Interview mit dem Sportchef vom Sky „Champions League nur im Pay-TV – das ist fernsehhistorisch“

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Hochzufrieden mit der letzten Bundesliga-Saison, aber doch mit Verbesserungsvorschlägen im Sinn: Im großen Bilanz-Interview spricht Roman Steuer, der Sportchef des Pay-TV-Senders Sky, über neue Champions League, das WM-Engagement des Senders, den Ausstieg aus der Formel 1 und die weiteren Pläne mit der Handball-Bundesliga. Und er verrät, warum Sky dem ZDF eine Lizenz für das Wimbledon-Finale verkaufte.

Herr Steuer, das Wimbledon-Finale Kerber gegen Williams live nur bei Sky – warum haben Sie sich diese Chance entgehen lassen? Oder ist der Imagegewinn durch die Sublizenzierung an das ZDF wertvoller?

An jedem Turniertag haben wir exklusiv und in hoher Qualität auf fünf Sendern aus Wimbledon berichtet – rund 350 Stunden Live-Tennis nur auf Sky. Zum Damenfinale haben wir uns aufgrund des großen öffentlichen Interesses dazu entschieden, dem ZDF die Live-Übertragung des Finals zu ermöglichen.

Die Fußball-WM war fest in öffentlich-rechtlicher Hand. Warum ist Sky mit dem Topspiel des Tages eingestiegen? Was kann Ihnen die WM bringen?

Es geht uns vor allem um die Vorreiterrolle für neue Technologien, in diesem Fall ist Ultra HD der große Reiz – so, wie 2005, als Sky das erste Fußballspiel in HD-Bildqualität übertrug.

HD zu Ultra HD – ist der Unterschied wirklich so markant?

Oh ja. Ich garantiere Ihnen: Sie sehen Dinge im Detail, die man so vorher nicht gesehen und gar nicht wahrgenommen hat. Wenn der Ball zum Freistoß bereitliegt und die Kamera den Ball zeigt, sehen Sie jeden Grashalm, als würden Sie auf dem Rasen liegen. Alles ist einen spürbaren Tick intensiver, die Farben sind brillanter, die Konturen schärfer – einfach besser.

Sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Ja, eindeutig. Was wir an Feedback über Social Media bekommen, bestätigt unsere Entscheidung und stärkt unsere Position im Markt. Dazu sehen wir Ansätze zu Verbesserungen, die wir mitnehmen in die neue Saison.

In der vergangenen Saison gab es viel Kritik an der Bundesliga und den Rahmenbedingungen – das kann Ihnen doch nicht gefallen, wenn Ihr Premium-Produkt schlechtgeredet wird.

Wir sind mit der Saison 2017/18 hochzufrieden, denn es war die erfolgreichste Saison unserer Sendergeschichte – und zwar mit Abstand! Das ist für uns eine Anerkennung des Produkts und der Arbeit unserer Redaktion sowie unseres Konzepts.

Für Sie sind Zahlen interessant – für uns auch...

Wir hatten im Durchschnitt eine Reichweite von fast vier Millionen Zuschauern an jedem Bundesliga-Wochenende; in der Spitze sind wir mit 4,5 Millionen nicht mehr weit weg von der ARD-Sportschau. Das ist eine Steigerung von 16 Prozent im Vergleich zu 2016/17 – und das, obwohl nach dem Wegfall des Freitagspiels und der Einführung des Montagspiels nicht alle – 266 von 306 – Bundesligapartien bei Sky zu sehen waren. Rechnet man Montag und Freitag heraus, ist das ein Zuwachs von 34 Prozent.

Die Konferenz ist das Top-Format, oder?

Ja, die Mehrheit verfolgt die Konferenz, im Schnitt 1,5 Millionen pro Spieltag. Das stärkste Einzelspiel war die Partie zwischen Dortmund und dem FC Bayern im November 2017 mit 1,8 Millionen Zuschauern.

