Fußball-Talks unter der Lupe: Sport1-Doppelpass Generalkritik an Borussia Dortmund: Es fehlt an Qualität und Mentalität

Von Micha Lemme

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Nach der Demütigung: Die Dortmunder schleichen nach dem 0:6 beim FC Bayern München vom Platz. Die Lage beim DFB war Thema im „Doppelpass“ auf Sport1. Foto: dpaNach der Demütigung: Die Dortmunder schleichen nach dem 0:6 beim FC Bayern München vom Platz. Die Lage beim DFB war Thema im „Doppelpass“ auf Sport1. Foto: dpa

Osnabrück. Die Situation beim BVB nach dem desolaten 0:6 in München und die Trainersuche beim FC Bayern – das waren die zentralen Themen im Sport1-Doppelpass. Die Diskussionsrunde um Moderator Thomas Helmer, die beiden Hauptgäste Christian Ziege und André Schubert sowie Thomas Wagner (RTL), Oliver Müller (freier Journalist) und den Sport-1-Experten Marcel Reif verpasste es dabei allerdings zu häufig, eine gehaltvolle und sachliche Debatte zu führen.

Zentrales Thema in der Runde war natürlich der desolate Auftritt von Borussia Dortmund beim 0:6 im Bundesliga-Topspiel bei Bayern München. „In so ein Spiel kannst du so nicht reingehen“, beklagte Reif die Einstellung des BVB und zog eine direkte Verbindung zu Trainer Peter Stöger: „Da hat auch der Trainer seine Verantwortung. Alles unter Platz vier ist mit diesem Kader nicht zu begründen.“ Schubert kritisierte ebenfalls die mangelnde Aggressivität und die taktische Herangehensweise der Dortmunder: „Da fehlte komplett die Zuordnung.“

Ziege: In der Mannschaft stimmt irgendwas nicht

Der Borussia seien Charakterköpfe wie Sebastian Kehl und Sven Bender abhanden gekommen, bemängelte Müller. Stöger habe wohl keine Zukunft beim BVB, aber in seiner Analyse, der Verein brauche einen Umbruch und müsse die eigenen Ansprüche überdenken, läge er richtig, so Müller weiter.

Ähnlich äußerte sich auch Ziege, der sagte: „In der Mannschaft, da stimmt irgendwas nicht.“ Wagner spitzte es zu mit den Worten: „Wenn du drei verschiedene Trainer brauchst, dann liegt es nicht am Trainer, sondern an der Mannschaft.“ Darüber, dass Matthias Sammer dem BVB als neuer externer Berater in Zukunft weiterhelfen kann, war sich die Runde einig.

Schubert relativiert Zieges unfundierte Kritik

In der anschließenden Trainerdiskussion wurden wieder einmal die üblichen Namen für die vakanten Posten bei Bayern München und Borussia Dortmund genannt (Hasenhüttl, Favre, Nagelsmann, Kovac). Ziege kritisierte im Zuge dessen die mediale Berichterstattung: „Es werden immer die gleichen Namen gehandelt. Es hört sich so an, als ob nur die vier Trainer den Job machen können.“ Schubert relativierte diese wenig fundierte Kritik und meinte: „Wer in den Medien gehandelt wird, liegt eben auch an den Medien. Das ist auch alles in Ordnung, so lange sich Vereine nicht davon treiben lassen.“

Reif: Bayern können sich keine Innovationen leisten

Bei der Trainersuche beim BVB und den Bayern müsse man innovativ denken, schlug Müller vor und nannte Schalkes Trainer Domenico Tedesco, der vor der Saison vielen unbekannt war, als Positivbeispiel. Für Reif war allerdings schnell klar, dass diese Herangehensweise kaum als Muster für den FC Bayern gelten könne. „Die Bayern können es sich nicht leisten, irgendwas Innovatives zu machen“, betonte der Sport1-Experte und verwies auf die misslungene „Trainer-Innovation“ Jürgen Klinsmann.

Videobeweis-Diskussion dreht sich im Kreis

Im Zuge der Debatte um das Spiel Bayern gegen Dortmund war die Runde in eine intensiv geführte, aber wenig gewinnbringende Diskussion über den Videobeweis abgedriftet. Wagner überzog mit der Frage „Warum gibt es bei den Bayern eigentlich keinen Videobeweis?“ und meinte damit insbesondere den wegen einer Abseitsstellung irregulären Führungstreffer von Robert Lewandowski. Auch der vermeintliche 3:3-Ausgleichstreffer von Hannover 96 gegen RB Leipzig sorgte für Diskussionsstoff, wobei die Runde nicht auf einen gemeinsamen Nenner kam. Spätestens als Ziege das Totschlagargument der Videobeweis-Gegner („Eines macht der Videobeweis kaputt: Das Momentum von Emotionen!“) brachte, war klar, dass diese Diskussion im Nichts enden würde.


Doppelpass

Jeden Sonntag ab 11 Uhr auf Sport1. Moderator: Thomas Helmer. Zu sehen auch im Internet via Stream und bei Facebook.

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