Fassungslosigkeit bei Nationalelf Hummels: Das war enttäuschend – für uns und von uns

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Enttäuscht: Mats Hummels nach dem WM-Aus in der Vorrunde. Foto: dpaEnttäuscht: Mats Hummels nach dem WM-Aus in der Vorrunde. Foto: dpa

Kasan. Schon um 20.30 Uhr Ortszeit, nur knapp eineinhalb Stunden nach dem Eintreten des größten anzunehmenden Unfalls, war die deutsche Delegation aus der Kasan-Arena verschwunden. Fluchtartig hatten die gefallenen Helden das Weite gesucht, die meisten von ihnen ohne großartige Erklärungen abzugeben für das, was auch kaum erklärt werden kann: ein WM-Aus nach der Gruppenphase, das vor allem angesichts seiner Desaströsität beeindruckt.

Drei der vier letzten amtierenden Weltmeister sind ebenfalls in der Gruppenphase gescheitert – zumindest insofern ist es keine Schande, sich einzureihen hinter Frankreich 2002, Italien 2010 und Spanien 2014. Ob all jene Teams allerdings genauso schlampig und schludrig mit großartigen vorhandenen Potenzialen umgegangen sind wie die Elf Deutschlands im Jahr 2018?

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„Es haben einfach zu viele Dinge nicht zusammengepasst“, sagte Mats Hummels. Der Innenverteidiger war einer der wenigen, der sich nach der Partie noch stellte. Mit Sätzen wie „Zu viele Dinge bei uns haben nicht das Niveau erreicht, das bei einer WM gefragt ist“ blieb er allerdings auch eher im Unklaren bezüglich klarer Ursachen des Scheiterns. Dass die Fans ein Spiel der deutschen Elf ohne Esprit, aber noch viel mehr fast ohne Sprints, ohne Hinterlaufen und ohne bedingungslosen Einsatz anklagen werden – für Hummels normal und nachvollziehbar.

Hummels: Kein gutes Spiel seit Ende 2017

„Das war unfassbar enttäuschend – für uns und von uns“, sagte der 29-Jährige, der das frühzeitige WM-Aus als größte sportliche Pleite seiner bisherigen Karriere bezeichnete. Hatte es sich schon abgezeichnet? „Es stimmt, dass wir eigentlich schon seit Ende 2017 nicht mehr so dominant auftreten wie gewohnt“, gab Hummels zu, bevor er mit seiner vergebenen Kopfballchance in der zweiten Halbzeit haderte.

„Wir haben nicht berauschend gespielt, hatten aber dennoch viele Möglichkeiten“, so der Innenverteidiger angesichts der 74 Prozent Ballbesitz. „Wir wollten Korea müde spielen“, hatte kurz zuvor Teammanager Oliver Bierhoff den Matchplan der Deutschen erklärt. In der Partie lief es dann aber vielmehr so, dass Deutschland sich selbst müde spielte – fehlende Tempowechsel und Kreativität führten dazu, dass die Nationalelf immer wieder ratlos an der wahrlich nicht gerade beeindruckenden Abwehrwand der Südkoreaner abprallte. „Es spricht gerade keiner in der Kabine“, sagte Bierhoff noch, bevor auch er schnellen Schrittes das Weite suchte.

Khedira: Wir älteren Spieler müssen Verantwortung übernehmen

Fakt ist, dass abseits vielleicht von Toni Kroos gerade die Stützen der Weltmeister-Elf von 2014 nie Normalform erreicht haben. „Wenn man in der Vorrunde so bitter und sang- und klanglos ausscheidet, müssen wir älteren Spieler die Verantwortung übernehmen“, sagte etwa Sami Khedira. Er gehört zu jenen Akteuren, die angesichts von vielen Verletzungen und Formschwächen im Vorfeld einen jeweils ihnen eigenen Rucksack mit durch das Turnier geschleppt haben.

20 eingesetzte Spielen in drei Spielen

Und die Gruppe jener Spieler war letztlich zu groß. Angefangen bei Torwart Manuel Neuer, der gegen Südkorea mehrfach patzte, über die jeweils ein Spiel fehlenden Innenverteidiger Mats Hummels und Jérôme Boateng bis zu Khedira, Mesut Özil und dem völlig indisponiert agierenden Thomas Müller. Die drei Letzteren rotierte Löw nach schwachen Leistungen im Verlauf des Turniers aus der Startelf – doch auch die neu eingesetzten Kräfte wie Leon Goretzka konnten die Erwartungen nicht erfüllen. „20 eingesetzte Spieler in drei Spielen – das war viel und so nicht geplant. Dafür übernehme ich die Verantwortung“, sagte Löw, der seine Zukunft als Nationalcoach zunächst offenließ.

Reise endet im fernen Tatarstan

Zunächst einmal endet die Reise der Nationalelf im fernen Tatarstan. Viele mitgekommene Fans der Nationalelf waren noch lange nach Schlusspfiff fassungslos im Stadion sitzen geblieben, um diesen nicht erwarteten Nackenschlag erst einmal zu verdauen. Fassungslosigkeit auf den Rängen bei den Anhängern – Fassungslosigkeit in den Katakomben bei den Spielern.

Am klarsten war noch Torhüter Neuer in der Lage zu erklären, weshalb die Nationalelf ihre Fans so enttäuscht hat: „Ich denke, dass von uns allen die Bereitschaft nicht groß genug war und der Wille zu zeigen, dass wir bei dieser WM was reißen wollen. Spätestens bei der nächsten oder übernächsten Station wäre sowieso Halt gewesen für uns. Wir haben in keinem Spiel richtig überzeugt, dass wir sagen können, das war die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Das ist bitter und erbärmlich.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.


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