Bundesliga-Serie, Teil 15: Borussia Dortmund Der nächste Neustart in der Ära „nach Klopp“ beim BVB

Von Wilfried Sprenger

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Der nächste Versuch: Lucien Favre, 60 Jahre alt, neu in Dortmund, 24 Länderspiele für die Schweiz, 228 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpaDer nächste Versuch: Lucien Favre, 60 Jahre alt, neu in Dortmund, 24 Länderspiele für die Schweiz, 228 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpa

Dortmund. In Dortmund lief in der vergangenen Saison vieles aus dem Ruder. Spielerstreik, Trainerwechsel, Gruppenbildung, Missstimmung. „Uns ist ein bisschen der totale Zusammenhalt verloren gegangen“, umschrieb Sportdirektor Michael Zorc die Dinge in der Retrospektive eher charmant. Nun reden alle von einem Neustart. Es ist nicht der erste Versuch, nach fabelhaften Erfolgen zu Beginn des Jahrzehnts wieder festen Boden unter die Stollen zu bekommen.

Das Festgeldkonto des BVB ist noch immer prall gefüllt. Für wen würden es die Verantwortlichen ohne Zögern komplett plündern? Für Jürgen Klopp. Bis heute ist es der Borussia nicht gelungen, den populären Trainer mit der überragenden Fähigkeit, Menschen für eine gemeinsame Sache zu gewinnen und sie mitzureißen, adäquat zu ersetzen. Mit Lucien Favre unternimmt Dortmund bereits den vierten Versuch.

Hat Favre das Rüstzeug, Dortmund wieder Halt und neuen Schwung zu geben? Grundsätzlich ja, aber dies wurde ja auch schon Thomas Tuchel als erstem Klopp-Nachfolger zugetraut. Die Liaison scheiterte krachend im zwischenmenschlichen Bereich. Peter Bosz, der Nächste im Fußballpark, brachte die Dinge sportlich nicht in die Reihe, Peter Stöger hatte nur die Aufgabe, den Schaden in Grenzen zu halten. Jetzt Favre, ein Mann mit klaren Ideen. Schlau, kreativ, fordernd, präzise. Aber mitunter auch verschlossen, nachdenklich und definitiv sensibel. Einen Verein vom Kaliber des BVB mit nachhaltigen Champions-League-Ansprüchen, heimlichen Träumen und gewaltiger Fan-Schar hat der Schweizer noch nicht trainiert.

Wer ist der wichtigste Zugang? Ein Ex- und Muster-Profi: Sebastian Kehl, der neue Leiter der Lizenzspielerabteilung, spielte von 2002 bis 2015 für den BVB und trägt dessen Erbinformationen. Den 38-Jährigen im unmittelbaren Umfeld der Mannschaft zu platzieren, war Dortmunds wichtigster Schachzug bei der notwendigen Neuaufstellung. Kehl kennt sich nicht nur im Club bestens aus, sondern weiß auch um die Tricks im Geschäft. Gemeinsam mit dem unbequemen und hellwachen Berater Matthias Sammer, der die Dinge aus der Distanz beobachtet und bekannt für schonungslose Analysen ist, soll der ehemalige Kapitän für frische Impulse sorgen, Fehlentwicklungen stoppen und über Integrität und Einhaltung der Regeln wachen.

Wer sind die Bosse auf dem Feld? Einer ist gewiss Marco Reus. Der Nationalspieler ist Kapitän des Teams und damit Favres Brücke zur Mannschaft. Sie kennen sich aus gemeinsamer Mönchengladbacher Zeit und begegnen sich mit größter Wertschätzung. Neben Reus wird Neuzugang Axel Witsel direkt Verantwortung übernehmen (müssen). Der Belgier hat das passende Alter (29) und als 96facher Nationalspieler hinreichend internationale Erfahrung.

Wer wird die Entdeckung der Saison? Wenn Mario Götze ein zweites Mal entdeckt würde, käme das einer Sensation nahe. Viel Potenzial schlummert in jüngeren Spielern: Vielleicht spielt sich Mahmoud Dahoud (22) in den Fokus. Jadon Sancho (18) hatte schon am Ende der vergangenen Saison zirkusreife Szenen. Vielleicht bringt sich ja auch ein junger Innenverteidiger wie, Abdou Diallo (22) oder Manuel Akanji (23) herausragend in Position.

Zugänge: Abdou Diallo (FSV Mainz 05, 28 Millionen Euro), Thomas Delaney (Werder Bremen, 20 Mio.), Axel Witsel (TJ Quanjian, 20 Mio.), Marius Wolf (Eintracht Frankfurt, 5 Mio.), Eric Oelschlägel (Werder Bremen U23, ablösefrei), Marwin Hitz (FC Augsburg, ablösefrei), Achraf Hakimi (Real Madrid, ausgeliehen).

Abgänge: Andriy Yarmolenko (Westham United, 20 Mio.), Sokratis (FC Arsenal, 16 Mio.), Mikel merino (Newcastle United, 7 Mio.), Gonzalo Castro (VfB Stuttgart, 5 Mio.), Andre Schürrle (FC Fulham, ausgeliehen), Dominik Reimann (Holstein Kiel, ablösefrei), Erik Durm (Huddersfield, ablösefrei), Roman Weidenfeller (Karriere beendet), Michy Batshuayi (FC Chelsea, Leih-Ende).

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Bundesliga-Serie, Teil 3, VfL Wolfsburg: Bloß nicht noch eine „Dinner-for-one-Saison“

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Foto: NOZ MEDIEN

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