Dass Sie die Freitagspiele vermissen, kann man sich leicht vorstellen. Was man sich indes gar nicht vorstellen kann: dass Sie mit dem Wissen von den Protesten und Debatten um den Termin die Montag- spiele gern gehabt hätten…

Wir hätten das Paket mit Montag und Freitag gern gehabt, aber das war uns ja von der Ausschreibung her nicht möglich, weil das Bundeskartellamt das nicht zugelassen hat. Wir akzeptieren diese Entscheidung. Was den Montag angeht, hätte ja eigentlich mit der Ausschreibung allen klar sein müssen, dass das auf Kritik stoßen wird – ähnlich wie bei ihrer Einführung die frühen Sonntagspiele. Erstaunlich ist, dass Proteste erst dann kommen, wenn das Spiel kurz bevorsteht. Ich meine, man muss es in der Gesamtheit sehen – da sind fünf Montagspiele durchaus akzeptabel.

Angesichts der Dominanz des FC Bayern gab es schon die Empfehlung an die Bundesliga, die TV-Gelder so zu verteilen, dass der Wettbewerb etwas ausgeglichener werden kann – ähnlich wie in den amerikanischen Ligen. Glauben Sie, dass ein solcher Vorschlag in der Bundesliga nach der zehnten Meisterschaft des FC Bayern in Folge mehrheitsfähig sein wird?

Das weiß ich nicht, aber grundsätzlich würde ich mehr Mut bei der Erstellung des Verteilungsschlüssels wünschen. Aber diese Entscheidung liegt bei den Gremien der DFL und damit letztlich bei den Vereinen. Wenn die Liga ausgeglichener ausgestattet würde, täte das dem Fußball wahrscheinlich gut – aber eine Garantie für mehr Spannung wäre das auch nicht.

Sie haben um die fünf Millionen Kunden, in Deutschland gibt es mehr als das dreifache an Fußball-Interessierten. Da sind doch Hunderttausende dabei, die sich für ein Sky-Abo begeistern lassen müssten.

Der Markt ist noch nicht gesättigt, das Interesse am Fußball lässt nicht nach – im Gegenteil. Daran wird auch die aus deutscher Sicht enttäuschende Fußball-WM nichts ändern. Und wir setzen weiter auch darauf, dass wir mit unserem Free-TV-Angebot Sky Sport News ein ideales Schaufenster haben in Form eines Formats, das es so nicht gibt. Da können und wollen wir mit gutem Nachrichten-Journalismus rund um die Uhr unsere redaktionelle Leistungsfähigkeit darstellen. Über die Hälfte der Sky Sport News HD-Zuschauer sind keine Abonnenten – noch nicht...

Auf den Kommentatoren-Plätzen haben Sie mit Reportern wie Buschmann, Dahlmann und Küpper einen Zuwachs an Emotionalität und Fannähe etabliert. Wenn das Teil einer Strategie ist basierend auf der Erkenntnis, dass vor allem die großen Fußballgefühle gefragt sind: Müssten Sie dann nicht auch neben dem Spielfeld für mehr Emotion sorgen?

Unser Kommentatoren-Konzept hat sich bewährt, wir haben ganz bewusst auf die Kombination aus Kompetenz und Leidenschaft gesetzt. Diese werden wir auch künftig fördern, es soll nicht verborgen werden, dass unsere Reporter Freude am Spiel haben. Darüber reden die Menschen am nächsten Tag, wenn sie unsere Übertragungen gesehen haben. Nach dem Spiel würde ich mir auch manchmal mehr Emotionalität wünschen, so, wie wir es aus dem DFB-Pokal und von den Olympischen Spielen kennen. Wenn Leidenschaft durchbricht, ist das grundsätzlich immer nur positiv, weil es authentisch ist und den Zuschauer mitnimmt ins Stadion. Aber wir müssen akzeptieren, dass die Spieler professionell mit den Interview-Fragen umgehen und entsprechend geschult sind.

In Italien gibt es TV-Kameras in den Kabinen...

...aber ohne Ton. Auch das bringt den Fan näher heran, aber bei uns wollen das die Vereine tendenziell nicht. Jedenfalls nicht im Fernsehen, wohl aber manchmal über die Social-Media-Kanäle der Spieler oder im Vereins-TV. Wir sind mit den Vereinen im Austausch zu solchen Themen. Eine andere Idee: Mehr den Ton, der bei einem Spiel eingefangen wird, zu Gehör bringen.

