Fußball-Kolumne Der neue Trainer beim FC Bayern München ist immer der Falsche

Von Udo Muras


Frankfurt. Die Trainerfrage bei Bayern München ist das letzte spannende Thema für den Saisonendspurt in der Fußball-Bundesliga, da das Titelrennen ja schon entschieden ist. Doch wer wird nun neuer Coach beim Rekordmeister? Immer der Falsche findet unser Kolumnist Udo Muras.

Die Trainersuche des FC Bayern hilft uns Fußballjunkies durch die ungewohnt faden letzten Saisonwochen. Gibt es also doch noch ein paar offene Fragen in der Bundesliga, die zum sechsten Mal in Folge ohne ein Titelrennen auskommen muss? Aber ich weiß schon jetzt, wer der Bayern-Trainer sein wird: auf jeden Fall nicht der Richtige! So werden wir es zu hören und zu lesen bekommen, denn so war es ja schon immer. (Weiterlesen: Warum die Bundesliga nicht spannend ist)

Viele Wunschtrainer mussten wieder gehen

Auch von Kritik und Vorurteilen lebt der Fußball, fachen sie doch Diskussionen an. Gerade wenn es um die Bayern geht. Da ja nun schon diverse Wunschtrainer ausgeschieden sind, wird der Glückliche also bestenfalls dritte Wahl sein, und selbst wenn ihm das völlig egal sein würde, hinter einem Jupp Heynckes oder einem Thomas Tuchel zu rangieren, wird ihm öffentlich unterstellt werden, darunter zu leiden. So sind wir, die Medien, so sind die Menschen. Es wird sich an dem Neuen sicher noch mehr finden: zu jung, zu alt, zu wenig internationale Erfahrung, schlechte Sprachkenntnisse, keine Erfahrung mit Superstars, kein Bayern-Gen.

Zu Bayern passt heute eigentlich nur einer, der schon da war – darum haben sie ja auch fast alle Erfolgstrainer wieder zurückgeholt: Lattek, Hitzfeld, Trapattoni, der Kaiser – und nun der vierfache Jupp. Haben sie in München eigentlich die Nummer von Felix Magath verlegt, oder warum fehlt der in dieser Reihe?

Klinsmann innovativ, van Gaal allwissend

Es hat natürlich für jeden Trainer gute Argumente gegeben. Ein Klinsmann war ja so innovativ und Uli Hoeneß von der Idee „so besoffen“, wie er zugab, dass der Trainernovize das Vereinsgelände umbauen durfte. Gewonnen haben sie mit ihm leider nur an Erfahrung, und so präsentierten sie mit Louis van Gaal stolz nun „einen Fußballlehrer“, dessen Vorträge ihnen irgendwann auf den Geist gingen. Ebenso wie sein Dünkel, dass alle von ihm noch etwas lernen könnten, er selbst aber schon alles wisse. Bis es dann krachte. Van Gaal ist einer der wenigen Menschen, mit denen Uli Hoeneß trotz seiner angeblichen Läuterung im Gefängnis, die ihn gar zur Aussöhnung mit Willi Lemke führte, kein Bier mehr trinken würde. (Weiterlesen: Kündigung durchs Klofenster)

Es gab weitere legendäre Fehlschüsse in der Bayern-Historie, allen voran der mit Otto Rehhagel – was wirklich jeder hat kommen sehen, der die Bremer und die Münchner Verhältnisse kannte.

Die Medien und die Stars

Wenn nun der neue Trainer aus dem fußballerisch kleinen Frankfurt käme, wie derzeit am lautesten getrommelt, wäre er nicht auch zum Scheitern verurteilt? Thomas Berthold, Weltmeister von 1990 und ein fleißiger Kolumnist, glaubt das. Er müsse sich mit Hoeneß und Rummenigge auseinandersetzen, „solche Kaliber kennt er aus Frankfurt nicht“. Weitere Argumente, besser am Main zu bleiben: Das Starensemble der Bayern und das mediale Umfeld – „für all das brauchst du Lebenserfahrung, du musst als Persönlichkeit schon etwas erlebt haben“. Was insinuiert, dass Kovac gerade aus dem Kindergarten gekommen ist und noch bei den Eltern lebt. Berthold macht es sich da etwas zu einfach, Kovac hat als Spieler und Trainer an Weltmeisterschaften teilgenommen und selbst schon bei den Bayern gekickt. Nur mal zur Erinnerung.

Zu viel Gemütlichkeit ist auch schlecht

Aber die Vereinfachung von Sachverhalten wird zuweilen von Boulevard-Kolumnisten erwartet. Max Merkel hat dasselbe Thema von der anderen Seite aufgezäumt und vor 40 Jahren schreiben lassen, die Bayern könne er „vom Telefon aus trainieren“. Dass es mit zu viel Gemütlichkeit schon mal schiefgehen kann, hat die Vorrunde unter Carlo Ancelotti bewiesen, übrigens ein sehr erfahrener Mann. (Weiterlesen: Abstiegskampf ist die neue Meisterschaft)

Richtig ist sicherlich eines, und das hat gar nichts mit den Bayern zu tun: Trainer, die bei kleinen Vereinen Großes erreicht haben und dann zu Großen gegangen sind, um den „nächsten Schritt“ zu machen, sind oft auf die Nase gefallen. Ich will hier keine Namen nennen außer vielleicht Rangnick (in Stuttgart), Köstner (Köln), Weinzierl und Breitenreiter (Schalke), Schulte (Dresden) oder Stanislawski (Hoffenheim/Köln), der jetzt Leiter eines Supermarkts ist. Doch ein Gegenbeispiel steht derzeit auf Platz zwei der Bundesliga: Domenico Tedesco, Retter von Erzgebirge Aue, jetzt König auf Schalke. Wieso wird der eigentlich noch nicht bei Bayern gehandelt?

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