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29.10.2018, 19:14 Uhr KOMMENTAR ZU DEN DORTMUNDER AUSSCHREITUNG

Vom Umgang mit Fußball-Chaoten: Kollektivstrafe ist ein Rückschritt

Kommentar von Harald Pistorius

Konfrontation im Block: Die Polizei drang in die Kurve vor und wurde von Berliner Fußball-Chaoten brutal angegriffen. Foto: FotostandKonfrontation im Block: Die Polizei drang in die Kurve vor und wurde von Berliner Fußball-Chaoten brutal angegriffen. Foto: Fotostand

Osnabrück. Nach den brutalen Angriffen von Berliner Fußball-Chaoten wird über die Rückkehr zur Kollektivstrafe zur Diskussion. Warum das ein Fehler wäre und was das mit der Verhandlung im Fall des Hassplakats gegen Dietmar Hopp zu tun hat, beschreibt unser Kommentator Harald Pistorius.

Ausbruch von Hass und Gewalt

Es war ein Ausbruch von Hass und Gewalt, der schockiert und bestraft werden muss. Und doch muss die Frage gestattet sein, warum die Dortmunder Polizei nach der Pyro-Aktion in den Hertha-Block vordrang, um ein Banner zu beschlagnahmen, das für jeden einzelnen Ultra in der Kurve der Kern seiner Fan-Identität ist.

Abkehr vom Prinzip der Deeskalation

Das weiß auch die Polizei, und deshalb reichen die allgemeinen Erklärungen nicht aus als Begründung für einen Einsatz, der dem Prinzip der Deeskalation zuwiderläuft. In diesem Grundsatz sehen viele Experten die Basis für einen konstruktiven Umgang mit der vielfältigen Fanszene.

Solidarisierung mit gewaltbereiten Chaoten

Eine Rechtfertigung für die brutalen Angriffe auf die Polizisten kann das nicht mal im Ansatz sein. Aber klar muss jedem Verfechter von Härte und Durchgreifen sein, dass mit solchen als ungerecht empfundenen Polizeieinsätzen Solidarisierungseffekte erzeugt werden: Fans, für die Pyro zum Fußball gehört, Gewalt aber nicht, springen leichter auf die falsche Seite.

Kollektivstrafe Schritt in die falsche Richtung

So steht der Fall Dortmund Pars pro Toto für die plötzlich wieder ins Spiel gebrachte Rückkehr zur Kollektivstrafe. Damit zu drohen ist genau der Schritt in die falsche Richtung. Die kritische Minderheit der engagierten Fans fühlt sich ohnehin in vielen Entwicklungen des modernen Kommerzfußballs abgehängt und missachtet. Wenn jetzt wieder alle büßen sollen für das Fehlverhalten einiger Chaoten, dann ist die Eskalation kaum zu verhindern.

Fall Hopp mit Brisanz und Bedeutung

Deshalb hat auch die Verhandlung im Fall Hopp Brisanz und Bedeutung für die gesamte Debatte. Borussia Dortmund und ihre Fans für ein unakzeptables Hassplakat zu bestrafen, wäre eine neue Dimension mit unabsehbaren Folgen.


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