Fußball-Talks unter der Lupe: Sport1-Doppelpass Ex-Manager Bruchhagen: Joachim Löw hätte die Spieler mehr kritisieren müssen

Von Micha Lemme

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Thema im Doppelpass auf Sport1: Die Pressekonferenz mit den Erklärungen von Bundestrainer Joachim Löw zum Scheitern der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft  in Russland. Foto: dpaThema im Doppelpass auf Sport1: Die Pressekonferenz mit den Erklärungen von Bundestrainer Joachim Löw zum Scheitern der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland. Foto: dpa

München Zu sehr auf den Trainer bezogen, zu wenig die Mannschaft in die Pflicht genommen – so die Kritik von Heribert Bruchhagen, zuletzt Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV, an der WM-Analyse von Bundestrainer Joachim Löw. Im Doppelpass auf Sport1 äußerte sich Bruchhagen kritisch zur DFB-Pressekonferenz und sagte über den Bundestrainer: „Mir hat Löw zu viel auf sich selbst projiziert.“

Löw nehme als Trainer so viel auf sich, sagte Bruchhagen. „Ich hätte mir gewünscht, dass er sagt: Die Spieler haben ihr Leistungspotenzial nicht angeboten. Man darf auch mal Ross und Reiter nennen“, unterstrich der ehemalige Fußball-Funktionär. Demgegenüber meinte Sport1-Experte Marcel Reif: „Es gibt genug Platz und genug Anlass zur Selbstkritik. Ich fand die Pressekonferenz sehr deutlich, sehr klar.“ Löw habe in Russland aus dem vorhandenen Potenzial einfach nicht das Optimum rausgeholt, kritisierte Reif.

Bruchhagen und Meyer verteidigen den Weg der Bundesligisten

Beim Thema Transfersummen und der Diskussion über den zukünftigen Weg der Bundesligisten entstanden in der Runde zwei Lager. Trainer-Ikone Hans Meyer und Bruchhagen verteidigten den Weg und die Leistungen der Bundesligisten. „Ich bin sehr damit einverstanden, wie die Bundesliga agiert“, meinte Bruchhagen und lobte das seriöse Wirtschaften der deutschen Vereine. Meyer kritisierte das grundsätzliche Schlechtreden des deutschen Fußballs: „Seit der Enttäuschung in Russland sind wir dabei, unseren Fußball unattraktiver darzustellen, als er ist.“

Journalist Horeni: Im Mittelbau der Liga zu einheitlich

Auf der Gegenseite kritisierten FAZ-Journalist Michael Horeni und Reif das Abschneiden der deutschen Mannschaften im Europapokal scharf. Reif sprach von „erbärmlichen“ Leistungen in der Europa League. „Da kann irgendwas nicht passen“, meinte Horeni und betonte: „Aus den Möglichkeiten, die die Bundesligisten objektiv haben, müssen sie mehr machen. Im Mittelbau der Liga ist das zu einheitlich. Da müsste schon ein bisschen mehr Individualität erkennbar sein.“

Das langweiligste Thema: Man war sich einig, dass die Bayern auch dieses Jahr wohl nur schwer aufzuhalten sind. Die Arbeit von Niko Kovac wurde gelobt – jedoch immer mit der Einschränkung und dem Verweis, dass die wirklich entscheidenden Spiele erst später in der Champions League warten würden. In der halbstündigen Diskussion über den FCB wurde praktisch kein einziger neuer Aspekt, keine einzige kontroverse These genannt.

Die lustigsten Zitate kamen (wie erwartet) von Hans Meyer: „Ich habe als Trainer nie einem Spieler die Hand gegeben – und zwar aus hygienischen Gründen“, sagte Meyer über den ausgebliebenen Handschlag des Stuttgarters Anastasios Donis mit Trainer Taifun Korkut. Zu den Transferverhandlungen um Verteidiger Abdou Diallo meinte das Präsidiumsmitglied von Borussia Mönchengladbach: „Wenn Dortmund mitbietet, haben wir keine Chance. Auch wenn Mönchengladbach viel schöner ist als Dortmund.“

Der wöchentliche Videobeweis: Die VAR-Eingriffe bei Hoffenheim gegen Freiburg und Frankfurt gegen Bremen wurden beide als korrekt eingestuft. Es folgte nur eine kurze Diskussion, die erstaunlicherweise nicht in eine Grundsatzdebatte ausuferte – sehr angenehm. Einzig Hans Meyer brachte seine Abneigung gegenüber dem Videoassistenten deutlich zum Ausdruck.


Doppelpass

Jeden Sonntag ab 11 Uhr auf Sport1. Moderation: Thomas Helmer. Zu sehen auch im Internet via Stream und bei Facebook und im Nachgang in Auszügen in der Mediathek auf sport1.de.

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