Bundesliga-Serie, Teil 14: Bayer Leverkusen Die „Werkself“ setzt zum Sprung in die Champions League an

Von Thomas Schulz

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Als Moderator gefragt: Heiko Herrlich, 46 Jahre alt, seit Juli 2017 in Leverkusen, 258 Bundesligaspiele als Spieler, 56 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpaAls Moderator gefragt: Heiko Herrlich, 46 Jahre alt, seit Juli 2017 in Leverkusen, 258 Bundesligaspiele als Spieler, 56 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpa

Düsseldorf. Hatte Bayer Leverkusen 2017 noch gegen den Abstieg gekämpft, so fehlten vergangene Saison lediglich vier Treffer zum Erreichen der Champions League.

Dass die Qualifikation für die europäische Königsklasse das Ziel für 2019 ist, daraus macht Team-Manager Jonas Boldt keinen Hehl. „Unser Kader war ja bereits gut. Durch die Zugänge wird er nun auch in der Breite besser aufgestellt sein“, sagte der 36-Jährige und fügte hinzu: „Wir sind in der vergangenen Saison Fünfter geworden. Diese Saison wollen wir besser platziert sein.“ Das ist durchaus realistisch.

Kann Trainer Heiko Herrlich seinen Kader moderieren? Leverkusens Kader ist eigentlich auf jeder Position doppelt gut besetzt – auch wenn noch Abgänge (Bailey, Wendell, Dragovic, Henrichs) drohen könnten. Eine Kunst von Trainer Heiko Herrlich wird daher darin bestehen müssen, den Kader zu moderieren. Im defensiven Mittelfeld stehen mit Lars Bender, Aranguiz, Baumgartlinger und Kohr vier Spieler für zwei Plätze zur Verfügung. Rechts heißt es Bailey oder Bellarabi, in der Mitte Volland oder Havertz, links Brandt oder Paulinho und vorne Alario oder Kiese-Thelin. Von seiner Art her sollte Herrlich den Spielern seine Entscheidungen gut erklären können, zudem kann der 46-Jährige bei drei Wettbewerben die Rotation als Beruhigungspille einsetzen.

Bleibt Bailey, und findet er wieder zur Form der vergangenen Hinrunde? Ob so eine Pille auch Craig Butler schluckt, ist ungewiss. Der Stiefvater und Berater von Bailey hatte in der Rückrunde losgepoltert, als sein Junge von Herrlich auf die Ersatzbank gesetzt worden war. Dabei war diese Maßnahme nachvollziehbar. Bailey – im Januar 2017 für 13,5 Millionen Euro vom belgischen Erstligisten KRC Genk unters Bayer-Kreuz gewechselt – legte in der Hinrunde mit acht Treffern sowie fünf Tor-Vorlagen zwar einen Senkrechtstart hin, fiel dann aber in ein Loch. Nicht ungewöhnlich für einen 20-Jährigen, der dann auch die kolportierten Wechsel-Absichten zunächst dementierte. „Ich bin jung und ich kann mich an viele junge Spieler erinnern, die zu früh einen zu großen Schritt gemacht haben und damit auf die Nase gefallen sind. Für mich ist Leverkusen perfekt.“ Nun kursieren erneut viele Spekulationen. Lanciert vom offenbar nur an finanziellen Dingen interessierten Butler. Bleibt Bailey jedoch bei der „Werkself“, muss ihn Herrlich mental auf Kurs und sich selbst den Berater vom Hals halten.

Welche Auswirkungen hat die Veränderung im Tor? Bernd Leno ist nach sieben Jahren zwischen den Bayer-Pfosten für die festgeschriebene Ablöse von 25 Millionen Euro Arsenal London gewechselt. Sein Nachfolger kommt von Eintracht Frankfurt, heißt Lukas Hradecky, und nicht wenige meinen, dass sich Leverkusen damit sogar verstärkt hat. Schließlich landete Leno in der Rangliste des Fachmagazins „kicker“ nur auf dem neunten Platz und war zudem bei Bundestrainer Joachim Löw auch durch das WM-Sieb gefallen. Der in der Slowakei geborene Finne Hradecky hingegen wurde auf Rang sechs eingestuft und führte die Frankfurter mit starken Paraden zum Gewinn des DFB-Pokals. In der Liga fiel der 28-Jährige gegenüber der Hinrunde zwar leicht ab, dennoch sollte er für die „Werkself“ ein sicherer Rückhalt sein. Allerdings muss der Fänger aus Turku nach seiner Operation im Kiefer in den ersten beiden Liga-Spielen noch aussetzen, vertreten wird er durch den 34-jährigen Vorarlberger Ramazan Özcan.

