Fußball-Talks unter der Lupe: Wontorra auf Sky Kritik an Fankrawallen: „Müssen erst Kinder zu Schaden kommen?“

Von Malte Goltsche

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Im Gästeblock des Weser-Stadions zündeten einige HSV-Fans Pyrotechnik. Foto: imago/NordphotoIm Gästeblock des Weser-Stadions zündeten einige HSV-Fans Pyrotechnik. Foto: imago/Nordphoto

Osnabrück. Der Sonntagvormittag ist traditionell Arbeitszeit von Fußball-Talkmaster Jörg Wontorra. In der Ausgabe an diesem Wochenende ging es vor allem um den Ausgang des Nordderbys zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV, die Fankrawalle und den Klassenerhalt des HSV.

Beim Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV ging es gestern um eine Vorentscheidung beim Thema Klassenerhalt. Bremen konnte sich durch den 1:0-Erfolg ein wenig von der Abstiegszone absetzen, während die Luft für die Hamburger mit nun sieben Punkten Abstand auf den Relegationsplatz immer dünner wird. Entschieden wurde das Derby durch ein umstrittenes Eigentor des Hamburger Verteidigers Rick van Drongelen, bei dem über eine mögliche Abseitsstellung sowie einen umstrittenen Zweikampf diskutiert wurde. Das Spiel wurde außerdem überschattet von dem mehrfachen Abbrennen von Böllern und Leuchtraketen durch die Gästefans.

Die Fankrawalle waren dann auch das erste Thema der Talkrunde um Sky-Experte Dietmar Hamann die beiden Journalisten Frank Hellmann und Freddie Röckenhaus und Eberl. Vor allem Hellmann tat sich dabei als großer Kritiker der „Chaoten“ hervor. „Wo soll das noch hinführen? Was soll erst noch passieren? Müssen erst Kinder zu Schaden kommen? Ich glaube, jeder Familienvater, der gestern dort war, muss sich die Frage stellen, ob er mit seinen Kindern überhaupt noch ins Stadion gehen kann“, sagte der Journalist. Max Eberl betrachtete die Situation vor allem von der Seite des Funktionärs: „Wir müssen den Chaoten, den paar Hundert, die jeder Verein hat, Herr werden. Als Vereine, als gesamte Liga müssen wir etwas dagegen tun. Die müssen raus aus den Stadien.“ Hellmann kritisierte in der Folge außerdem auch die gesamte Fanszene: „Was mich massiv stört, ist die Tatsache, dass diese kleine Gruppe an Chaoten in der großen Masse untergeht und offenbar in der großen Fangruppe auch gar nicht die Bereitschaft besteht, sie auszuschließen.“

Bruchhagen ruft an

Wontorra, der „diesen Idioten keine zu große Plattform“ geben wollte, beendete das Thema und leitete über zum Spiel selbst. Hier ging es natürlich vor allem um das umstrittene Siegtor Werders. Hierbei stand sowohl eine mögliche Abseitsposition des Bremer Stürmers Belfodil, als auch ein Zweikampf zwischen Belfodil und des Eigentorschützen van Drongelen zur Diskussion. Bei der Abseitsposition war sich die Runde einig, dass durch die TV-Bilder keine zu erkennen war.

Allerdings meldete sich – zum ersten Mal in der Geschichte der Sendung – jemand über das rote Telefon, eines der Markenzeichen des Studios: Es war der Hamburger Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Der hatte sich am Samstag nach dem Spiel vor dem Sky-Mikrofon wütend über das Nicht-Eingreifen des Videoassistenten und das deutsche Schiedsrichterwesen geäußert und entschuldigte sich für seine Aussagen. Diese seien überzogen gewesen und „der Situation geschuldet“. Dennoch blieb Bruchhagen bei seiner Einschätzung, dass eine Abseitsposition von Belfodil vorlag. „Es ist die Frage, wann die Linie gezogen wird und als der Ball den Fuß (beim Torschuss von Johannson zuvor) verlassen hat, war es eine klare Abseitsposition“, sagte Bruchhagen. Außerdem hat Bruchhagen auch ein Foul Belfodils an van Drongelen gesehen – eine Meinung, die auch Dietmar Hamann teilte: „Ich glaube, es war ein Foulspiel. Der größte Beweis dafür ist, dass es ein Eigentor war. Erst durch das Einwirken von Belfodil haut van Drongelen den Ball ins Tor.“

„Fehlende Qualifikation im Kader“

Durch die Niederlage in Bremen wird der erste Abstieg in der Geschichte für den HSV immer wahrscheinlicher. Eine erneute Personalrochade schließt Bruchhagen allerdings aus: „ Wir sind uns sicher, dass der Tabellenplatz, den wir einnehmen, das Resultat vieler Entscheidungen ist. Damit hat Bernd Hollerbach überhaupt nicht zu tun. Er arbeitet mit dem Kader so, wie er ihn vorgefunden hat.“ Am kommenden Wochenende empfängt der HSV den 1. FSV Mainz 05, die Mannschaft, die aktuell auf dem Relegationsplatz steht – der nächste Abstiegskracher. Bruchhagen ist sich der Bedeutung dieses Spiels bewusst: „Wir müssen dieses Spiel gewinnen, ohne wenn und aber. Wenn wir das nicht gewinnen, sind wir sportlich so weit abgeschlagen, dass die Restchancen wirklich gering sind.“

Den Abstieg hielt auch die Runde für wahrscheinlich. „Das Kardinalproblem, das war gestern auch über 90 Minuten zu sehen, ist die fehlende Qualität im Kader“, sagte Hellmann. Freddie Röckenhaus blickt auf den Abstand zur Konkurrenz: „So wie die Konstellation jetzt ist, sind die meisten anderen zu weit weg.“ Während Hellmann bei einem Abstieg einen kompletten personellen Neuanfang in der Führung des HSV erwartet, brach Max Eberl zumindest eine Lanze für Heribert Bruchhagen: „Er ist so ein erfahrener Mann, dass es auch ein großer Vorteil sein kann, so einen auch in der Zweiten Liga zu haben.“


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