehr mitbekommen. Dennoch verband die beiden eine im Nachhinein recht einseitige Beziehung: Yeboah junior dachte bis vor wenigen Tagen, dass die ghanaische Tormaschine sein Onkel ist. Seit Kurzem weiß er es besser.

Kein Anruf zum Geburtstag

Laut dem Wolfsburger Stürmer war der vermeintliche Onkel öfter bei seinem mittlerweile verstorbenen Vater zu Besuch. Seine Mutter habe ihm nun gesagt, dass das mit der Verwandtschaft so nicht stimmt. Yeboah senior hatte zuvor schon lapidar erklärt: „Der Name Yeboah ist in Ghana wie Müller in Deutschland.“ John hat nun eine Erklärung dafür, warum der vermeintliche Onkel Tony einfach nie auf Familienfeiern erschienen ist, niemals zum Geburtstag angerufen hat und sich auch sonst ziemlich unauffällig verhalten hat. Vielleicht war es am Ende auch eine Erleichterung für Yeboah junior. Wer weiß, wie viele andere Kicker sein Schicksal teilen und ebenfalls irrtümlich davon ausgehen, einen berühmten Verwandten zu haben.

Tante Merkel und Stiefschwester Slomka

Vielleicht ist es besser, sie im Glauben zu lassen. Mirko Slomka, Ex-Coach des HSV, ist zum Beispiel stolz wie Bolle, dass seine Stiefschwester Marietta im ZDF die Nachrichten präsentieren darf. Alexander Merkel, Mittelfeldspieler beim niederländischen Klub Almelo, freut sich schon darauf, wenn Tante Angela bald endlich mehr Zeit für ihn hat.

Und Lothar Matthäus ist Gerüchten zufolge bis heute davon überzeugt, dass sein Uropa an diesem Bestseller namens Die Bibel mitgeschrieben hat.


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