Gelingt der Start in die Saison besser als 2017? Vergangenes Jahr wurden in den ersten fünf Runden lediglich vier Punkte aufs Konto gebucht.Eine Hypothek, welche die „Werkself“ stets als Jäger und damit nie frei von Druck durch die Saison ziehen ließ. Um diesmal sofort Auftrieb unter die Flügel zu bekommen, ist ein guter Auftakt von Bedeutung, das Programm aber hat es in sich. In den ersten sechs Partien geht es zu den ambitionierten Gladbachern, nach München sowie zum Derby bei Aufsteiger Düsseldorf – daheim werden die aufstrebenden Wolfsburger und der BVB erwartet. Es gilt, sofort auf Betriebstemperatur zu sein.

Kann die „Werkself“ in die Champions League einziehen? Wieso nicht? Der Kader ist qualitativ wie quantitativ stark besetzt, und er ist ein Jahr erfahrener. Damit sollten nun auch gegen die nur auf das Verhindern von Fußball bedachten Mannschaften Lösungen gefunden werden können, gegen die es in der vergangenen Saison noch zu oft unnötige Punktverluste gab. Immerhin ein Bundesliga-Trainer setzt in der Umfrage nach dem Meister dann sogar auf die „Werkself“. „Das ist eine gute Mannschaft“, sagte Hoffenheims Julian Nagelsmann.

Zugänge: Lukas Hradecky (Eintracht Frankfurt), Thorsten Kirschbaum (1. FC Nürnberg), Tomasz Kucz (eigene U19), Mitchell Weiser (Hertha BSC Berlin, 12 Mio.), Aleksandar Dragovic (Leicester City, war ausgeliehen), Jakub Bednarczyk (eigene U19), Sam Schreck (eigene U19), Paulinho (Vasco da Gama, 18,5 Mio.), Isaac Kiese-Thelin (RSC Anderlecht, Leihgebühr 1 Mio).

Abgänge: Bernd Leno (Arsenal London, 25 Mio.), Niklas Lomb (SV Sandhausen, ausgeliehen), Marlon Frey (eventuell FC Ingolstadt 04), Vladlen Yurchenko (Ziel unbekannt), Stefan Kießling (Karriere-Ende).

Bisher erschienen:

Bundesliga-Serie, Teil 1, 1. FC Nürnberg: Der „Club“ nimmt einen neuen Anlauf in der Bundesliga

Bundesliga-Serie, Teil 2, Fortuna Düsseldorf: In die Bundesliga gekommen, um zu bleiben – mal wieder

Bundesliga-Serie, Teil 3, VfL Wolfsburg: Bloß nicht noch eine „Dinner-for-one-Saison“

Bundesliga-Serie, Teil 4, SC Freiburg: Im Süden kündigt sich neuer Offensivdrang an

Bundesliga-Serie, Teil 5, FSV Mainz 05: Mainz setzt auf Spieler aus dem Land des Weltmeisters

Bundesliga-Serie, Teil 6, Hannover 96: Dauer-Zoff mit Kind geht in die nächste Runde

Bundesliga-Serie, Teil 7, FC Augsburg: Rätsel beim FCA: Wer steht im Tor und wer dahinter?

Bundesliga-Serie, Teil 8, Werder Bremen: Eine Extrawurst, ein Oldie und ein aufstrebender Trainer

Bundesliga-Serie, Teil 9, Hertha BSC: Berlin sagt Zuschauerschwund Kampf an und setzt auf eigenen Nachwuchs

Bundesliga-Serie, Teil 10, Borussia Mönchengladbach: Gladbachs Spieler wollen Wiedergutmachung

Bundesliga-Serie, Teil 11, Eintracht Frankfurt: Eintracht bleibt eine Wundertüte

Bundesliga-Serie, Teil 12, VfB Stuttgart: Aufbruch zu neuen Ufern?

Foto: NOZ MEDIEN

Bundesliga-Serie, Teil 13, RB Leipzig: Projektjahr „Übergang“ beim Angriff auf die Liga-Spitze


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