Fußball-Talks unter der Lupe: Doppelpass Der HSV muss absteigen, damit er sich neu aufbauen kann

Von Lennart Albers

Der HSV steht kurz vor dem Abstieg. Foto: WittersDer HSV steht kurz vor dem Abstieg. Foto: Witters

Osnabrück. Nach der 0:1-Niederlage im Nordderby gegen den SV Werder Bremen steht der Hamburger SV vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Im Doppelpass auf Sport1 mit Moderator Thomas Helmer machte Kicker-Chefreporter Karl-Heinz Wild mangelnde Einstellung als Grund für den unmittelbar drohenden Gang in die Zweitklassigkeit fest. Dabei kritisierte er exemplarisch Stürmer Bobby Wood. Außerdem wurde in der Runde verraten wie Gast Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC Berlin, Siege feiert.

Die Frage, ob sich der HSV noch retten kann, fiel nach der Pleite in Bremen schon gar nicht mehr. Obwohl noch zehn Spieltage anstehen, glaubte in der Runde angesichts von sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz keiner mehr an den Klassenerhalt des Bundesligadinos. Dass der Abstieg verdient wäre, meinte Wild und machte dies an einer Szene aus dem Derby fest, in welcher der wenige Minuten zuvor eingewechselte Bobby Wood nicht den nötigen Biss zeigte: „Der läuft da hinterher wie eine 80-Jährige mit 30 Kilo Übergewicht.“

Einigkeit herrschte im Talk in einer Sache: Die Hamburger müssen absteigen, damit sie sich neu aufbauen können. Bild-Reporter Kai Traemann stellte fest: „Momentan liegt der ganze Verein in Schutt und Asche. Ein Abstieg wäre ein heilender Schock.“ Dass die Bundesliga langfristig nicht auf den HSV verzichten sollte, die Stadt Hamburg in die Erstklassigkeit gehöre und mit den Möglichkeiten langfristig auch in der oberen Tabellenhälfte mitspielen müsste, war paradoxerweise aber genauso Konsens bei den Experten. „Aber das ist einfach völlig illusorisch. Wir sind hier ja nicht bei ‘Wünsch dir Was‘ “, holte Sport1-Experte Thomas Strunz die Runde schnell wieder zurück in die Realität.

„Solange das nicht blutet“

Gast Dardai trug lange Zeit wenig inhaltlich zur Runde bei, weil er sich naturgemäß und aus Gründen der Fairness nicht zu einem Konkurrenten äußern wollte. Dafür sorgte er für einen großen Lacher als kurz die Derby-Szene diskutiert wurde, in der der Bremer Florian Kainz sich von Gegenspieler Gotoku Sakai befreite und dabei mit der Hand durch das Gesicht des Hamburgers wischte. Während die Runde eine Gelbe Karte forderte, kommentierte Dardai trocken: „So lange das nicht blutet, normaler Zweikampf.“

Zur Debatte um die Montagsspiele äußerte sich der Ungar nur sehr zurückhaltend: „Wir müssen das einfach akzeptieren. Es sind nur fünf Spiele im Jahr. Der Dialog muss entstehen, weil die Fans das Wichtigste sind.“ Ob der eine Tag mehr Regeneration für die Euro-League-Teilnehmer wirklich das entscheidende Argument für die Montagsspiele ist, wurde bezweifelt. „Was die Fans am meisten aufregt, ist die Scheinheiligkeit der Argumente. Es sollte mal ehrlich kommuniziert werden“, forderte Strunz die DFL-Funktionäre und Vereinsvertreter auf, sich klar zu positionieren, dass es einzig und allein um Geld geht.

„Bei Gulasch ist er auch nicht abgeneigt“

Hertha-Manager Michael Preetz berichtete im Interview außerdem darüber, wie Dardai Siege feiert: „Ab und zu muss mal ein Schwein dran glauben und bei Gulasch ist er auch nicht abgeneigt.“ Das bestätigte der Hertha-Trainer, gab aber zu Protokoll, dass er das 0:0 beim FC Bayern am Samstag mit zwei Gläsern Wein begoss. „Das habe ich aber auch verdient“, meinte er augenzwinkernd.