Interview mit Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn: WM 2018 wird für Manuel Neuer eine „Herausforderung“

Von Susanne Fetter

Im Doppelpack bei der Champions League und der WM im Einsatz: Oliver Kahn (rechts) und Oliver Welke. Foto: imago/Team2Im Doppelpack bei der Champions League und der WM im Einsatz: Oliver Kahn (rechts) und Oliver Welke. Foto: imago/Team2

Hamburg. Oliver Kahn glaubt, dass die rechtzeitige Rückkehr von Manuel Neuer zur Fußball-Weltmeisterschaft „eine große Herausforderung“ für die deutsche Nummer eins werden wird.

Der ehemalige Nationaltorhüter ist zudem sicher, dass Neuer für den FC Bayern in dieser Saison nicht noch einmal in der Champions League aufläuft. Selbst, wenn sich die Münchner am Dienstag gegen Madrid im Halbfinale durchsetzen würden. Mit einem Einsatz Neuers im Finale „würde keinem ein Gefallen getan werden“, sagte Kahn, der bei der WM als Fernsehexperte arbeiten wird, bei der Präsentation des TV-Konzepts von ARD und ZDF im Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Kahn, Sie haben heute schon einen wahren Interviewmarathon absolviert. Eine gute Übung für die WM?

Wer einmal ein Turnier mit Oliver Welke durchgequatscht hat, der ist gegen alles gefeit.

Als Experte müssen Sie zuerst immer Fragen beantworten zu…

…nein! Nein! Nein! Nein!

Ich weiß schon, dass Sie nichts zu den deutschen WM-Chancen sagen wollen.

Gott sei Dank!

Aber über Manuel Neuer müssen wir reden.

Es wird eine große Herausforderung für ihn, rechtzeitig fit zu werden!

Fußball-Kolumne: Verpasst Torwart Neuer die WM in Russland?

Er trainiert wieder.

Um wieder das Gefühl für das Spiel zu bekommen, müsste er in der Bundesliga und während der Vorbereitung mit der Nationalmannschaft die ein oder andere Partie absolvieren. In so einem kurzen Zeitraum wieder fit zu werden und dann gleich eine Weltmeisterschaft zu spielen, ist eine echte Herausforderung für alle Beteiligten.

So viel Spiele bleiben ja nicht mehr. Wäre es für Sven Ulreich nicht schade, in der entscheidenden Phase wieder zurück ins zweite Glied zu müssen?

Das wird nicht passieren. Manuel Neuer wird sicher das ein oder andere Bundesliga-Spiel machen, aber dass er in der Champions League zum Einsatz kommt, damit würde keinem ein Gefallen getan werden – weder Manuel Neuer noch Jupp Heynckes, noch dem FC Bayern.

Weil man dann Unruhe reinbringt? Oder weil die Spielpraxis fehlt?

Ich hatte selbst einen Kreuzbandriss und habe fünf Monate gebraucht, um wieder zurückzukehren. Da kann man nicht gleich wieder mit einem Champions-League-Halbfinale anfangen.

Bayern gegen Real – so lief das Hinspiel

Bis zu einem möglichen Endspiel wären es noch ein paar Wochen.

Die Zeit ist dennoch viel zu kurz. Das Risiko, einen nach langer Verletzung genesenden Spieler in einem Finale einzusetzen, ist viel zu groß.

Zurück zur Nationalmannschaft: Erste Alternative für Joachim Löw ist Marc-André ter Stegen.

Darin sehe ich überhaupt kein Problem. Er kann bei dieser Weltmeisterschaft ein starker Rückhalt sein. Aber Marc-André hat beim Confed Cup sehr gute Leistungen gezeigt und sein Torwartspiel entspricht der Philosophie von Jogi Löw.

Sie werden die WM nicht in Russland verbringen, sondern in Baden-Baden. Traurig darüber oder ganz froh, dass Sie nah an daheim sind?

Am liebsten ist man schon immer in dem Land der WM. Als Experte muss man das zwar nicht unbedingt sein, um seinen Job machen zu können, aber es hat Vorteile, wenn man die Stimmung vor Ort mitbekommt. Trotzdem, es ist jetzt nun mal nicht so. Und dann ist Baden-Baden für mich als Alternative perfekt.

Sie haben bei der Präsentation des Konzeptes zu Ihrem Moderationspartner Oliver Welke gesagt, in Baden-Baden könne man gut…dann stockten Sie. Was kann man denn da gut?

Ich wollte sagen Laufen, denn dort gibt es wunderschöne Strecken. Aber Oli Welke macht ja nur wenig Sport (lacht). Also habe ich später dann Golfen gesagt. Wobei man dazu eigentlich ins Elsass fährt. Dort kann man aber auch richtig gut essen.

Sie scheinen sich auf die Zeit in Ihrer alten Heimat zu freuen. Sonst sind Sie immer viel unterwegs. Genießen Sie es, einmal vier bis sechs Wochen an einem Ort zu sein?

Ich bin im Moment so viel in der Weltgeschichte unterwegs. Da ist es mal ganz angenehm an einem Ort zu sein.

Ihre Rolle als Experte…

… begreife ich als Teamwork. Ich habe viele Leute um mich herum, die mich mit Informationen versorgen und mit denen ich diskutieren kann. Ich gebe dann das an den Zuschauer weiter, was er möglicherweise auf dem Bildschirm nicht direkt gesehen hat.

Sie machen das jetzt zehn Jahre. Sehen Sie eine große Entwicklung?

Ja, natürlich. Ich bin nicht mehr mit dem Experten zu vergleichen, der gerade seine Karriere beendet hat. Da war ich noch viel zu sehr Spieler. Es brauchte ein paar Jahre, um dieses Spieler-Korsett los zu werden. Ich habe mich Stück für Stück entwickelt – auch durch und mit meinen Partnern. Von Oliver Welke, Jochen Breyer und Katrin Müller-Hohenstein habe ich viel gelernt.

Gibt es etwas, was besonders haften geblieben ist?

Ein wesentlicher Faktor ist es, vor der Kamera eine gewisse Entspanntheit zu behalten. Man darf nicht zu sehr drüber nachdenken: Was sage ich, was sage ich nicht? Ich versuche, eine Mischung aus Fachlichkeit und Entertainment zu schaffen.

Hatten Sie am Anfang Beißhemmung gegen die alten Kollegen?

Kritik zu üben fiel mir anfangs schon schwer. Wenn ich Kritik übe, dann an der Leistung und nie am Menschen selbst.


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