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27.06.2018, 20:12 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Deutschland ist raus: Arrogant, ignorant und überheblich

Kommentar von Benjamin Kraus

Niedergeschlagen: Das deutsche Team kann abreisen. Foto: imago/KochNiedergeschlagen: Das deutsche Team kann abreisen. Foto: imago/Koch

Osnabrück. Dass die deutsche Mannschaft bereits nach der WM-Vorrunde die Heimreise antreten muss, ist vollauf berechtigt, meint unser Kommentator.

Es ist gut, dass die Fußball-WM 2018 für Deutschland ein schnelles Ende gefunden hat. Denn man kommt nicht umhin, den Auftritt vieler Landsleute im Rahmen des Turniers als arrogant, ignorant und überheblich zu bezeichnen.

Da scheuten viele der selbst erklärten besten Fußballfans der Welt die Reise in ein Land, dessen Menschen Gästen aus allen anderen Erdteilen ihre überragende Gastfreundschaft und Herzlichkeit gezeigt haben. Sie haben ein stimmungsvolles und vielleicht das sicherste und am besten organisierte Turnier aller Zeiten verpasst. Aber es ist ja viel einfacher, vom Sofa aus über schwierige politische Verhältnisse und das allgemeine Desaster zu lästern.

Hilfloses Krisenmanagement

Da zeigte der mitgliederstärkste Sportverband der Welt, der DFB, ein jämmerliches Erscheinungsbild. Hilflos im Krisenmanagement bei den Erdogan-Fotos, plump im Setzen von Werbebotschaften zu Fußball-Analysetools, die simple Konter der Mexikaner ausmanövrierten. Dazu angesichts der Pleiten abgesagte Termine zur nun ausgefallenen Unterstützung der EM-Bewerbung 2024. Und das Fehlverhalten einiger Funktionäre beim krawallig gefeierten einzigen Sieg. So reißt man sich ein, was man sich 2014 mit respektablem Auftreten beim 7:1-Sieg gegen Brasilien aufgebaut hat.



Schuss in den Ofen

Da agierte auch der Bundestrainer recht konzeptlos. Der Austausch der halben Startelf war nach dem Mexiko-Desaster noch nachvollziehbar, angesichts des moralisch wertvollen Sieges gegen Schweden für das Südkorea-Spiel aber ein Schuss in den Ofen. Mit Toni Kroos, Timo Werner, Joshua Kimmich und Manuel Neuer spielten nur vier Fußballer stets zu Beginn – zu wenig für eine stabile Achse, die jedes Team braucht.

Dazu gelang es Löw nicht, satte Weltmeister von 2014 zum Simpelsten zu bewegen, was Fußball ausmacht: Rennen und Kämpfen. Das müssen sich die Fußballer zuerst anlasten, die aus großen Fähigkeiten nichts gemacht und die Chance auf den historischen Coup WM-Titelverteidigung achtlos weggeworfen haben.

Sie verschwinden jetzt in den Urlaub – die WM-Party in Russland geht ohne sie weiter. Es ist vollauf gerecht und für alle das Beste.


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