Veränderungen gegen Schweden geplant Alle rätseln: Welchen Impuls setzt Löw?

Von Tilmann Mehl

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Spaziergang auf der Promenade von Sotschi: So verbrachte Bundestrainer Joachim Löw gestern seine Pause. Foto: dpa/Christian CharisiusSpaziergang auf der Promenade von Sotschi: So verbrachte Bundestrainer Joachim Löw gestern seine Pause. Foto: dpa/Christian Charisius

Sotschi. Das kennt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht: Schon das zweite Gruppenspiel wird zum Barfuß-oder-Lackschuh-Spiel. Wie geht Bundestrainer Joachim Löw die Partie am Samstag (20 Uhr) gegen Schweden personell und taktisch an? Wir spekulieren mal ein bisschen…

Joachim Löw tat das, was er immer macht, wenn sich seine Mannschaft vor dem Training aufwärmt. Er schlenderte über den Platz, kickte mal diesen Ball ein paar Meter weiter, mal jenen. Schaute sich die Übungen an, die seine Co-Trainer Markus Sorg und Thomas Schneider für die folgende Übungseinheit aufgebaut hatten, und schwieg größtenteils. Der Trainer der deutschen Nationalmannschaft macht das immer so. Er muss nicht kontrollieren, ob seine Spieler die Aufwärmübungen mit der richtigen Intensität absolvieren. Im DFB-Team gibt es viele Spezialisten, Löw ist der Projektleiter. Derjenige, der den übergeordneten Plan für die Spiele erarbeitet. Am vergangenen Samstag lag er mit seiner Strategie daneben. Sowohl Personal- als auch Taktikwahl waren falsch. Einen weiteren Ausrutscher kann sich der Trainer nicht erlauben. Ansonsten steht für die deutsche Mannschaft das vorzeitige Aus fest, und Löw müsste sich überlegen, ob ein Rücktritt die folgerichtige Reaktion wäre. Es ist eine Situation, die ihm nicht gefallen kann. Löw mag die Ruhe, mit den Aufgeregtheiten des Fußballs kann er nicht viel anfangen. Was er hingegen gerne macht, ist: grübeln. Das wiederum trifft sich vor der kniffligen Aufgabe gegen Schweden ganz gut.

Löw: Am großen Plan wird nichts geändert

Bereits unmittelbar nach dem Spiel gegen Mexiko sagte er, dass am großen Plan nichts geändert werde. Der große Plan manifestiert sich bei Löw nicht in Zahlenfolgen wie 4-2-3-1 oder 4-1-4-1. Es geht immer darum, dominant aufzutreten, Ball und Gegner laufen zu lassen und statt dem Selbstzweck endloser Ballstafetten immer wieder schnell in die Tiefe zu laufen und zu passen.

Das Personal aber wird sich sehr wohl von jenem der Auftaktniederlage unterscheiden. Möglicherweise wählt Löw auch eine andere Formation. Teammanager Oliver Bierhoff ist sich jedenfalls sicher, dass es Umstellungen geben wird: „Irgendeinen Impuls wird es geben.“ Am ehesten müssen wohl Sami Khedira, Julian Draxler, Mesut Özil und Thomas Müller um ihren Startplatz bangen. Da Jonas Hector seinen grippalen Infekt mittlerweile auskuriert hat, wird er wahrscheinlich wieder für Marvin Plattenhardt in die Mannschaft rücken. Das sind die naheliegendsten Lösungen.

Die kleine Variante: Marco Reus dürfte seinen Startplatz sicher haben. Um die Positionen von Führungsspielern wie Sami Khedira und Thomas Müller nicht für den weiteren Turnierverlauf zu schwächen, wäre der Tausch Reus für Draxler die einfachste Variante. Würde in der Mannschaft nur für wenig Unmut sorgen. Löw baute schon oft auf bewährte Kräfte. Neuer – Kimmich, Boateng, Hummels, Hector – Kroos, Khedira – Müller, Özil, Reus – Werner

Der große Schnitt: Manuel Neuer hat gesagt, dass Auswechselspieler im Training massiven Druck auf die Stammkräfte ausüben. Die Leistung der Startelf gegen Mexiko lässt zu, die Reservisten einzusetzen. Vor Neuer und der Viererkette würde dann Ilkay Gündogan neben Toni Kroos spielen. Reus kommt rechts für Draxler. Für Mesut Özil darf Julian Brand ran. Dann könnte Müller auf seiner Lieblingsposition hinter Stürmer Timo Werner spielen.

„Wir schauen immer, dass wir uns in Positionen bringen, in denen unsere Stärken am ehesten zur Geltung kommen“, sagte der Münchner dazu. Reus, Brandt und Werner könnten mit ihrer Geschwindigkeit massive Löcher in die schwedische Abwehrreihe reißen, Müller sie nutzen. Problem: die defensive Absicherung. Sowohl Kroos als auch Gündogan haben gerne einen robusten Partner an ihrer Seite. So müssten sie sich gegenseitig stützen. Neuer – Kimmich, Boateng, Hummels, Hector – Kroos, Gündogan – Brandt, Müller, Reus – Werner

Formationswechsel: Löw bevorzugt das 4-2-3-1, scheut sich aber auch nicht, seine Spieler anders auf dem Feld zu platzieren, wenn er es als geboten ansieht. Im Viertelfinale der EM baute er beispielsweise gegen Italien auf eine defensive Dreierkette. Das ist diesmal zu defensiv. Möglich scheint ein 4-3-3 mit den spielstarken Kroos, Özil und Gündogan im Zentrum. Vorne spielen dann Müller, Werner und Reus. Könnte ein gesundes Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive sein. Neuer – Kimmich, Boateng, Hummels, Hector – Gündogan, Kroos, Özil – Müller, Werner, Reus.

Unser Tipp: Es geht nicht um alte Verdienste. Das weiß Löw. Der große Schnitt wäre der richtige. Oder?


Erst ein Sieg im zweiten Spiel

Bis zu diesem 17. Juni 2018 hatte die deutsche Nationalmannschaft unter Joachim Löw das erste Gruppenspiel bei jedem Turnier gewonnen. Die Kehrseite: Erst einmal gelang mit diesem Bundestrainer ein Sieg im zweiten Match.

EM 2016

Start: Ukraine 2:0

2. Spiel: Polen 0:0

WM 2014

Start: Portugal 4:0

2. Spiel: Polen 2:2

EM 2012

Start: Portugal 1:0

2. Spiel: Niederlande 2:1

WM 2010

Start: Australien 4:0

2. Spiel: Serbien 0:1

EM 2008

Start: Polen 2:0

2. Spiel: Kroatien 1:2

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