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20.03.2018, 16:40 Uhr KOLUMNE

Warum die Krise der Bundesliga auch eine Trainerkrise ist

Von Udo Muras


Los, verteidigt! BVB-Coach Peter Stöger. Foto: AFPLos, verteidigt! BVB-Coach Peter Stöger. Foto: AFP

Frankfurt. Hannes Wolf war der Überraschungssieger des DFB-Trainerpreises am Montag. Dabei steht er eigentlich für eine Krise der neuen Trainergeneration, die eine defensive Spielweise der offensiven vorzieht. Spannend ist etwas anderes, findet unser Kolumnist.

Der Deutsche Fußballbund hat an diesem Montag mal wieder seinen Trainerpreis verliehen und einen Überraschungssieger gekürt, auf den bei einer Straßenbefragung gewiss nicht mehr Stimmen entfallen wären als auf die SPD in Sachsen-Anhalt: Hannes Wolf, dieser sympathische junge Mann mit dem „Klassenbestengesicht“, um Mehmet Scholl zu zitieren.

Wolf gab Schwäche zu

Der junge Mann, der neulich aus dem Rahmen der Konvention fiel, weil er eine Schwäche zugab und sich damit selbst um den Posten beim Bundesligisten VfB Stuttgart gebracht hat. Dafür hat er Beifall bekommen. Aber nicht den Preis.

Den gab es für seine gute Jugendarbeit mit Borussia Dortmund, mit der er bis 2016 drei Meisterschaften in Folge holte. In der ersten Saison schoss der BVB 70 Tore, in der zweiten 82, in der dritten 89 – in je 26 Spielen also immer mehr als drei. Das war mit dem VfB, den er in die Bundesliga zurückführte, natürlich nicht möglich. Ob er deshalb unbedingt ins andere Extrem verfallen musste, will ich von meinem Schreibtisch aus nicht bewerten. Ich stelle es nur fest, dass es passiert ist. ( Weiterlesen: Risoko-Job Fußball-Trainer)

Bundesliga-Krise ist auch Trainer-Krise

In der Bundesliga hat er auf Teufel komm raus verteidigen lassen, nie schoss der VfB in seiner Geschichte weniger Tore. Weil der Gegner zuletzt immer ein paar mehr schoss, ging Wolff dann lieber – bevor er gegangen wurde. Ich will Wolf nicht anklagen, er ist nur ein Kind seiner Zeit. Die Krise der Bundesliga ist auch eine Trainerkrise.

Wenn von Joachim Löw über Lothar Matthäus bis Toni Kroos festgestellt wird, dass vorwiegend nur noch verteidigt und zerstört wird, muss man schon mal fragen dürfen: Wer ordnet das an? Wer will das? Machen etwa an jedem Wochenende 15 Mannschaften abzüglich der Bayern, Leverkusener und jetzt auch der Bremer etwa nicht das, was der Trainer will?

Es wird immer Mannschaften geben, die ihr Heil in der Defensive suchen. Naturgemäß sind es die schwächeren, mit weniger Geld, mit weniger Ausnahmekickern. So hat sich Waldhof Mannheim acht Jahre in der Bundesliga gehalten, so hat Fortuna Düsseldorf in den Neunzigern zwei Jahre überlebt und so wurde Eintracht Braunschweig vor 50 Jahren sogar Meister! Es sei ihnen noch nachträglich gestattet.

Kein Kribbeln mehr

Aber was beispielsweise gerade die großen Revierclubs mit ihren weit größeren Möglichkeiten als etwa Mainz oder Freiburg nicht nur ihren Fans antun, das gehört schon fast unter Strafe gestellt.

Schalke 04 gewinnt seit fünf Wochen mit einem Tor Vorsprung, und sie wissen gar nicht warum. Auch sie haben einen Klassenbesten des Trainerjahrgangs auf der Bank. Nie hoch gespielt, kann aber alles super erklären, hat eine hohe soziale Kompetenz und schickt elf Schachspieler auf den Rasen. Die dann die meisten Fouls der Liga verüben. Domenico Tedesco ist Italiener, vielleicht fühlt er sich dem Catenacchio verpflichtet, den Fans eher nicht. Wer Unterhaltung sucht, der nehme bei Schalke-Spielen die Fernbedienung und schaue sich eine Tier-Doku an oder im heimischen Garten den Ameisen beim Bau ihrer Festung zu. Das kribbelt mehr.

Stöger – der 0:0-Rekordhalter

Borussia Dortmund hat sich mit Peter Stöger nun den 0:0-Rekordhalter der Bundesligageschichte geholt und wundert sich, wo der Klopp’sche Vollgasfußball geblieben ist, den es unter Tuchel in Abwandlungen und unter Bosz mit fatalen Nebenwirkungen noch gab. Unter Stöger aber wird’s immer dröger. In Europa sind sie raus, nach Nikosia war auch Salzburg eine Nummer zu hoch. Zwölf Spiele haben sie in der Liga nicht verloren und trotzdem eine Trainerdiskussion. Was sagt uns das über die Trainer und über die Liga? Darauf kommen Sie jetzt selbst.

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