Ohne Hummels, aber mit Gomez? Deutschland gegen Schweden: Erstes oder letztes Finale

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Fällt wohl aus: Mats Hummels hat Probleme mit dem Nackenwirbel. Foto: imago/DeFodiFällt wohl aus: Mats Hummels hat Probleme mit dem Nackenwirbel. Foto: imago/DeFodi

Sotschi. Sechs Siege bis zum WM- Titel. Aber auch das drohende Aus schon Samstagabend. Mehr Spannbreite und Finalcharakter geht nicht für die deutsche Fußball-Nationalelf schon im zweiten Gruppenspiel am Samstagabend (20 Uhr/ ARD) gegen Schweden.

Wie ist die Ausgangslage? Ein bisschen abhängig vom Ausgang des Parallelspiels Mexiko gegen Südkorea, das direkt vor der Partie der Deutschen steigt (17 Uhr). Holt Mexiko – nicht unwahrscheinlich – mindestens einen Punkt, würde Deutschland mit einer Niederlage gegen Schweden schon vorzeitig ausscheiden. Auch ein Remis wäre dann wohl zu wenig, weil Schweden und Mexiko im letzten Gruppenspiel gegeneinander noch Punkte ausspielen. Will Deutschland alle Chancen in der eigenen Hand behalten, muss gegen Schweden ein Sieg her – idealerweise höher als 1:0. Denn am Ende zählt auch das Torverhältnis – und ein Szenario, bei dem am Ende die ersten drei Teams der Gruppe sechs Zähler haben, ist nicht völlig unwahrscheinlich.

Wie geht die Nationalelf die Aufgabe personell an? Wohl ohne Mats Hummels. Bundestrainer Joachim Löw berichtete am Freitag in Sotschi von einer Verrenkung des Halswirbels beim 29-Jährigen – Kopfbälle unmöglich. „Die werden wir aber gegen Schweden brauchen“, so Löw. Als Alternativen stehen Niklas Süle und Antonio Rüdiger bereit, wobei das Kraftpaket von den Bayern gegenüber dem flinkeren Chelsea-Mann die Nase vorn haben dürfte. Weil er mit dem verbliebenen Innenverteidiger Jérôme Boateng im Club zusammenspielt und weil er gut zu Schwedens Sturmspitze passt: dem auch großen, aber wenig schnellen Markus Berg, der einst für den HSV spielte.

Gibt es weitere Startelf-Änderungen? Verletzungsbedingt nicht – bis auf Hummels sind alle Spieler fit. Aber ziemlich sicher leistungsbedingt – wobei Löw mit diesem Argument fast alle Spieler austauschen könnte, die den pomadigen Auftritt beim 0:1 gegen Mexiko hingelegt haben. Gut möglich ist, dass Mario Gomez in die Startelf rückt, um vorne mehr Durchschlagskraft zu generieren – dafür spräche auch, dass der schnelle Timo Werner auch als Einwechselspieler funktioniert. Seine Chance von Anfang an sollte Marco Reus bekommen – wohl zum Leidwesen von Julian Draxler, der gegen Mexiko leistungstechnisch nicht mehr abfiel als Mesut Özil oder Thomas Müller, aber weniger erprobt ist in großen Schlachten. Dazu wird der wiedergenesene Jonas Hector links für Marvin Plattenhardt beginnen. Die verbliebene Frage ist, was im defensiven Zentrum passiert: Sami Khedira spielte schwach, Ilkay Gündogans Ballsicherheit könnte ein Faktor sein.

Wie steht es um die zuletzt mangelnde Gier auf Erfolg? Glaubt man den Protagonisten, ist die Zeit reif für einen deutschen Sieg. Sowohl Löw („Es muss eine Reaktion zu sehen sein – ich bin sicher, wir erleben eine Reaktion“) als auch Mario Gomez nutzten ihre jeweils letzten Worte auf der Pressekonferenz für eine Kampfansage. „Es wird gewinnen, wer den Sieg mehr will – das werden wir sein“, sagte der Stuttgarter Mittelstürmer. Ob seine Anwesenheit bedeute, dass er in der Startelf steht? „Vielleicht ist das ein Signal, vielleicht ein Bluff“, lachte der 32-Jährige, der klar benannte, was gegen Schweden besser laufen muss: „Schnelleres Umschalten nach hinten, bessere Raumaufteilung nach vorn.“

Und der Bundestrainer? Bei der von ihm so benannten „WM der absoluten Hingabe“ seien „Energie und Körpersprache die wichtigsten Waffen“, sagte Löw. Die wohl auch zunächst defensiv agierenden Schweden werden bei Kontern eher über die Außen gefährlich: über Spieler wie Emil Forsberg (Leipzig) und Ludwig Augustinsson (Bremen). „Gegen Mexiko wollte jeder irgendwie offensiv mitmachen. So waren die Räume zu eng“, sinnierte Löw – und meinte etwa Rechtsverteidiger Joshua Kimmich. Dazu will er mehr Zielstrebigkeit zum gegnerischen Tor sehen: „Investieren in Laufwege, spielen und gehen“, sagte er.

Es klingt wie das Einmaleins des Fußballs. Sollte es bei seinen Auserwählten gegen Schweden nicht sitzen, erlebt Löw am Samstag die größte Enttäuschung seiner Amtszeit als Bundestrainer.


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