Bundesliga-Serie, Teil 16: TSG Hoffenheim Wird aus dem Erfolgstyp Nagelsmann eine lahme Ente?

Von Florian Huber

Meine Nachrichten

Um das Thema Fussball Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Vor der letzten Saison bei der TSG 1899: Julian Nagelsmann, 31 Jahre, seit Februar 2016 Cheftrainer in Hoffenheim, 94 Bundesliga-Spiele als Coach. Foto: WittersVor der letzten Saison bei der TSG 1899: Julian Nagelsmann, 31 Jahre, seit Februar 2016 Cheftrainer in Hoffenheim, 94 Bundesliga-Spiele als Coach. Foto: Witters

Sinsheim Julian Nagelsmann nennt sich selbst Kind der Berge. Mit der TSG Hoffenheim ging es für den jüngsten Trainer der Liga nur bergauf. In seiner letzten 1899-Saison soll es für den Mountainbiker nicht nur downhill gehen.

Kann Hoffenheim dieses Jahr die Bayern ärgern? Es gibt ja keine Bayern-Jäger mehr. Schon bevor die Saison losgeht, gratuliert die Konkurrenz den bajuwarischen Dauersiegern Jahr für Jahr. So viel Demut hat Nagelsmann nicht, wenn er sagt, dass er mit Hoffenheim „das Maximale, den Meistertitel“ erreichen will. Gewaltig ärgern kann Nagelsmann die Bayern schon im Auftaktspiel am nächsten Freitag in der Allianz-Arena.

Nagelsmann hat seinen Leipzig-Wechsel früh publik gemacht. Heißt das nun mehr Ruhe oder mehr Risiko? Rumdrucksen und Heimlichtun in einer Branche voller Indiskretionen, das hätte nicht zu Nagelsmann gepasst. Der 31-Jährige hängt sich noch mehr rein, weil er einen erfolgreichen Abschluss nach neun Jahren erleben möchte. Er hat Jahr für Jahr Spieler auf ein höheres Niveau gehoben: Sebastian Rudy, Niklas Süle oder Sandro Wagner beispielsweise, die nun allesamt in München kicken. Flügelflitzer Nico Schulz und Sechser Florian Grillitsch waren die Gewinner der Rückrunde, jetzt sollen aus Vincenzo Grifo oder Ishak Belfodil Kicker werden, die auch im Camp Nou von Barcelona bestehen. Reiht 1899 Niederlage an Niederlage, dann werden jedoch die Fragen kommen, ob der Trainer als lahme Ente unterwegs ist.

Was ist in der Champions League zu erwarten? In der Gruppenphase der Champions League gibt es keinen Verein aus einem kleineren Ort als Hoffenheim (3300 Einwohner). Keines der bisher qualifizierten Teams hat einen geringeren UEFA-Koeffizienten, eine Hammergruppe droht also.

Wer hat das Zeug zum Überraschungsmann im großen Kader? Im Vorjahr vertraute Nagelsmann im Champions-League-Playoff in Liverpool dem 19-jährigen Neuling Dennis Geiger das Mittelfeld an – Geiger wurde bis zu seiner langwierigen Verletzung zum Stammspieler. Der nächste Geiger könnte Stürmer David Otto (19) sein, der eine starke Vorbereitung hinlegte. Auch der lange ausgeliehene brasilianische Stürmer Joelinton gehört zu den Gewinnern. Zugang Leonardo Bittencourt scheint der Idealtypus für den Offensivfußball der Marke Nagelsmann zu sein.

Welche Gefahren lauern im aktuellen Erfolg? „Wir dürfen nicht in die Champions-League-Falle treten und das ausgeben, was wir in diesem Jahr einnehmen werden“, sagt Sportdirektor Alexander Rosen. Die Falle ist ein anschwellender Gehaltsetat als Folge einer einmaligen Königsklassenteilnahme. Man frage nach beim VfB Stuttgart (2009), Werder Bremen (2011) oder VfL Wolfsburg (2015), die das erlebt haben. Aktuell ist so viel Geld wie nie zuvor da. In den Vorjahren musste ein Transferüberschuss von zehn Millionen Euro generiert werden.

Verlief die Vorbereitung störungsfrei? Nein, denn mit Kemir Demirbay (Außenbandriss) und Nadiem Amiri (Operation nach Ermüdungsbruch im linken Mittelfuß) fällt das Mittelfeldzentrum lange aus.

Zugänge: Kasim Adams (Young Boys Bern, 8 Millionen Euro), Leonardo Bittencourt (1. FC Köln, 6 Millionen Euro), Ishak Belfodil (Standard Lüttich, 5,5 Millionen Euro), Vincenzo Grifo (Borussia Mönchengladbach, 5,5 Millionen Euro), Joshua Brenet (PSV Eindhoven, 3,5 Millionen Euro), Felipe Pires (Austria Wien, war ausgeliehen), Joelinton (Rapid Wien, war ausgeliehen).

Abgänge: Benedikt Gimber (Jahn Regensburg, 1 Million Euro), Marwin Schwäbe (Bröndby, 700000 Euro), Baris Atik (Dynamo Dresden, 600000 Euro), Joshua Mees (Union Berlin, 500000 Euro), Mark Uth (Schalke 04, ablösefrei), Serge Gnabry (FC Bayern, war ausgeliehen).

Bisher erschienen:

Bundesliga-Serie, Teil 1, 1. FC Nürnberg: Der „Club“ nimmt einen neuen Anlauf in der Bundesliga

Bundesliga-Serie, Teil 2, Fortuna Düsseldorf: In die Bundesliga gekommen, um zu bleiben – mal wieder

Bundesliga-Serie, Teil 3, VfL Wolfsburg: Bloß nicht noch eine „Dinner-for-one-Saison“

Bundesliga-Serie, Teil 4, SC Freiburg: Im Süden kündigt sich neuer Offensivdrang an

Bundesliga-Serie, Teil 5, FSV Mainz 05: Mainz setzt auf Spieler aus dem Land des Weltmeisters

Bundesliga-Serie, Teil 6, Hannover 96: Dauer-Zoff mit Kind geht in die nächste Runde

Bundesliga-Serie, Teil 7, FC Augsburg: Rätsel beim FCA: Wer steht im Tor und wer dahinter?

Bundesliga-Serie, Teil 8, Werder Bremen: Eine Extrawurst, ein Oldie und ein aufstrebender Trainer

Bundesliga-Serie, Teil 9, Hertha BSC: Berlin sagt Zuschauerschwund Kampf an und setzt auf eigenen Nachwuchs

Bundesliga-Serie, Teil 10, Borussia Mönchengladbach: Gladbachs Spieler wollen Wiedergutmachung

Bundesliga-Serie, Teil 11, Eintracht Frankfurt: Eintracht bleibt eine Wundertüte

Bundesliga-Serie, Teil 12, VfB Stuttgart: Aufbruch zu neuen Ufern?

Bundesliga-Serie, Teil 13, RB Leipzig: Projektjahr „Übergang“ beim Angriff auf die Liga-Spitze

Bundesliga-Serie, Teil 14, Bayer Leverkusen: Die „Werkself“ setzt zum Sprung in die Champions League an

Die Fieberkurve der TSG Hoffenheim. Grafik: NOZ

Bundesliga-Serie, Teil 15: Der nächste Neustart in der Ära „nach Klopp“ beim BVB


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN