Fußball-Talks unter der Lupe: ZDF-Sportstudio Eintracht-Chef Fredi Bobic: Wir müssen die 50+1-Regel erneuern

Von Jacob Alschner

Ausführliches Gespräch im ZDF-Sportstudio: Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein mit dem Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, Fredi Bobic. Foto: Imago/Martin HoffmannAusführliches Gespräch im ZDF-Sportstudio: Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein mit dem Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, Fredi Bobic. Foto: Imago/Martin Hoffmann

Osnabrück. Die Siegesserie von Eintracht Frankfurt reißt nicht ab. Nach dem 3:0-Derbysieg daheim gegen Mainz stehen die Hessen, zumindest über Nacht, auf dem vierten Platz in der Tabelle der Bundesliga. Der Vater des Erfolgs, Sportvorstand Fredi Bobic, war am Samstagabend zu Gast im ZDF-Sportstudio bei Kathrin Müller-Hohenstein und sprach über das Rezept des Höhenflugs der Adler.

Als Fredi Bobic den Posten des „Vorstand Sport“ in Frankfurt 2016 übernahm, gab es nicht Wenige, die skeptisch waren. Zuvor war der gebürtige Kroate schon vier Jahre als Sportdirektor bei seinem ehemaligen Verein dem VfB Stuttgart aktiv gewesen und nach eher mäßigern Erfolgen 2014 entlassen worden. Dazu kamen die großen Fußstapfen, die Bobic als Nachfolger Heribert Bruchhagens vorfand. Rückblickend auf die anfängliche Skepsis, die er erfuhr, befand Bobic im Sportstudio: „Ich hatte in der Zwischenzeit kräftig an mir gearbeitet. In schwierigen Zeiten kannst du dich auf eine Insel verkrümeln und braun werden oder du kannst weiter an dir arbeiten. Und das habe ich selbstkritisch gemacht.“

Geheimrezept: Harte Arbeit

Generell sei der Erfolg laut Bobic in Frankfurt die Konsequenz aus harter Arbeit. Bei den finanziellen Mitteln, nach denen Bobic die Eintracht im unteren Drittel der Bundesliga sieht, sei das auch gar nicht anders möglich. „Eines ist klar. Was die Jungs da investieren, ist der Wahnsinn.“ Bobic gab zu, er sei überrascht vom bisherigen Abschneiden der Mannschaft in dieser Saison. Im letzten Sommer hätte niemand gedacht, dass die Eintracht kurz vor Abschluss der Saison auf einem Champions-League-Platz stehen würde.

Die Aufgabe und auch das Ziel für die Zukunft sei es jetzt, die Stellung zu festigen. „Insgesamt ist der Plan, dass wir uns weiter stabilisieren wollen.“ Auch hier sieht Bobic die Frankfurter auf einem guten Weg: „Bei Logen und Dauerkarten haben wir keine einzige Kündigung diese Saison. Das ist schon sehr ungewöhnlich. Die Leute wollen auch nächste Saison der SGE zsuchauen.“

50+1-Regel: Reformieren statt Kippen

Angesprochen auf die anstehende Entscheidung beim Thema 50+1-Regel gab sich Bobic

nicht allzu romantisch. Zwar sollte man die Regel nicht komplett kippen, in ihrer jetzigen Form weiter fortbestehen sollte sie aber auch nicht: „Die 50+1-Regel können wir erneuern und dabei Dinge verankern, die dem Fan unheimlich wichtig sind, wie Standort, Logo oder Farben eines Vereins. Wir müssen einen eigenen, intelligenten Weg finden, die Regel zu reformieren“.

Angesprochen auf die weitergehende sportliche Talfahrt des Hamburger SV, bei dem ein Abwenden des ersten Abstiegs aus der Bundesliga in der Vereinsgeschichte von Woche zu Woche unwahrscheinlicher wird, fand auch Bobic keine aufmunternden Worte. Betrachtet aus der Perspektive des ehemaligen aktiven Sportlers sei die Lage beim HSV mehr als ernst. „Gefühlt ist es schon lange fünf nach zwölf“, meinte Bobic und äußerte damit ernste Zweifel, ob ein Klassenerhalt in dieser Saison für den HSV noch realistisch scheine.