Die nächste Champions-League-Saison ist ein Novum in der TV-Sportgeschichte: Erstmals wird ein derart hochwertiger Wettbewerb im Pay-TV zu sehen sein; bei Sky, aber auch beim Streamingdienst dazn.

Das ist ein riesiger Schritt, man kann das ruhig fernsehhistorisch nennen. Es ist das erste Mal, dass ein Kernrecht des Sports ausschließlich nur im Pay-TV und nicht im Free-TV, konkret nicht mehr im ZDF, zu sehen ist. Ich glaube, viele Fußballfreunde haben das – vielleicht auch wegen der WM – noch gar nicht so richtig mitbekommen. Spätestens nach der Auslosung am 30. August wird sich das ändern...

...und dann kommt der große Aufschrei. Zu Recht?

Gegen wen richtet sich der Aufschrei? Es müsste doch jedem klar sein, dass das eine sinnvolle unternehmerische Entscheidung ist. Wir sind und bleiben der Champions-League-Sender, die Königsklasse ist für uns das Hochamt des Fußballs. Und gemeinsam mit der 2. Bundesliga, Bundesliga und DFB-Pokal ist Sky die Heimat des deutschen Clubfußballs. Die Zahl unserer Kunden wird sich definitiv erhöhen, wir sehen da großes Potenzial.

Aber Sie haben im Streaming-Dienst dazn einen harten Konkurrenten.

Ja, aber wer alle deutschen Mannschaften spielen sehen möchte, kann das nur bei uns – zumindest in der Konferenz. Wir freuen uns auf den Wettbewerb mit dazn, allein schon deshalb, weil uns dieser Wettbewerb in die Lage versetzt hat, die Rechte aus dem Free-TV herauszuholen.

Müsste das dann nicht auch das Modell sein, um den Bundesliga-Markt zu erobern? Die zeitnahe Free-TV-Berichterstattung in der Sportschau ist Ihnen doch ein Dorn im Auge.

Ich glaube nicht, dass man dieses Modell auf die Bundesliga übertragen kann. Die Existenz der Sportschau hat uns in unserem Wachstum nicht behindert, wir wachsen weiter. Wir führen diese Diskussion im Moment gar nicht, weil das erste Signal dazu von der Liga und den Vereinen kommen müsste – beispielsweise in der nächsten Ausschreibung.

Ist Ihr Abschied aus der Formel 1 das Gegenstück der Champions-League-Medaille? Da, wo Sky keine echte Exklusivität hat, lohnt sich der Erwerb der Rechte nicht.

Exklusivität für unsere Kunden steht im Fokus, und wenn wir für den Kunden keinen wirklichen Mehrwert im Vergleich zum Free-TV sehen, ist es konsequent, sich zu verabschieden. Wir haben seit 1996 die Formel 1 mit sehr viel Aufwand und Herzblut übertragen, das gibt man nicht leichten Herzens auf. Aber wir haben keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr gesehen.

Sky präsentiert die Handball-Bundesliga perfekt, umfassend und fachkompetent. Da muss doch irgendwo bei den Entscheidern ein Handball-Fan sitzen, denn rechnen kann sich ein solches Projekt doch gar nicht.

Wir haben ein paar Handball-Fans bei uns, aber das hat nichts mit der Entscheidung zu tun. Handball ist in Deutschland die Ballsportart Nummer 2, mit großer Tradition und Verbreitung, mit starken regionalen Zentren, die über das ganze Land verteilt sind. Unsere erste Bilanz ist positiv, die Reichweite ist in der Rückrunde im Vergleich zur Vorrunde um 27 Prozent gestiegen. Die Kooperation mit den Vereinen und der HBL ist sehr gut. Wir werden noch einiges versuchen, um diese manchmal etwas unterschätzte Sportart zur Geltung zu bringen. Das kann gelingen, auch dank der guten Zusammenarbeit mit den Kollegen der ARD.


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