WM-Stichtag: Vor 60 Jahren am 15. Juni Er war erst 17: Die Geburtsstunde des Weltstars Pelé

Von Uwe Kleinschmidt

Der Stern von Pelé ging 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden auf. Der spätere Weltstar gab gegen die Sowjetunion sein WM-Debüt. Foto: WittersDer Stern von Pelé ging 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden auf. Der spätere Weltstar gab gegen die Sowjetunion sein WM-Debüt. Foto: Witters

Osnabrück. Er kam als 17-Jähriger Wunderknabe und verließ Schweden als Weltstar: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1958 in Schweden betrat Edson Arantes do Nascimento die große Fußball-Bühne. Die Geburtsstunde des großen Pelé.

Die brasilianische Revolution beginnt mit 180-minütiger Verspätung. Die Nationalmannschaft der Südamerikaner hat bisher noch keinen Titel geholt, aber bei der WM 1958 in Schweden einen 17-Jährigen dabei, der schleunigst für Besserung sorgen soll.

Eine Knieverletzung verzögert Pelés WM-Debüt

Doch bis Pelé zum ersten WM-Einsatz seiner Welt-Karriere kommt, vergehen zwei Vorrundenspiele der Selecao, die zwar nicht verloren, aber auch nicht zelebriert werden. Edson Arantes do Nascimento, Künstlername Pelé, hat noch mit den Nachwirkungen einer Knieverletzung zu kämpfen, als seine Kollegen gegen Österreich 3:0 gewinnen und 0:0 gegen England spielen.

Vor dem Match ein Bummel durch die Altstadt von Göteborg

Zunächst gilt es, sich die Zeit einigermaßen vernünftig zu vertreiben. Zum Beispiel mit einem Stadtbummel durch die schöne Altstadt Göteborgs an der Seite seines Sturmkollegen Zito. Die Autogrammjäger sind sofort zur Stelle, obwohl Pelé erst ein Länderspiel absolviert hat. Im Quartier „Konferenshotel Hjortviken“, rund 20 Kilometer östlich von Göteborg idyllisch am See Västra Nedsjön gelegen, geht es unspektakulär zu.

Weibliche Hotel-Angestellte werden gegen männliches Personal ausgetauscht

Der britische Autor Alex Bellos schreibt in seinem Buch „Futebol – die brasilianische Kunst des Lebens“: „Da er den sexuellen Appetit seiner Landsleute kannte, bestand der brasilianische Mannschaftsarzt darauf, dass die 28 weiblichen Angestellten durch männliches Personal ersetzt wurden.“ Pelé und seine älteren Kollegen haben also Kraft gespart für das Spiel gegen die Sowjetunion am 15. Juni 1958, einem Sonntag. Kraft würden sie auch brauchen, so die Meinung der Fans nach zwei durchwachsenen Auftritten und vor dem anstehenden Duell mit Sowjet-Torhüter Lew Jaschin, dem „Löwen von Moskau“, dem Besten der Welt.

Torwart-Legende Lew Jaschion fliegen die Bälle um die Ohren

Doch Jaschin vergeht schon in den ersten drei Minuten der Partie Hören und Sehen – wie der Fußballwelt. Pelé und der ebenfalls bei der WM debütierende Garrincha spielen die gegnerische Abwehr komplett auseinander. Als Vavá in der 2. Minute das 1:0 erzielt, haben Pelé und Garrincha schon zweimal den Pfosten getroffen. Jaschin fliegen die Bälle um die Mütze, doch nur Vavá gelingt in der zweiten Halbzeit noch ein Tor.

Aus Pelés Memoiren: Auch große Bäume kann man fällen…

Der schmächtige Pelé erinnert sich in seinen Memoiren an das Aufwärmen: „Ich weiß noch, wie ich zu ihnen hinüberschaute und dachte: Sie sind riesengroß… aber auch große Bäume kann man fällen.“ Die (gefällte) Sowjetunion schafft es ins Viertelfinale, scheitert dort jedoch an den Gastgebern. Für Brasilien ist mit der Aufstellung Pelés der Weg frei zum ersten Weltmeistertitel. Pelé wird in seinen weiteren drei WM-Spielen von 1958 sechs Tore schießen und am Ende seiner Nationalmannschaftskarriere im Jahr 1971 dreimal Weltmeister sein.

Voller WM-Adrenalin – an Schlaf war nicht zu denken…

Pelé erzählt später über sein Debüt in Göteborg: „Ich war nicht gerade zufrieden mit mir, denn ich hatte zwei Chancen vergeben und hätte noch einige andere Sachen besser machen können. Immer noch rauschte das Adrenalin durch meinen Körper, und es war unmöglich, in den Schlaf zu fallen.“

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WM 1958 in Schweden, Gruppenspiel:

Brasilien – Sowjetunion 2:0

Brasilien: Gilmar – Bellini, Nilton Santos, de Sordi, Didi, Mario Zagallo, Pelé, Orlando, Zito, Garrincha, Vavá

Sowjetunion: Jaschin – Kessarew, Kryschewski, Kusnetsow, Vojnow, Netto, Tsarew, Valentin Iwanow, Simonjan, Iljin, Aleksander Iwanow

Tore: 1:0 Vavá (2.), 2:0 Vavá (65.)

Zuschauer: 50.000 in Göteborg

Schiedsrichter: Maurice Guigue (Frankreich)