Stiller Protest Fußball-Fans boykottieren Montagsspiele in der Bundesliga

Von Kristina Müller und Daniel Brickwedde

Auf den Tribunen im Signal Iduna Park in Dortmund klafften am Montagabend viele Löcher. Foto: imago/Thomas BielefeldAuf den Tribunen im Signal Iduna Park in Dortmund klafften am Montagabend viele Löcher. Foto: imago/Thomas Bielefeld

krim/dbri Osnabrück. Am Montag protestierten wieder zahlreiche Fans gegen die Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga. Warum gibt es die Montagsspiele überhaupt? Und was haben die Fans eigentlich dagegen?

Gespenstische Stimmung im Signal Iduna Park in Dortmund: Beim 1:1 gegen den FC Augsburg waren nur 54.300 Zuschauer gekommen, die die meiste Zeit allerdings auch schwiegen. Mehrere tausend Fans boykottierten das Spiel – aus Protest gegen die Montagsspiele.

Wie viele Montagsspiele gibt es in dieser Bundesliga-Saison?

Insgesamt fünf von 306 Spielen finden in dieser Saison an einem Montag statt. Das erste war am 19. Februar mit Eintracht Frankfurt gegen den RB Leipzig, darauf folgte das Heimspiel der Dortmunder gegen den FC Augsburg. Das dritte Spiel steht mit Werder Bremen und dem 1. FC Köln am 12. März fest. Die letzten beiden setzt die DFL zwischen dem 28. und dem 32. Spieltag an. Fünf Montagstermine pro Saison sind im aktuellen TV-Vertrag bis zur Saison 2020/21 festgeschrieben.

Warum gibt es Montagsspiele?

„Zur Vermeidung von Donnerstag-Samstag-Ansetzungen für Europa-League-Starter und zum Schutz des Amateurfußballs wurde diese neue Anstoßzeit mit Zustimmung der Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga eingeführt“, hieß es in einer Mitteilung der DFL. Kommerzielle Gründe seien dabei nicht entscheidend gewesen: „Auf die fünf Montagsbegegnungen entfällt weniger als ein Prozent der Medienerlöse.“ Es gebe auch keine Pläne, die Anzahl dieser Spiele auszuweiten. Alle 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga haben diesen Plänen zugestimmt. Um auch den reisenden Fans entgegenzukommen, wurden gleichzeitig die Englischen Wochen von vier auf zwei reduziert.

Warum protestieren die Fans?

Viele Anhänger vermuten in der Ausweitung auf Montagsspiele Gründe der Kommerzialisierung und Profitmaximierung im Profifußball. Besonders die BVB Fan- und Förderabteilung positioniert sich klar gegen die Montagsspiele und die weitere Aufsplittung von Spieltagen: „Egal, ob Schüler, Studenten oder Arbeitnehmer: Für viele Fans ist der Stadionbesuch an einem Montagabend mit unzumutbaren Strapazen verbunden. Wer nicht in unmittelbarer Nähe des Spielorts wohnt, muss sich meist schon mittags oder nachmittags auf den Weg zum Stadion machen. Auswärtsfans ist es in der Regel nicht möglich, die Spiele ihrer Mannschaft ohne den Einsatz von Urlaubstagen im Stadion verfolgen zu können“, heißt es auf ihrer Internetseite.

Der „FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball“ führte in Zusammenarbeit mit dem Fachblatt „kicker“ und dem Deutschen Institut für Sportmarketing eine Befragung zum Thema Anstoßzeiten unter Fußballfans durch. Ergebnis: 91,4 Prozent der 186.254 befragten Fans lehnen Montagsspiele kategorisch ab. „Wir sind gespannt, ob und wie DFL und Klubvertreter auf dieses starke Fanvotum reagieren werden“, sagte Claus Vogt, Gründer und Vorsitzender des „FC PlayFair!“.

Wie äußerten sich die Proteste in Dortmund?

Fans des FC Augsburg riefen eine Online-Petition gegen die Montagsspiele unter dem Motto „Fußball ist Volkssport“ ins Leben. In der Fanszene gab es einen Boykottaufruf, nur 200 Anhänger aus Augsburg reisten nach Dortmund. „Dieser Schritt ist einer der drastischsten für uns Fußballfans und die letzte Konsequenz aus einer Entwicklung, die das Stadionerlebnis wie wir es alle lieben in seiner Existenz bedroht“, hieß es von der Fanszene des FCA. „Die Interessen der Fans stehen bei den Verbänden an letzter Stelle. Bald zwei Jahrzehnte Protest jedweder Art blieben ungehört, wir sehen deshalb unser Fernbleiben als vorerst letzte Option.“

Beim BVB kündigten über 350 Fanklubs im Vorfeld an, dem Boykottaufruf zu folgen. Wie viele tatsächlich der Partie fernblieben, lässt sich schwer bemessen, allerdings bot die stets restlos gefüllte Südtribüne viel Freiraum. Die Zuschauerzahl lag offiziell bei 54300, rund 25000 weniger als der übliche Durchschnitt im Signal Iduna Park. Zuletzt kamen am 12. Oktober 1996 gegen den MSV Duisburg weniger Besucher zu einem Dortmunder-Spiel. „Sonst brennt hier die Hütte“, bemerkte auch Stefan Reuter, Sportdirektor beim FC Augsburg und früherer BVB-Profi.

Wie reagierte der Gastgeber Borussia Dortmund?

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte gegenüber „Reviersport“: „Ohne die Montagsspiele werden wir vielleicht ein, zwei Millionen Euro weniger einnehmen. Aber eine größere Einheit mit den Fans ist uns mehr wert.“ Auch direkt vor dem Anpfiff richtete sich der Verein durch Stadionsprecher Norbert Dickel an die Fans: „Wir akzeptieren und respektieren, dass viele Zuschauer zu Hause geblieben sind. Wir sind auch gegen eine weitere Zerstückelung des Spieltages. Wir werden das Thema bei der DFL für die nächste Rechteperiode vorbringen. Für Montagsspiele sind wir nur, wenn es dafür einen sportlichen Grund gibt.“

Wie sieht es in den anderen europäischen Top-Ligen aus?

Mit dem Montagsspiel ist der Spieltag in Deutschland auf sechs Termine für neun Partien verteilt. In der englischen Premier League gibt es ebenfalls sechs Termine, allerdings für zehn Partien – eine Begegnung findet dabei im Normalfall am Montag um 21 Uhr statt, am Freitag wird in der Regel nicht gespielt. In Spanien ist die Zerstückelung am weitesten vorangeschritten: Zehn Partien sind auf neun Termine aufgeteilt – auch hier wird jeder Spieltag mit einer Partie am Montagabend (21 Uhr) besiegelt. In Italien wiederum gibt es sechs Termine, der Hauptteil der Begegnungen wird am Sonntag um 15 Uhr ausgespielt. Montagsspiele (20.45 Uhr) sind ebenfalls die Regel.

(Mit dpa)