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22.07.2018, 20:54 Uhr KOMMENTAR

Özils Rücktritt – ein gut vorbereiteter Rundumschlag

Kommentar von Susanne Fetter

Tritt aus der Nationalmannschaft zurück – aber vorher holt er zum Rundumschlag aus: Mesut Özil. Foto: AFP/Luis AcostaTritt aus der Nationalmannschaft zurück – aber vorher holt er zum Rundumschlag aus: Mesut Özil. Foto: AFP/Luis Acosta

Osnabrück. Mesut Özil ist aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten. Vorher hat er in einem gut vorbereiteten Rundumschlag mit dem Deutschen Fußball-Bund, vor allem mit dessen Präsidenten Reinhard Grindel, mit den Medien und Teilen der Öffentlichkeit abgerechnet. Einen Schlusspunkt unter die Diskussion hat er damit nicht gesetzt. Sie wird weitergehen, meint unsere Kommentatorin. Wenn sie auf sachlicher Ebene geführt wird, kann das sogar gut sein.

Wenn Mesut Özil spricht, tut er das normalerweise leise. Seit ein paar Jahren redet er öffentlich sogar kaum noch. Mit seinen Fans kommuniziert er über soziale Netzwerke. Kein deutscher Nationalspieler macht dies so erfolgreich wie er.

Özil weiß, wie die Mechanismen in diesem Raum funktionieren und wie man Aufmerksamkeit generiert. Auch, weil Profis ihn beraten und betreuen. Seine Äußerungen in drei Teilen, gut gestreut und wohlstrukturiert, an einem Sonntag, an dem er mit dem FC Arsenal auf Dienstreise nach Singapur ging, waren alles andere als ein Schnellschuss.

Gut vorbereiteter Rundumschlag

Es war ein gut vorbereiteter Rundumschlag in eigener Sache, eine harte Abrechnung mit dem DFB, einem Sponsor, den Medien und weiten Teilen der Öffentlichkeit. Und das bewusst auf Englisch. Alle sollten lesen, was er zu sagen hat, in einer Diskussion, die nur noch verworren und überhitzt ist.

So sehr, dass Eilmeldungen versendet wurden, als Özil sich äußerte und in der Hatz zuerst schlampig übersetzt wurde. So sehr, dass Menschen andere Menschen beleidigen und eine saubere Konfliktlösung schon lange nicht mehr möglich ist.

Grindel forderte Statement, er hat es bekommen

Reinhard Grindel, mit dem Özil im dritten Teil seiner Äußerungen harsch und zornig abrechnet, hatte nach dem WM-Aus von dem 29-Jährigen ein Statement zu dessen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan gefordert. Er hat es bekommen, erhofft hat Grindel sich mit Sicherheit ein anderes. Die Geister, die der DFB-Präsident rief, werden den Verband noch länger beschäftigen. Ob berechtigt oder nicht und ob in dieser Art und Weise gelungen, das alles sei einmal dahingestellt: Integration von Sportlern mit Migrationshintergrund, Rassismus, rechte Hetze, der Umgang mit Konflikten, Doppelmoral im Geschäft Fußball. Ausgerechnet Özil, der Schweiger, hat noch einmal auf diese wichtigen Themen gedeutet. Trägt dies dazu bei, sich irgendwann wieder weniger aufgerecht und sachlich mit ihnen zu beschäftigen, hat diese unrühmliche Affäre doch noch was Gutes.

Die Karriere von Özil in der Nationalmannschaft, mit der er 2014 Weltmeister wurde, ist nach diesem Abgang aber unwiderruflich beendet.


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