Bundesliga-Serie, Teil 8: SV Werder Bremen Eine Extrawurst, ein Oldie und ein aufstrebender Trainer

Von Dietmar Rose

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Taktikfuchs: Florian Kohfeldt, 35 Jahre alt, seit 2006 als Trainer in Bremen, seit November 2017 im Oberhaus, 26 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpaTaktikfuchs: Florian Kohfeldt, 35 Jahre alt, seit 2006 als Trainer in Bremen, seit November 2017 im Oberhaus, 26 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpa

Bremen. Die neue Bundesliga-Saison beginnt am 24. August. In einer Serie stellen wir alle Clubs aus dem deutschen Fußball-Oberhaus vor. Wo kommen sie her? Wo wollen sie hin? Was versprechen die Neuzugänge? Heute: Der SV Werder Bremen

Vom Aufbruch in eine bessere Zukunft war bei Werder Bremen immer mal wieder die Rede. Doch vor dieser Saison scheinen es die Grün-Weißen wirklich ernst zu meinen. Mit Davy Klaassen haben sich die sparsamen Bremen einen Rekordtransfer gegönnt. Dazu kommt mit Florian Kohfeldt ein junger, ehrgeiziger Trainer, der sich in kürzester Zeit den Respekt der ganzen Branche verdient hat.

Sind die mageren Jahre an der Weser vorbei? Werder ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem Erfolgsmodell durch einige Fehlentscheidungen eine graue Maus werden kann. Der Champions-League-Dauergast früherer Jahre ist seit 2010 nicht mehr im internationalen Geschäft vertreten, was einen langen und schmerzhaften Konsolidierungskurs notwendig machte. Inzwischen schreiben die Bremer aber wieder schwarze Zahlen. Das ist in erster Linie der klugen Transferpolitik von Sportdirektor Frank Baumann zu verdanken, der Profis wie Serge Gnabry und Thomas Delaney günstig verpflichtet hat, um sie für stattliche Ablösesummen wieder abzugeben. Dieses Geld wird gezielt in den Kader investiert. In Bremen ist die Erkenntnis gereift, dass man allein mit dem eigenen Nachwuchs den Anschluss an obere Tabellenregionen nicht schaffen wird.

Kann Trainer Kohfeldt auch Krise? Mit seinem Faible für Offensivfußball passt der frühere Amateur-Torwart zu Werders DNA, für Kohfeldt sprechen zudem seine Gelassenheit und sein souveräner Umgang mit den Medien. Damit führte er die Bremer nach der Amtsübernahme von Alexander Nouri von Platz 17 zum souveränen Klassenerhalt. Eine Krise hat Kohfeldt jedoch noch nicht meistern müssen. Erst dann wird sich zeigen, ob der Taktikexperte die erfolgreiche Karriere vor sich hat, die ihm viele prophezeien.

Schadet die Extrawurst für Max Kruse dem Team? Wie im vergangenen Jahr kehrte der Ex-Nationalspieler mit ein paar Kilos zu viel aus dem Sommerurlaub zurück. Kohfeldt nahm seinen Leistungsträger in Schutz, aber auch in die Pflicht – Kruse muss an seiner Fitness arbeiten. Der Anwärter auf das Kapitänsamt zahlte das Vertrauen mit Leistung zurück. Dass Kruse allen Wechselspekulationen einen Riegel vorschob, dürfte seine Position im Team stärken. Auch wenn die süffisante Aussage zur Erfüllung des bis 2019 laufenden Vertrages („Meiner Meinung nach braucht Werder definitiv mehr Gewicht“) bezweifeln lässt, dass Kruse die Kritik an seiner professionellen Einstellung verstanden hat.

Ist die Verpflichtung von Claudio Pizarro mehr als Folklore? In den vergangenen beiden Jahren brachte es die Sturm-Legende in 35 Einsätzen nur auf zwei Tore. Der Zahn der Zeit nagt an dem bald 40-jährigen Peruaner. Dennoch stellt die Rückkehr der Club-Legende für Werder kein Risiko dar. Pizarro wird stark leistungsbezogen entlohnt und akzeptiert die ihm angedachte Rolle als Mentor für Talente wie Josh Sargent und Johannes Eggestein.

Wo drückt im Kader noch der Schuh? Mit der Verpflichtung des Griechen Stefanos Kapino als zweitem Torwart hat Baumann eine der letzten Lücken schließen können.Werders Kader bietet genug Alternativen, alle Positionen sind doppelt und gut besetzt. Vor allem in der Offensive herrscht mit den Neuzugängen Martin Harnik, Yuya Osako und Claudio Pizarro, Wintertransfer Milot Rashica, dem aufstrebenden Florian Kainz und dem demnächst nach seinem Achillessehnenriss zurückkehrenden Fin Bartels großer Konkurrenzkampf. Dem Mittelfeld würde nach den Abgängen von Delaney und Zlatko Junuzovic eine weitere Blutauffrischung guttun.

Zugänge: Davy Klaassen (FC Everton, 13,5 Millionen Euro), Yuya Osako (1. FC Köln, 4,5), Felix Beijmo (Djugardens IF, 3,0), Martin Harnik (Hannover 96, 2,25), Stefanos Kapino (Nottingham Forrest, 300000), Jan-Niklas Beste (Bor. Dortmund U19, 250000), Claudio Pizarro (1. FC Köln, ablösefrei), Kevin Möhwald (1. FC Nürnberg, ablösefrei). – Abgänge: Thomas Delaney (Bor. Dortmund, 20 Millionen Euro), Jerome Gondorf (SC Freiburg, 1,3), Ulisses Garcia (Young Boys Bern, 800000), Laszlo Kleinheisler (FC Astana, 750000), Robert Bauer (1. FC Nürnberg, Leihgebühr 200000), Justin Eilers (Appolon Smyrnis, ablösefrei), Lennart Thy (Erzurumspor, ablösefrei), Zlatko Junuzovic (RB Salzburg, ablösefrei), Leon Guwara (Utrecht, ablösefrei), Sambou Yatabaré (Royal Antwerpen, ablösefrei), Ishak Belfodil (Leihende, Hoffenheim).

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